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Trikotkäufe Bundesligisten zocken Fans ab

Die Bundesligasaison nähert sich ihrem Start. Die Vereine präsentieren ihre neuen Trikots - zum Teil für sehr hohe Preise. Unser Kommentar.

Bayern München
Auch bei den Trikotpreisen ist Bayern München Spitzenreiter. Foto: imago

All diese zerstörerischen Krisentexte bereits über Eintracht Frankfurt; all die Wehklagen, die Neuzugänge wären zu schlecht, zu klein, zu langsam; all das Gemotze, der neue Trainer, der so komisch Deutsch spricht, sei versteift auf ein System, das auf schlechte, kleine, langsame Neuzugänge keine Rücksicht nimmt: aberwitziger Populismus natürlich, nichts weiter. Eintracht Frankfurt steht ja glänzend da. Das haben ausnahmsweise mal vertrauenswürdige wie unabhängige Experten einwandfrei festgestellt dieser Tage.

„Elegant“ komme die Mannschaft von Trainer Adi Hütter daher, heißt es in der Analyse, „sehr stylish und ohne überflüssige Details“. Ästhetik und Effizienz also – was will man mehr? Platz zwei deshalb in der Bundesligatabelle für die Adlerträger, so lautet die Einschätzung der seriösen, unbestechlichen Fachleute, die sich auch vom Frankfurter Vertikalspiel beeindruckt zeigen; von den „Längsstreifen“, die sich in ihrer „unterbrochenen Optik“ optimal ins Gesamtgefüge einfügen, wobei mit Längsstreifen natürlich der formidable neue Stürmer Goncalo Paciencia gemeint ist, ein großer und schlanker Portugiese mit zauseliger Zopffrisur (unterbrochene Optik).

Beziehungsweise, äh, Moment mal … worum geht’s!? Um die neuen Trikots? Ah so. Das würde dann wohl auch erklären, warum in der Analyse die „Nachhaltigkeit durch recyceltes Dri-Fit-Funktionsmaterial“ bejubelt wird. Wo sich die Eintracht inzwischen ja, was die Kaderbestückung angeht, am liebsten frisch aus Südeuropa beliefern lässt, und von einer Funktion kann beim einen oder anderen Spieler auch nur bedingt die Rede sein, mit Verlaub.

Na gut. Es ist also tatsächlich wieder so weit. Die Bundesligasaison nähert sich ihrem Start, man merkt es daran, dass sich die Mediadesign Hochschule Düsseldorf der Trikots aller Erstligisten angenommen hat. Eine Jury, aus Dozenten und Studierenden aus dem Fachbereich Modedesign bestehend, hat alle Bundesligahemden der sich unaufhaltsam anbahnenden Saison 18/19 bis auf die letzte Faser unter die Lupe genommen. Vor Eintracht Frankfurt, dessen schwarzes Trikot auch deshalb überzeugte, weil es das „Potenzial hat, auch zu anderen Gelegenheiten getragen zu werden, ohne gleich als Fußballtrikot enttarnt zu werden“, landete nur der VfL Wolfsburg. Dynamischer Halsausschnitt, unregelmäßiges X auf der Brust, diese Dinge halt. Bayern München – das letzte Bundesligateam, das vom guten alten Traditionsunternehmen Adidas ausgerüstet wird – ist, hehe, nicht modern genug, Platz zehn nur, es liegt am „tonigen Rautenmuster“, und bei der TSG Hoffenheim ist ihnen allen Ernstes nichts Besseres als ein einfarbig blaues Trikot eingefallen: „Da helfen auch keine 3-D-Optik oder Silikon-Logos“, tadeln die Düsseldorfer Modemenschen und setzen die TSG auf den 18. Rang. Erbarmungslos, ohne in die Bewertung miteinzubeziehen, dass man im ländlichen Kraichgau eben erst von der Erfindung der Hose in Kenntnis gesetzt wurde, Gerüchten zufolge jedenfalls.

Aber ganz egal, wie die Hemden aussehen, in vielen Fällen übrigens ziemlich genau so wie in der vergangenen Saison, egal, ob man sie schön findet oder hässlich, ob man Gefallen findet an unterbrochenen Längsstreifen, abgewürgten Stehkrägen oder was nicht was: Leisten kann sich die Dinger eh kein Mensch. Durchschnittspreis 81,89 Euro. Die Bayern sind die reichsten, ihre Trikots die teuersten, 89,95 Euro. Allerfeinste Fan-Abzocke. Willkommen in der Bundesliga.

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