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Stuttgart - Bayern Goretzka öffnet die Tür

Der Neuzugang glänzt beim 3:0-Sieg der Bayern in Stuttgart - und stärkt seine eigene Position.

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Jubel-Bayern: Müller (rechts), Goretzka und Alaba. Foto: AFP

Der Leon Goretzka, der auf dem Weg zum Mannschaftsbus noch einmal kurz stehen blieb, hatte nicht viel gemeinsam mit jenem zuvor auf dem Platz. Der Profi des FC Bayern stand am Samstagabend im Mittelpunkt, allerdings fiel ihm dies im Spiel wesentlich leichter. Er erzielte ein Tor beim 3:0-Sieg in Stuttgart, war an den anderen beiden Treffern beteiligt und hatte darüber hinaus noch zwei gute Torchancen. Nach Schlusspfiff schien ihm dieses Rampenlicht dagegen fast peinlich zu sein. Er habe sich in erster Linie gefreut, sagte er auf dem Weg aus dem Stadion, „von Anfang an zu spielen“.

Aber in zweiter Linie war es dem 23-Jährigen auch wichtig, seine Position beim FC Bayern zu stärken. Er zeigte, wie Trainer Niko Kovac, oft betonte, engagierte Leistungen im Training, aber für einen Einsatz in der Startelf hatte es in einem Pflichtspiel bis Samstag nicht gereicht. „Ich bin es nicht so gewohnt, von der Bank zu kommen“, sagte der Neuzugang von Schalke 04, der sowohl in Gelsenkirchen als auch davor beim VfL Bochum Stammspieler gewesen war.
Beim FC Bayern aber, das musste Goretzka in den ersten Wochen feststellen, ist eben vieles anders. „Das merkt man in jedem Spiel, dass Bayern ein Verein auf Weltniveau ist.“ Eine Mannschaft mit vielen Weltklassespielern, von denen nicht immer alle in der Anfangself stehen können.

Die Aufgabenstellung von Trainer Niko Kovac hat er gegen Stuttgart perfekt umgesetzt. Zusammen mit Thomas Müller, dem zweiten Achter, sollte er in der Schnittstellen zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen „versuchen, die Räume zu spielen“. sagte Goretzka. „Am Anfang war es ein bisschen schwierig, aber im Endeffekt hat es ganz gut geklappt.“

Das ist natürlich auch Kovac nicht entgangen, der gerne daran festhält, wovon er überzeugt ist, Aber der neue Coach ist eben auch Pragmatiker und deshalb hat er bereits bei Dienstantritt in München Anfang Juli verkündet, sein bisher als Trainer präferiertes System zurückzustellen und das des deutschen Rekordmeisters fortzuführen, weitgehend jedenfalls auf Ballbesitz- statt auf Balleroberungs-Fußball zu setzen – trotz der Kritik bei der WM. Nach vier Siegen in vier Spielen gibt es dafür Bestätigung. „Wir waren zufrieden, das sah nach Fußball aus“, sagte Präsident Uli Hoeneß am Samstag gut gelaunt.

Neuer ohne Beschäftigung

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Kovac-Bayern kaum von den Heynckes-Bayern oder den Guardiola-Bayern. Sie dominieren, sie gewinnen“– und die Konkurrenz scheint bereits nach zwei Saisonspielen zu resignieren. „Bayern“, sagte der Stuttgarter Sportdirektor Michael Reschke, „ist eine ganz andere Kragenweite.“ Er habe schon vor dem Auftakt gesagt, dass die Münchner Deutscher Meister werden würden, „und nicht nur in diesem Jahr, sondern auch nächstes und übernächstes“.

Nach gerade einmal zwei Spieltagen findet der Favorit etwas übertrieben, von einer Entscheidung im Meisterkampf zu sprechen. Wie jede Saison werden „sehr viel schwere Momente kommen“, sagte Mats Hummels. „Die muss man überstehen.“ Arjen Robben weist auf die Transferaktivitäten der Konkurrenten hin. „Die haben sich verbessert“, sagte er. „Man muss immer wieder die Leistung abrufen. Nichts bekommt man geschenkt.“

Die Schwaben versuchten, was die meisten Mannschaften in den vergangenen Jahren gegen die Bayern getan hatten: den Meister mit einer kompakten Abwehrreihe vom eigenen Strafraum fernzuhalten – etwas ideenlos und nur aussichtsreich, wenn die raren Konterchancen nicht halbherzig ausgespielt werden. Der VfB hat es in den gut 90 Minuten nicht geschafft, auch nur einmal Manuel Neuer zu einer Parade zu zwingen. Es kam kein einziger Schuss auf sein Tor.

Selten einmal schafft es eine Mannschaft, das Abwehr-Bollwerk über die gesamte kompakt zu halten. In der ersten halben Stunde schienen die Bayern, stellte Mario Gomez fest, „fast schon ein bisschen verzweifelt“, aber dann „haben wir die Geduld ein bisschen verloren“. Goretzkas 1:0 (37.) war laut Kovac „der Türöffner“ für den Bayern-Sieg, den Robert Lewandowski mit seinem sechsten Treffer im vierten Pflichtspiel und Thomas Müller mit seinem zweiten Bundesliga-Tor nach der Pause komplettierten.

Gute Tipps vom Trainer

Nun ist wie so oft bei solchen Spielen die Frage, ob die Bayern in der zweiten Hälfte nur deshalb so viel größere Räume boten, weil die Gegenwehr nachließ oder die Fehler von den Münchnern erzwungen wurden.

Kovac hat seinen Spielern ein paar Tipps mit auf den Platz gegeben wie der Defensivriegel der Stuttgarter zu knacken sein wird. Die Münchner sollten „die Spielverlagerung suchen, um den Gegner zu bewegen und ihn ein Stück müde zu bekommen“, sagte Goretzka. 

Nichts Neues eigentlich, und auch nicht für die Bayern, bei denen dies auch Guardiola und Heynckes propagiert hatten. Aber als neuer Trainer findet Kovac wohl im Moment besonders große Aufmerksamkeit, zumal er den angekündigten Konkurrenzkampf in der Mannschaft bisher konsequent durchzieht. Am Samstag hatten Sandro Wagner und Renato Sanchez daheim bleiben müssen, Javier Martinez saß nur auf der Bank. „Bei der Konstellation muss jeder liefern“, sagte Müller. „Und momentan liefert jeder alles ab. Auch und gerade Leon Goretzka. 

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