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Profi-Fußball Finanzielle Federung für die Scheinriesen

Große Klubs wie der HSV oder der 1. FC Köln werden besser gestellt als Zwerge wie Darmstadt oder Fürth.

TV Kamera
Bei der Verteilung der TV-Gelder sind manche Vereine besser gestellt als andere. Foto: Elmar Kremser/SVEN SIMON (imago sportfotodienst)

Am 15. November 2016 hat das DFL-Präsidium über den neuen Verteilerschlüssel der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga entschieden. Vorausgegangen waren strittige Debatten. DFL-Boss Christian Seifert sagte damals: „Die Extrempositionen waren völlig unvereinbar.“ Es mussten also Kompromisse geschlossen werden. Im Vorfeld tagte eine Arbeitsgruppe fünfmal, um die Rekordsumme von 1,19 Milliarden Euro pro Saison (nationale Vermarktung) und 206 Millionen Euro (internationale Rechte) pro Spielzeit an 36 Lizenzklubs zu vergeben.

Eine völlig neue Säule der Verteilung wurde dabei entwickelt, um Vereinen mit großer Vergangenheit ein größeres Stück vom Kuchen zukommen zu lassen. Seifert begründete: „Es haben Klubs langfristig dazu beigetragen, dass die Bundesliga so erfolgreich ist, wie sie ist. Das soll honoriert werden.“ Deshalb wurde eine 20-Jahres-Tabelle erstellt, die beispielsweise den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern auf einem stolzen Platz elf auswies. Belohnung: Eine Zusatzprämie von zwei Millionen Euro pro Saison. „Wir strapazieren dabei nicht den Begriff Tradition“, erklärte Seifert seinerzeit bei der Vorstellung der neuen Geldverteilung, „sondern sportliche Nachhaltigkeit“. Die hat der FCK mit zehn Jahren Erst- und zehn Jahren Zweitklassigkeit seit 1997 deutlich mehr geliefert als etwa Darmstadt 98, das in den vergangenen 20 Jahren lediglich zwei Jahre erste Liga und zwei Jahre zweite Liga vorzuweisen hat.

Nur zwei Jahre Oberhaus

Ziel ist es, mit der neuen Regelung Vereine beim Abstieg finanziell abzustützen, die viele Jahre lang in der ersten Liga dabei waren. Ergo: Aus dem Topf bekommen Klubs wie die Absteiger 2016, VfB Stuttgart und Hannover 96, und die potenziellen Absteiger 2018, Hamburger SV und 1. FC Köln, viel mehr als die Absteiger 2017, Darmstadt 98 und FC Ingolstadt, nach jeweils bloß zwei Jahren Oberhaus. Die Nachhaltigkeitsprämie für Darmstadt beträgt somit lediglich rund 400 000 Euro in der laufenden Saison, zwei Millionen Euro weniger, als etwa Hannover oder Stuttgart aus der 20-Jahres-Tabelle erlösen.

Hinzu kommt, dass für die vergangenen fünf Spielzeiten im Verhältnis 5:4:3:2:1 Punkte von 36 (Erster in der Bundesliga) bis 1 (Letzter in der zweiten Liga) vergeben werden. Will heißen: Klubs, die in den letzten fünf Jahren ununterbrochen in der Bundesliga dabei waren, werden beim Abstieg viel mehr abgefedert als Vereine, die wie Darmstadt, Ingolstadt, Fürth, Braunschweig oder Paderborn nur mal kurz oben vorbeischauen durften.

Den Markenwert schützen

Als Idee steckt auch dahinter, den Markenwert der Ersten Bundesliga zu schützen und dafür zu sorgen, dass die großen Player nach einem Abstieg finanziell für den direkten Wiederaufstieg ausgestattet sind. Denn die Werthaltigkeit der ersten Liga bei den zahlungskräftigen TV- und weiteren Medienpartnern ist mit großen Metropolenklubs wie Stuttgart, Hannover, Hamburg und Köln natürlich höher als mit Darmstadt, Paderborn, Ingolstadt und Fürth. Das ist bei den Vertragsverhandlungen der Deutschen Fußball-Liga, die nicht nur nebenbei immer auch die internationale Vermarktung im Auge hat, nicht unerheblich.

Konkret bedeutet das für die laufende Saison, dass die beiden Absteiger Ingolstadt und Darmstadt in dieser Saison rund 17 Millionen bzw. 15,5 Millionen Euro aus dem TV-Topf kassieren, Kaiserslautern und Fürth etwa elf Millionen. Den potenziellen Absteigern 1. FC Köln und Hamburger SV winken dagegen in der kommenden Spielzeit selbst im Unterhaus 25 bzw. 22 Millionen Euro. Will heißen: Die beiden Scheinriesen müssten sich noch dusseliger als in dieser Saison anstellen, sollten sie nach einem zu erwartenden Abstieg nicht gleich wieder hochkommen, derweil Zwerge wie Darmstadt oder Paderborn schnell mal durchgereicht werden können.

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