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VfB Stuttgart Alles andere als geizig

Der VfB Stuttgart hat wieder Geld und investiert es so sinnvoll, dass der Klub aus dem Ländle von Europa träumen darf.

VfB Stuttgart
Stuttgarter Leistungsträger: Kapitän Mario Gomez, 33. Foto: imago

Der VfB Stuttgart feiert 2018 sein 125-jähriges Bestehen. Ein Traditionsverein, der reichlich Höhen und Tiefen erlebt hat. In diesem Jahrhundert unter anderem eine Meisterschaft (2007) und einen Abstieg (2016). Im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg wollen sich Männer aus dem Ländle im sicheren Mittelfeld der Liga etablieren, mittelfristig wieder einen europäischen Platz belegen – und sind dafür alles andere als geizig.

Wie ist die Stimmung?
Bis vergangenen Samstag hätte sie nicht besser sein können. Eine bockstarke Rückrunde, sich ziemlich vernünftig anlassende Transfers, gewachsene Erwartungen. Und dann? 0:2 bei Drittligist Hansa Rostock in der ersten Runde des DFB-Pokals. Der Stimmungsdämpfer. Aber nur kurzzeitig. Kapitän Mario Gomez hatte das überraschende Aus jedenfalls schnell verdaut und blickte voller Selbstvertrauen auf den Bundesligastart am Sonntag bei Mainz 05: „Wir dürfen dem Pokal nicht hinterhertrauern und müssen das aus den Köpfen bekommen. Dann gilt es für die Bundesliga. Wir haben das Ziel, dass wir von Beginn an eine gute Rolle spielen.“

Wie stark ist der Kader?
Ron-Robert Zieler im Kasten, Benjamin Pavard und Holger Badstuber in der Defensive, Christian Gentner und Gonzalo Castro im Mittelfeld, Daniel Didavi und Mario Gomez in der Offensive - Qualität haben die Schwaben allemal in ihrem Kader. Sie machen im zweiten Jahr nach dem Bundesligaaufstieg nicht den Eindruck, dass dieses das schwerste werden könnte. Der VfB hat eine gereifte Truppe beisammen, gespickt mit erfahrenen Kräften, Anführern, dazu hochtalentierten Spielern wie dem französischen Weltmeister Pavard (22) oder dem künftigen argentinischen Nationalspieler Santiago Ascacibar (21). Der Mittelfeldmann wurde für die beiden Testkicks der Albiceleste Anfang September berufen. „Ich denke, dass wir uns sinnvoll verstärkt haben – daher gehen wir zuversichtlich in die Runde“, sagte Sportdirektor Michael Reschke.

Worauf steht der Trainer?
Stuttgart war seine letzte Chance, er hat sie genutzt. Tayfun Korkut, 44, in Stuttgart geboren, Vater von drei Kindern, hinterließ bei seinen vorherigen Stationen in Hannover, Kaiserslautern und Leverkusen keinen bleibenden Eindruck. Viel schlimmer noch: einen schlechten. Nur knapp einen Punkt holte er im Schnitt. Eine Philosophie war nicht erkennbar. Abwehrbollwerk? Offensivspektakel? Pressing? Kontertaktik? Niemand vermochte so recht zu erkennen, wofür eine Korkut-Mannschaft überhaupt steht.

Nach nur 15 Spielen mit dem VfB ist das anders. Der im Januar teils mit Pfiffen empfangene Korkut führte die Stuttgarter in der Rückrundentabelle auf Rang zwei hinter den FC Bayern. 2,07 Punkte holt er im Schnitt. Und bekam das hin, was bisher vermisst wurde: Der VfB spielte Korkut-Fußball. Defensiv gut organisiert, die Basics abarbeitend, keine Wunderdinge vollbringend, aber vor allem konsequent - sowohl hinten als auch vorne.

Wo hapert’s noch?
Nach einer guten Vorbereitung zeigte die Pleite von Rostock deutlich auf, wo die Schwachpunkte im VfB-Spiel liegen - in der Abteilung Attacke. Bekommen die Schwaben ihren Zielspieler Gomez nicht richtig in die Partie, krankt das Konstrukt. Dann fehlt zu oft der Plan B. Der 20-jährige Neue Nicolas Gonzalez (Argentinos Juniors/8,5 Millionen Euro) hat Potenzial, die Abschlussqualitäten von Gomez aber (noch) nicht. Auch die zweifelsohne begabten Kicker dahinter, Erik Thommy und Daniel Didavi, suchen lieber den Querpass statt den Torschuss.

Wer sticht heraus?
Er ist nicht mehr der schnellste, der ausdauerndste auch nicht, der trickreichste war er noch nie – und dennoch ist Mario Gomez der entscheidende Mann. Zum einen natürlich als Torjäger, zum anderen, und das geht manch anderem Klub gehörig ab, als Identifikationsfigur. Für die Fans, für Sponsoren, für die kickenden Kollegen. Der 33-Jährige, der nach der enttäuschenden WM seine Karriere im DFB-Team beendet hat, versicherte vor kurzem der „Stuttgarter Zeitung“ glaubhaft: „Es ist mein Traum, in Stuttgart meine Karriere zu beenden.“

Wie geht’s dem Schatzmeister?
Im Geschäftsjahr 2017 machten die dem Vorurteil nach als geizig geltenden Schwaben einen Verlust von fast 14 Millionen Euro. Auch in dieser Transferperiode gaben sie bisher fast 17 Millionen mehr aus als sie eingenommen haben. Und doch: Die VfB Stuttgart 1893 AG kann es sich leisten. Durch die Ausgliederung der Fußballabteilung 2016 in eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft und die Veräußerung von 11,75 Prozent der Anteile an Daimler erhielt der VfB mehr als 41 Millionen. Geld, das größtenteils in den Kader gesteckt wurde, um sich vom hinteren Drittel der Liga abzusetzen. Im Laufe dieser Saison soll der nächste Geldgeber präsentiert werden. „Wir werden den nächsten Schritt sorgfältig angehen und versuchen, das Beste herauszuholen“, sagte Präsident Wolfgang Dietrich. Als Käufer werden in der Region verwurzelte Unternehmen gesucht.

Was ist drin?
„Die Vision, in Zukunft wieder international zu spielen, das sollen wir leben. Das ist der Traum, den wir haben“, sagte  Reschke dem SWR. Der Sportdirektor meinte damit nicht unbedingt die nun anstehende Spielzeit, unmöglich scheint die Qualifikation für einen Europapokalrang aber nicht. Die FR meint: Der VfB hat einen guten Kader, spielt eine solide, sorgenfreie Saison, für Europa reicht es knapp aber noch nicht.

FR-Bundesliga-Tipptabelle:  Die FR-Redaktion sieht den VfB Stuttgart in der Saison 2018/2019 auf Rang  8.

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