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Präsident von Hannover 96 Martin Kinds Kampf gegen die 50+1-Regel

Wer Martin Kind ein bisschen kennt, der dürfte keine Zweifel haben, dass er sich im Kampf gegen die 50+1-Regel nicht unterkriegen lässt. Tatsächlich hat er in allen Belangen recht. Unser Kommentar.

Martin Kind
Blitzgescheit und wenig diplomatisch: Martin Kind. Foto: dpa

Zehn Jahre lang hat sich Martin Kind mit den Kollegen der Konkurrenzklubs und den Funktionären der Deutschen Fußball-Liga gekabbelt. Die vielen kleinen Niederlagen, die der Präsident von Hannover 96 in seinem recht einsamen Kampf um die Abschaffung der 50+1-Regel schon verknusen musste, sind nun von einer krachenden Schlappe getoppt worden. Wer den rigorosen Unternehmer ein bisschen kennt, der dürfte keine Zweifel haben, dass der zwar blitzgescheite, aber wenig diplomatische 74-Jährige sich so nicht unterkriegen lässt. Es ist ohnehin überfällig, dass der Entscheid über 50+1 aus der ollen Verbandsgerichtsbarkeit hinaus in ordentliche öffentliche Gerichtssäle verlegt wird. 

Denn tatsächlich hat Kind in allen Belangen recht: Es ist ein Anachronismus, dass über sein Ansinnen von einem Ligapräsidium entschieden wird, dessen Vertreter alles andere als unabhängig sind, weil sie die Partikularinteressen ihres Herzensklubs mindestens genauso vehement vertreten wie die übergeordneten des gesamten deutschen Profifußballs; es kann von Wettbewerbsgleichheit keine Rede sein, wenn in der Bundesliga nur Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und de facto auch Leipzig von Konzernen und Mäzenen bis zum Anschlag aufgepumpt werden dürfen; es ist eine Mär, dass Klubübernahmen zwangsläufig das Ende der Fankultur hierzulande bedeuten. Man musste bei der WM nur mal über den großen Teich nach England schauen, um sich dessen gewahr zu werden.

Und es ist tatsächlich wahr: Die 50+1-Regel hat als eingebaute Kommerzialisierungsbremse in einem weltweit dem totalen Kommerz ausgesetzten Business inzwischen dafür gesorgt, dass die Bundesliga im Vergleich zu den Topligen in England, Spanien und Italien wie eine Dampfmaschine daherkommt. 

DFL-Boss Christian Seifert darf nicht laut sagen, dass er gedanklich viel eher auf der Seite des schneidigen Kind steht als auf der      Seite der Dampflokführer. Schließlich muss Seifert als bezahlter oberster Repräsentant aller 36 Lizenzklubs die Meinungsmehrheit akzeptieren, auch wenn diese sich mehr auf Populismus denn auf Realismus und Fachkenntnis gründet. 

In zehn Jahren angestrengter Debatte waren die Klubvorstände und Präsidenten bisher intellektuell, inhaltlich und strategisch nicht in der Lage, ihre Unterhaltungsindustrie rechtlich und emotional so einwandfrei aufzustellen und zu erklären, dass Herz und Verstand in einer klugen Symbiose zusammengeführt werden. Es braucht einen großen Wurf, keine ständige Flickschusterei mit immer neuen Regeln im Kleingedruckten. Oder endlich ein unanfechtbares Gerichtsurteil. 

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