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Polizeieinsätze Erfolgreicher Zwergenaufstand

Bremen geht im Streit um die Kosten für Polizeieinsätze gegen die Bundesliga in Führung. Die DFL fürchtet eine negative Signalwirkung.

Polizeieinsatz
Wer soll für die Kosten der Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen aufkommen? Foto: dpa

Nachdem er just den 13. Rekordumsatz des hiesigen Profifußballs in Folge präsentiert hatte, war es Christian Seifert ein  Anliegen, einen besonderen Aspekt des Vier-Milliarden-Euro-Zahlenwerks herauszustellen: Die 36 Klubs der beiden Bundesligen, so der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, hätten in einer einzigen Saison nicht weniger als 1,17 Milliarden Euro Steuern und Abgaben gezahlt. Natürlich auch Rekord. Was Seifert damit transportieren wollte: Schaut her, liebe Leute, der deutsche Profifußball kassiert nicht nur schnöde vom Fernsehen, Sponsoren und Fans und verteilt das viele, viele Geld an die Reichen und Superreichen in Stollenschuhen, sondern er zahlt auch brav zurück in die Staatskasse.

Umso verdrießlicher ist es aus Sicht der Top-Funktionäre von DFB und DFL in den beiden Frankfurter Verbandszentralen, dass es hoch im Norden ein gallisches Dorf namens Bremen gibt, das schon seit einigen Jahren keine Ruhe geben mag – und gestern einen großen Vorsprung errang, der indes in der Verlängerung verteidigt werden muss. Denn gestern entschied das Oberverwaltungsgericht im Stadtstaat, dass die DFL sich an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen beteiligen muss. Das Gericht erklärte damit Gebührenbescheide des Bundeslandes Bremen grundsätzlich für rechtens und hob ein vorinstanzliches Urteil auf.

 

Es dauerte wenig überraschend nicht lange, bis sich die DFL zu Wort meldete und  ihren Präsidenten Reinhard Rauball in einer Pressemitteilung sagen ließ: „Die rechtliche Wertung ist aus unserer Sicht bei allem Respekt unzutreffend. Die DFL wird daher Revision gegen das Urteil einlegen.“ Dafür ist nun das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zuständig. Der Fußball, so Rauball, in Co-Funktion auch Präsident von Borussia Dortmund, sei „nicht Verursacher von Gewalt“. Es sei „nicht nachvollziehbar, dass der Fußball für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, die eine Kernaufgabe des Staates ist und der Allgemeinheit zugutekommt, verantwortlich sein soll“. Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel zeigte sich alles andere als amüsiert und artikulierte Unverständnis über das Urteil.

Die DFL hatte im Vorfeld viel versucht, hatte den politischen Zwergen aus Bremen nicht nur mit Konsequenzen gedroht: Ein im Bremer Weserstadion fest terminiertes Länderspiel im Herbst 2014 gegen Gibraltar wurde der renitenten Hansestadt durch den der Bundesliga treu zu Diensten stehenden Deutschen Fußball-Bund kurzerhand nach Nürnberg verlegt. Bremen und Bundesligist Werder gingen so eine halbe Million Euro durch die Lappen. Bremens sozialdemokratischer Innensenator Ulrich Mäurer sprach seinerzeit im FR-Interview mit Blick auf die Verbände von einem „Akt der Arroganz und Überheblichkeit“. Die Fronten konnten nicht aufgeweicht werden. Bei mehreren später von beiden Seiten intensivierten informellen Gesprächen, um die Kuh geräuschlos vom Eis zu bekommen, gab es keine Lösung.

Sechs Gebührenbescheide aus Bremen

Am Mittwoch nun bezeichnete Aufständler Mäurer die Entscheidung als „wesentlichen Etappensieg“ und ergänzte: „Es kann nicht angehen, dass die einen Millionen verdienen im Profifußball und dass die Steuerzahler mit immensen Polizeikosten überzogen werden“. Seine Rechnung: „Wenn (wie am kommenden Samstag, die Red.) der HSV nach Bremen kommt, haben wir keine 200 Beamten sondern 1200 Beamte im Einsatz. Wir halten es für legitim, dass die Kosten erstattet werden, die für diesen zusätzlichen Aufwand entstehen. Wir reden hier, was Bremen angeht, von rund einer Million Euro pro Saison. Das zahlt man bei der DFL aus der Portokasse.“ Die Mehrheit der Bevölkerung sehe das im übrigen ganz genauso.

Mittlerweile steht der SPD-Mann auch politisch nicht mehr allein im Land. Mäurers rheinland-pfälzischer Parteigenosse, Innenminister Roger Lewentz, sagte: „Die zunehmende Wirtschaftskraft der Profivereine und der Deutschen Fußball-Liga gibt es durchaus her, dass Klubs und DFL an den Kosten für Hochrisikospiele beteiligt werden.“

Tatsächlich fürchtet die DFL eine aus ihrer Sicht negative Signalwirkung. Will heißen: Wenn Bremen den Stein erst mal ins Rollen gebracht hat, könnten andere Bundesländer folgen. Die DFL hat in dem heftigen Disput mehrfach darauf hingewiesen, dass die Bundesliga gemeinsam mit der Innenministerkonferenz eine allseits gelobte Konzeption entwickelt habe, um Gewalt bei Bundesligaspielen einzudämmen und Polizeieinsätze zu optimieren. Das sei der richtige Weg, nicht jener der Bremer.

Bislang hat Bremen sechs Gebührenbescheide mit einem Gesamtvolumen von rund zwei Millionen Euro an die DFL geschickt. Der Dachverband der Bundesliga hatte bereits angekündigt, dass im Fall einer juristischen Niederlage die betreffenden Heimvereine gefordert sind. Bei Werder Bremen ist man entsprechend alarmiert. Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald, ein promovierter Rechtsanwalt, war im Gericht anwesend und machte sich hinterher Mut: Es sei aus Sicht des Bremer Senats „ein bisschen zu früh für große Siegesgesänge“. (mit dpa/sid)

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