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Transfers Wo sind die neuen Stars der Bundesliga?

Bekannte Namen finden sich kaum auf der Einkaufsliste der Bundesligisten. Neue Stars werden gesucht - oder werden sie gemacht?

Axel Witsel
Der neue Star in Dortmund: Axel Witsel, belgischer WM-Teilnehmer. Foto: rtr

Null Cent. Das ist ein Statement auf einem zunehmend überhitzten Transfermarkt. Der FC Bayern hat bislang kein Geld für Neuzugänge ausgegeben. Bei Leon Goretzka, mit dessen Abgang Vizemeister FC Schalke 04 geschwächt wird, lief der Vertrag aus, ansonsten holte der Rekordmeister seine Leihspieler Serge Gnabry und Renato Sanches zurück. Die Münchner, die zuletzt einen Rekordumsatz von 640 Millionen Euro stemmten, könnten sich einen Toptransfer locker leisten. Aber sie halten sich aus Überzeugung zurück. Wenn schon der Branchenführer nicht klotzt, wird anderswo nur gekleckert. Auf rund 413 Millionen Euro belaufen sich bislang die Investitionen in neue Spieler, im Gegenzug hat die Bundesliga 423 Millionen Euro eingesammelt. Im Vorjahr zahlten deutsche Vereine rund 600 Millionen Euro. Auf der Einkaufsliste fehlen auch die ganz großen Namen. Von den WM-Stars bekam die Liga nur einen ab. Wer kann ansonsten noch für Aufsehen sorgen?

Axel Witsel (Bor. Dortmund): Der bekannteste Afrolook des belgischen Fußballs ist mit 29 Jahren bei der WM in Russland noch einmal aufgeblüht. Als lauf- und spielstarker Sechser, der die Balance wahrte. Genau solch ein Bindeglied hat Borussia Dortmund gebraucht und dafür 20 Millionen Euro an Tianjin Quanjian gezahlt. Witsel haftet ein bisschen der Makel an, seine Karriere sehr nach den Verdienstmöglichkeiten ausgerichtet zu haben. Jahrelang in St. Petersburg angestellt – wo reichlich Rubel rollten – zog es ihn nicht zu einem Champions-League-Klub wie Juventus Turin, sondern in die Chinese Super League. Dabei gehört er in eine große Liga, weil er Kampf und Kunst paart. Dazu kommt der Instinkt: Sonst hätte Witsel nicht im DFB-Pokal bei Greuther Fürth mit seinem Ausgleichstor gerade noch die Blamage abgewendet.

Alassane Plea (M’gladbach): Dem Innenverteidiger Jannik Vestergaard sei Dank: Mit dem Verkauf des Dänen zum FC Southampton für 23 Millionen Euro konnte sich die Borussia für dieselbe Summe einen klassischen Knipser leisten: Alassane Plea.

Der 25-Jährige hat bei OGC Nizza unter dem heutigen Dortmunder Trainer (und Ex-Borussen-Coach) Lucien Favre gespielt. Er erzielte in 135 Pflichtspielen seit 2014 immerhin 44 Treffer. Sein Einstand machte Hoffnung: Plea schnürte beim 11:1 im DFB-Pokal beim Bremen-Ligisten BSC Hastedt einen Dreierpack.

Paulinho (Bayer Leverkusen): Zwar gerade erst volljährig geworden, hat Paulinho kaum noch etwas Kindliches an sich. „Er wirkt nicht wie jemand, der noch in der A-Jugend spielen könnte“, sagt Rudi Völler. 18,5 Millionen Euro zahlte Bayer Leverkusen für das in halb Europa gejagte Toptalent von Vasco da Gama, und dass der Standort schon viele Südamerikaner zu Weltstars gemacht, soll bei der Entscheidungsfindung eine große Rolle gespielt haben. Zumal dessen Berater wissen: Geht unter dem Bayer-Kreuz wirklich ein Stern auf, darf der dann auch bei noch größeren Vereinen schillern.

Davy Klaassen (Werder Bremen): Noch nie haben die Hanseaten so viel Geld für einen Spieler ausgegeben: Davy Klaassen soll fast 15 Millionen Euro gekostet haben. Für einen Mittelfeldspieler, der beim FC Everton fast nie gespielt hat, eine hohe Summe.

Aber vielleicht angemessen für einen, über den Johan Cruyff gesagt hat: „Man muss ein starkes Positionsspiel haben, eine starke Ballkontrolle und die Technik, um mit der Geschwindigkeit im Mittelfeld umgehen zu können. Xavi, Toni Kroos und Davy Klaassen können das.“ Der 25-Jährige spielt eine zentrale Rolle in den Bremer Plänen, weiter oben anzugreifen.

Matheus Cunha (Leipzig): Noch ein Brasilianer mit Entwicklungspotenzial. Erst 19 Jahre jung. Europa ist ihm nicht fremd, denn Matheus Cunha kommt vom Schweizer Erstligisten FC Sion, wo er mit zehn Toren und acht Vorlagen für Aufsehen sorgte. So viel Talent hat seinen Preis: 15 Millionen legte RB Leipzig für den „hochinteressanten Stürmer“ (Sportchef Ralf Rangnick) auf den Tisch.

Seine Vorzüge? „Ich bin schnell und sehr laufbereit“, sagt er, schränkt aber mit Blick auf seinen neuen Teamkollegen Timo Werner lächelnd ein: „Er ist noch schneller.“ Sein Vorteil: Er hat schon zwei Tore in der Europa-League-Qualifikation erzielt, Werner noch keines.

Dodi Lukebakio (Düsseldorf): Den belgischen U21-Nationalspieler sollte man sich zwingend merken. Schnell, trickreich, durchsetzungsstark. Nun wird der 20-Jährige – erst recht unter Anleitung des Pragmatikers Friedhelm Funkel – kaum alleine ein Düsseldorfer Offensivfeuerwerk abbrennen, aber ein bisschen Spektakel könnte er auf der Außenbahn entfachen.

Die Leihgabe vom FC Watford war ein Gewinner der Vorbereitung und hat auch den erfahrenen Lehrmeister überzeugt. Dodi Lukebakio habe „viel Potenzial und noch Luft nach oben, aber wir lassen ihn in Ruhe reifen“, hat Funkel versprochen.

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