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VfL Wolfsburg Der Unterschiedsspieler

Josip Brekalo nährt vor der Relegation die Hoffnungen in Wolfsburg.

VfL Wolfsburg - 1. FC Köln
Josip Brekalo war beim 4:1 gegen Köln der Matchwinner mit einem Tor und einer Vorlage. Foto: dpa

Das vielleicht sichtbarste Zeichen seiner jugendlichen Unbekümmertheit ist die Zahnspange, die Josip Brekalo trägt. Und sie kommt beim 19-Jährigen immer dann besonders gut zum Vorschein, wenn der in Zagreb geborene Kroate breit grinst. Wie vergangenen Samstag, als der schmale Flügelflitzer sein wohl bestes Spiel im Trikot des VfL Wolfsburg bestritten hatte. Ein Tor und eine Vorlage wurden ihm beim 4:1 gegen den 1. FC Köln offiziell gutgeschrieben, doch seine Soli hatten auch die zwei anderen Treffer eingeleitet. Ein Irrwisch als Dosenöffner. Der Tempodribbler avancierte zum Matchwinner am Mittellandkanal – daran änderte auch eine zwischenzeitlich verschluderte Großchance nichts. 

„Ich versuche, immer alles zu geben. Ich bin glücklich, wenn ich der Mannschaft helfen kann“, sagte Brekalo hinterher artig, der im Gegensatz zu manch Mannschaftskameraden mit ordentlich Demut auf die anstehenden Relegationsspiele gegen Holstein Kiel – Hinspiel Donnerstag, Rückspiel Pfingstmontag (jeweils 20.30 Uhr) – blickt. „Relegation bedeutet viel Kraft. Kiel ist eine sehr gute Mannschaft, sie haben sicher Euphorie. Die beiden Spiele sind unsere nächste letzte Chance.“ 

Diesmal hat der Zweitligadritte gegen den VfL Wolfsburg noch weniger zu verlieren als im Vorjahr der Nachbar Eintracht Braunschweig. Und auch damals hatte der Erstligist die Angelegenheit bei zwei 1:0-Siegen letztlich vor allem über seine individuelle Qualität geregelt: In Wolfsburg verwandelte Mario Gomez einen fragwürdigen Handelfmeter, im Rückspiel schlug Vieirinha zu. Wird nun Brekalo zum Unterschiedsspieler? Die Fähigkeiten dazu bringt er mit. 

„Was Josip in der Offensive anbietet, ist echt gut – er fällt auf.“ Das Lob kam im August 2016 während eines Trainingslagers im österreichischen Bad Waltersdorf vom damaligen VfL-Fußballlehrer Dieter Hecking. Zuvor hatte Geschäftsführer Klaus Allofs rund sechs Millionen Euro Ablöse an Dinamo Zagreb überwiesen. In seinem draufgängerischen Spielstil erinnerte der Teenager die Scouts an den Chilenen Alexis Sanchez, auch wenn der Neuzugang gleich verriet, dass er eigentlich ein anderes Vorbild habe: Cristiano Ronaldo. Warum? „Er will sich jeden Tag verbessern. Er will der Beste sein, das möchte ich auch.“ 

Doch zunächst brauchte er viel Geduld, zumal es im östlichen Niedersachsen bald drunter und drüber ging. Hecking und Allofs verloren nacheinander ihren Job, der VfL steckte im Abstiegskampf und der Dieselskandal erschütterte die Autostadt. Nicht die besten Voraussetzungen, um einem jungen Offensivspieler den richtigen Weg zu weisen. Am letzten Tag der Wintertransferperiode ließ er sich zum VfB Stuttgart ausleihen. Schon im Februar 2017 erzielte Brekalo ein „Tor des Monats“. Es sollte zwar sein einziger Treffer für die Schwaben in der zweiten Liga sein, er war auch nicht gleich Stammspieler, aber eben Bestandteil des Aufstiegsteams unter Talentförderer Hannes Wolf.

Er hätte auch die Rückrunde noch am Neckar gewirbelt, wenn nicht Nationalstürmer Gomez vor einem halben Jahr so viel Heimweh verspürt hätte – Brekalos vorzeitige Rückkehr nach Wolfsburg war ein wenig beachteter Nebeneffekt des Gomez-Verkaufs. Sein ohnehin bis 2021 datierter Vertrag beim VfL soll vorsorglich bereits bis 2023 verlängert worden sein, was übrigens auch sein aktueller Trainer Bruno Labbadia begrüßt. Er habe sich um das „Toptalent“ früher schon bemüht. „Jetzt hat jeder gesehen, was er kann. Die Entwicklung für ihn war hier nicht einfach.“ Selbst wenn Brekalo den VfL nun zum Klassenerhalt schießt, für den vorläufigen WM-Kader der kroatischen Nationalmannschaft wurde er nicht nominiert. „Ich warte einfach. Ich bin noch jung.“ Dann lachte er wieder so breit, dass seine Zahnspange blitzte.

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