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VfL Wolfsburg - Bayern München Löschwasser nach dem Störfeuer

Mit dem 3:1 beim VfL Wolfsburg verhindert der FC Bayern nach dem Störfeuer am Vortag einen Flächenbrand – doch welchen Preis bezahlen die Bosse für ihren Rundumschlag?

VfL Wolfsburg - FC Bayern München
Die Bayern können ja doch noch gewinnen: Doppeltorschütze Robert Lewandowski (links) freut sich wie bolle, Niklas Süle auch. Foto: dpa

Die Gästekabine in der werkseigenen Arena des VfL Wolfsburg liegt hinter einer gut bewachten Glastür. Nachdem der FC Bayern in der Autostadt einen 3:1 (1:0)-Auswärtserfolg verbucht hatte, herrschte reges Kommen und Gehen. Zutritt erhielt in Zivil der verletzte VfL-Profi Paul Verhaegh, der Söhnchen Fenn Liam fürs Autogrammesammeln an der Hand führte. Eilfertig öffnete sich die Pforte, als das bayrische Oberhaupt herannahte: Der grinsende Präsident Uli Hoeneß brauchte an diesem Tag niemand anklagen oder abwatschen, denn den spontanen Ausruf nahm in präsidialer Gefolgschaft der von Hoeneß ja vehement verteidigte Torwart Manuel Neuer vor. „Das Ergebnis spricht für sich!“ rief der Kapitän im Verein und in der Nationalmannschaft im Vorbeigehen durch die Katakomben – und damit war schon viel gesagt.

Der erste Sieg nach vier freudlosen Pflichtspielen sowie eine „couragierte, engagierte und konzentrierte Leistung“, wie Trainer Niko Kovac zu Recht lobte, hatten verhindert, dass sich das Störfeuer mit dem fragwürdigen Rundumschlag der Bayern-Bosse zu einem Flächenbrand ausweitete. Doch war das wirklich schon genug Löschwasser? Um bei den von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge eingeforderten Fakten zu bleiben: Die Bayern besitzen den kleinsten und ältesten Kader (22 Profis/Durchschnittsalter 27,3 Jahre) der Bundesliga. Der war einer Mittelklassemannschaft am Mittellandkanal aber haushoch überlegen. 

Nicht mal der erst wegen einer plumpen Schwalbe verwarnte und nach knapp einer Stunde vom Platz gestellte Arjen Robben gefährdete das wichtige Signal. „Super-Bayern, Super-Bayern“, skandierte der Münchner Anhang, aber die zurückhaltende Freude der Protagonisten – einzig der sehr erleichtert wirkende Mats Hummels herzte jeden, der ihm in den Weg kam – ließ eine gewisse Vorsicht erahnen. 

Sportdirektor Salihamidzic gibt den Ahnungslosen

„Ein erster Schritt in die richtige Richtung“, hatte Kovac gesehen. Man habe „neben fußballerischen auch kämpferische Qualitäten gezeigt.“ Zuvorderst Robert Lewandowski, der die ersten beiden Treffer selbst erzielte (30. und 48.) und das 3:1 von James Rodriguez vorbereitete (72.), stellte sicher, dass die aufgeregten Gemüter wieder runterfahren. Ein Beitrag für viel Beruhigung und ein bisschen Befreiung.

Dass Inhalt und Zeitpunkt der Medienschelte auch in Mannschaftskreisen kontrovers diskutiert werden, davon ist auszugehen. Einzig Joshua Kimmich hieß die Wagenburg-Rhetorik explizit für gut. „Das war ein super Zeichen, dass der Verein sich so vor die Spieler stellt“, sagte der Nationalspieler am Sky-Mikrofon. „Für unser Gefühl war es ganz gut, zu sagen, wir schützen uns gegenseitig.“ Wortführer Hummels verweigerte hingegen einen Kommentar zur Wutrede: „Da sag ich nix zu. Wenn ich auf den Platz gehe, will ich gewinnen – da machen die Begleitumstände gar nichts.“ Der wie zuletzt in der Nationalmannschaft nicht eingesetzte Thomas Müller meinte zum ungewöhnlichen Vorlauf: „Wir haben es verfolgt, aber wir sind für den Platz zuständig – und die Aufgabe haben wir 1a erfüllt.“ Es sei wichtig, „dass wir Spieler nicht immer unsere Meinung nach außen tragen.“

Auch sein direkter Vorgesetzter Kovac berief sich auf das Recht – nicht das Grundgesetz -, sich allein über den Sport, den Fußball äußern zu dürfen: „Dabei möchte ich es belassen.“ Generell geißelte der 47-Jährige Gesetze und Reflexe der Branche („Es gibt nur schwarz oder weiß, wenn man gewinnt ist alles in Ordnung“), aber vertiefend ging der Chefcoach nicht auf die Auswirkungen ein. Seine Einschätzung, dass „viel Druck auf dem Team“ gelastet habe, wollte Kovac explizit so verstanden haben, dass dafür allein die magere Ausbeute von nur zwei Punkten in vier Spielen verantwortlich gewesen sei. 

Weiterhin wirkt diffus, warum die Klubführung derart brachial um sich keilte. Der Auswärtsviererpack in drei Wettbewerben in Wolfsburg, Athen, Mainz und Rödinghausen wäre auch ohne die verbale Kraftmeierei lösbar gewesen, weshalb die FCB-Chefs einen hohen Preis bezahlt haben: Ihre Beliebtheitswerte sind in den Keller gerauscht wie bei CSU-Politikern. Aus dem an der Säbener Straße austeilenden Triumvirat äußerte sich am Samstag allein Hasan Salihamidzic. „Die Mannschaft hat in einer schwierigen Phase Charakter gezeigt“, sagte der Sportdirektor, der ansonsten vom wenig positiven Echo auf die Generalabrechnung angeblich gar nichts mitbekommen hatte. „Soll ich noch was lesen?“ Auf seinem Handy sei „nichts, nur die Nummer meiner Frau und meiner Kinder.“ 

Wenigstens klang der Abschiedsgruß an die Reporter beim Abgang halbwegs versöhnlich: „Sie werden schon die richtigen Schlüsse ziehen.“ Dem FC Bayern wäre das übrigens auch zu wünschen.

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