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RB Leipzig Langfristiger Antrieb

Ralf Rangnick verlängert seinen Vertrag bei RB und bleibt bis 2021 der Leipziger Steuermann.

Ralf Rangnick
Ralf Rangnick verlängert seinen Vertrag bei RB Leipzig bis 2021. Foto: dpa

Ein feierlicher Rahmen sollte es bei solch einer frohen Kunde wohl sein: Erst bei der vorgezogenen Weihnachtsfeier vor 600 Gästen im fünften Stock der Arena verkündete RB Leipzig am Sonntagabend die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Ralf Rangnick bis 2021. Die handverlesene RB-Familie erhielt die Nachricht von Vorstandschef Oliver Mintzlaff zuerst, ehe die Pressemitteilung die Runde machte. Die Botschaft: Der Weg des sächsischen Emporkömmlings „ist noch lange nicht zu Ende“, teilte Rangnick mit. Wer will, kann daraus auch eine in die Zukunft gerichtete Kampfansage an den FC Bayern ableiten. Und Borussia Dortmund, FC Schalke 04 oder Bayer Leverkusen sind sowieso gewarnt, weil ihr neuer Gegenspieler über einen doppelter Antrieb verfügt: Finanzielle Power vom österreichischen Brausekonzern paart sich mit gewaltigem Knowhow vom schwäbischen Mastermind.

Unter Rangnick sind die Sachsen von der Regionalliga bis in die Champions League geklettert, und der 59-Jährige wird nicht müde, das kritisch beäugte Pionierprojekt gegen alle Widerstände zu verteidigen. „Der sportliche Motor unsere Vereins“, nennt ihn Mintzlaff. Trotz einer Burnout-Erkrankung in Schalker Zeiten ist Rangnick ein rastloser Netzwerker geblieben, der sich zwar gesünder ernährt, aber sein Handy stets empfangsbereit hält. Und wenn das nächste Talent überzeugt werden muss, sitzt der Überzeugungstäter stundenlang zusammen, um in die Köpfe des Umworbenen, dessen Berater oder Erziehungsberechtigten vorzudringen.

Mit Hoffenheim bis in die Bundesliga

Mit solcher Hartnäckigkeit hatte er einst bereits die TSG Hoffenheim aus der Regionalliga bis in die Bundesliga-Spitzengruppe gehievt, ehe es zum Zerwürfnis kam. Das Alphatier rieb sich zunehmend mit dem von Mäzen Dietmar Hopp zum Geschäftsführer – und damit zu Rangnicks Vorgesetzten – beförderten Jan Schindelmeiser auf, der im neuen Trainingszentrum ein großes Büro über dem Cheftrainer bekam, was der als unpassend empfand.

In Leipzig sind derlei Machtspiele nicht zu befürchten, zumal im durchgestylten Red-Bull-Gebilde die Schaltstellen der Macht auch räumlich getrennt sind: Strategische Fragen zur Organisation, PR oder Marketing behandelt die Geschäftsstelle in der Leipziger Innenstadt am Neumarkt, sportliche Aspekte zur Kaderplanung, Trainingsmethodik oder Ausbildung klären die führenden Köpfe direkt im Trainingszentrum am Cottaweg.

Zwar ist Mintzlaff formal über Rangnick angesiedelt, doch nie würde der ehemalige Langstreckenläufer die Hoheit über Fußballfragen beanspruchen. Dafür ist die Bande zwischen beiden auch zu eng: Mintzlaff hatte als Geschäftsführer der Firma Ferber Marketing zuvor auch Rangnick beraten. Der 42-Jährige befindet sich zwar mittendrin, sein Profil zu schärfen, aber sportliche Leitplanken kommen von Rangnick, der nur in der Kommunikation sparsamer geworden ist. Ihm zwischen Tür und Angel ein paar Halbsätze zu entlocken, ist fast unmöglich geworden.

Vertragsverlängerungen und Stadionausbau stehen an

„Organisches Wachstum“ nennt Mintzlaff als Zielsetzung, wobei die nächsten Großprojekte nicht nur die Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern wie Marcel Sabitzer und Timo Werner oder die längerfristige Bindung des Cheftrainers Ralph Hasenhüttl sind, sondern auch der Stadionausbau, um auch dem vermehrten Interesse auf diesem Sektor Rechnung zu tragen. Rangnick ist der Garant, dass die attraktive Spielphilosophie auf absehbare Zeit der Markenkern bleibt, wenn die Roten Bullen antreten.

Noch in der Aufstiegssaison 2015/2016 mutete sich Rangnick eine Doppelbelastung als Trainer und Manager zu, zuvor war er als „Head of Global Soccer“ für mehrere Fußballprojekte unter dem Red-Bull-Dach zuständig. Aber ein Pendelbetrieb zwischen Backnang, Salzburg und Leipzig, den er sich teilweise zugemutet hatte, wäre  dauerhaft kaum durchzuhalten gewesen. Und so ist die Boomtown im Osten die liebgewonnene Wahlheimat geworden. „Die Entscheidung, meinen Vertrag vorzeitig zu verlängern, ist auch ein Bekenntnis zu dieser wunderschönen Stadt“, ließ sich Rangnick zitieren. Schöne Worte für den feierlichen Rahmen.

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