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RB Leipzig - Borussia Dortmund Tippelschritte in schwierigen Zeiten

RB Leipzig und Borussia Dortmund wären die legitimen Verfolger des FC Bayern, doch in derzeitiger Verfassung zittern die Europa-League-Starter wohl lange.

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Eng umschlungen: Leipzigs Verteidiger Konrad Laimer (links) and Dortmunds Stürmer Marco Reus. Foto: AFP

Immer wenn sich Ralph Hasenhüttl und Peter Stöger auf der Bühne Bundesliga begegnen, möchte der gemeine Betrachter gerne Mäuschen spielen. Beide Österreicher stehen für eine gewisse Originalität, beide Fußballlehrer überhöhen das ohnehin überhitzte Geschäft nicht. So wirkte es ziemlich authentisch, dass der Trainer von RB Leipzig nach dem gerechten 1:1 gegen Borussia Dortmund aus dem unverfänglichen Plausch zweier Landsleute erzählte. „Für Beamtenfußball wart ihr ganz schön flott unterwegs“, verriet Hasenhüttl den Inhalt seines Smalltalks mit Stöger.

Das war die eine Wahrheit des vermeintlichen Spitzenspiels, die andere trug Konrad Laimer vor, ein weiterer Österreicher. „Das war mehr ein Kampf- als ein Topspiel“, sagte der in Salzburg geborene, in der Jugendabteilung beim FC Bull Salzburg und über das Farmteam FC Liefering ausgebildete RB-Profi. Der vergangenen Sommer zum deutschen Aushängeschild transferierte 20-Jährige offenbarte damit einen jeder Schönrednerei unverdächtigen Sachverstand.

Durchaus Unterhaltungswert

Die Begegnung der eigentlich legitimen, tatsächlich aber nur pseudomäßigen Bayern-Verfolger besaß zwar durchaus Unterhaltungswert ob seiner nimmermüden Dynamik, ein erwärmendes Lehrstück für Spielkultur kam am bitterkalten Leipziger Sportforum aber nicht heraus. Aber darum ging es den Protagonisten mit dem Bullenlogo auf der Brust am Samstagabend auch nicht.

Was Laimer viel wichtiger erschien: „Wir haben von der ersten bis zur letzten Sekunde gekämpft.“ Was in dem wilden Wechselspiel aus Pressing und Gegenpressing unverzichtbar war, mündete die ähnliche Spielanlage doch in einen Schlagabtausch, bei dem fast jeder vierte Pass in gegnerischen Beinen landete, was allerdings Hasenhüttl („ich habe viele Stockfehler gesehen“) deutlich kritischer bewertete als Kumpel Stöger („erste Halbzeit außergewöhnlich gut, zweite Halbzeit gut“).

Der BVB-Coach wiederum muss nunmehr zehn nicht verlorene Bundesligaspiele fast eher rechtfertigen als der RB-Trainer zuletzt seine drei Pflichtspielniederlagen, die er zum Anlass vertiefender Einzelgespräche genommen hatte. Insofern hatte jeder Coach für sich einen Tippelschritt nach vorne ausgemacht. Leipzig ließ zumindest phasenweise seine Tugenden der Vorsaison aufblitzen, was am Führungstor des nun dreimal in Folge erfolgreichen Jean-Kévin Augustin zu besichtigen war, als Naby Keita blitzgescheit nach Balleroberung umschaltete (29.). Die Leipziger seien als Sechster „jetzt die Jäger“, erklärte Kapitän Willi Orban, „vielleicht liegt uns das ja ein bisschen mehr.“
 

Die Dortmunder rutschten zwar auf Rang drei ab, verbesserten sich aber „bei Körpersprache, Passspiel und Bewegung in die Tiefe“ (Stöger). Vor allem aber: Sie haben Marco Reus zurück, einen echten Unterschiedsspieler also, der aus kaum erkennbarer Abseitsposition nach Musterpass von Mahmoud Dahoud zum 1:1 einnetzte (38.) und sich aus dem auch für Bundestrainer Joachim Löw interessanten Dreigestirn mit dem mitunter wenig durchsetzungsstarken Mario Götze und dem beim Gegentor fahrigen André Schürrle am besten in Szene setzte. „Er ist gut drauf, keine Frage“, meinte Stöger, „es ist wichtig, dass er gesund bleibt.“

Der 51-jährige Wiener und der ein Jahr jüngere Grazer stehen nun vor kniffligen Aufgaben. Während der gesamte Rest der Liga in der kommenden Europapokalwoche inklusive der Bayern die Beine hochlegt, sollen die Westfalen und die Sachsen den angekratzten Ruf der Liga retten. Dortmund erwartet pikanterweise die Leipziger Red-Bull-Filiale aus Salzburg (Donnerstag 19 Uhr), Leipzig empfängt Zenit St. Petersburg (Donnerstag 21.05 Uhr).

Das Europa-League-Achtelfinale wird vor dem Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart (Leipzig) beziehungsweise dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (Dortmund) zum Spagat: Einerseits wollen beide Klubs in der Europa League würdige Repräsentanten des Weltmeisterlandes sein, andererseits müssen sie zusehen, dass sie nächste Saison wieder in der Champions League antreten, weil sonst die Argumentation schwierig werden könnte, warum Topstars wie Reus oder Timo Werner sich weiter hierzulande entwickeln sollten.

Stöger wird rotieren

Auf die Frage, ob es der FC Schalke 04, Bayer Leverkusen oder aber Eintracht Frankfurt nicht viel leichter hätten im letzten Saisondrittel, weil dieses Trio ohne Europapokalbelastung (dafür aber im DFB-Pokal) antritt, zeigten sich die Trainer einigermaßen unentschieden. Er werde die Gelegenheit in vier Tagen nutzen, um anderen Akteuren Spielpraxis zu geben, deutete Stöger an. Er sei dankbar und stolz, Deutschland auf dieser Bühne vertreten zu dürfen, versicherte Hasenhüttl.

Eines haben die Vorstandschefs Oliver Mintzlaff (Leipzig) und Hans-Joachim Watzke (Dortmund) jedoch unmissverständlich deutlich gemacht: Unter den fünf Mannschaften, die um drei verbleibende Champions-League-Startplätze kämpfen, sollten Leipzig und Dortmund gemäß dem eigenen Anspruch dabei sein. Sonst könnten nämlich auch die unbeschwerten Flachsereien zwischen Ralph Hasenhüttl und Peter Stöger in der Bundesliga bald vorbei sein.

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