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Ousmane Dembélé Geld oder Titel für den BVB

Ein Wechsel von Ousmane Dembélé wäre ein schwerer Verlust für Borussia Dortmund, aber die Einnahme von bis zu 120 Millionen Euro könnte die Grundlage für einen großen Entwicklungsschritt sein.

Ousmane Dembélé
Auf dem Sprung zum Traumverein: Ousmane Dembélé. Foto: dpa

Die Meldungen, die am Mittwoch aus Liverpool aufs Festland wehten, lösten im Umfeld des BVB zunächst einmal ambivalente Gefühle aus. Die Herren aus Barcelona mit den Neymar-Millionen im Geldkoffer, die einen Ersatz für den nach Paris abgewanderten Fußballstar suchen, seien nicht in Dortmund gelandet, sondern an der englischen Westküste, hieß es aus Spanien. Offensichtlich wurde über die Möglichkeit eines Wechsels von Philippe Coutinho zum FC Barcelona verhandelt, während rund 800 Kilometer südöstlich in Dortmund-Brackel Ousmane Dembélé über den Trainingsrasen lief. Nach Bekanntwerden der Reiseroute der Funktionäre aus Katalonien und angesichts dieser Bilder erscheint ein Verbleib Dembélés beim BVB plötzlich eher wieder möglich.

Wobei der Transfermarkt derart verseucht ist mit Gerüchten, Halbwahrheiten und Fehlinformationen, dass kaum verlässliche Schlüsse möglich sind, bis Verträge unterschrieben und Transfersummen überwiesen sind. In Dortmund ist man sich gar nicht so sicher, ob es nun besser ist, wenn der FC Barcelona sich für den Liverpooler Coutinho entscheidet. Schließlich könnten die sagenhaften 150 Millionen Euro, die mit einem Dembélé-Transfer eingenommen werden könnten, den Revierklub mittelfristig noch schwunghafter fördern als die Tore, Dribblings und Vorlagen des 20-Jährigen.

Gerade ein Jahr ist es her, dass Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Gründe der „wirtschaftlichen Vernunft“ anführte, als der damals wichtigste Offensivspieler Henrikh Mkitaryan verkauft wurde. Für heute geradezu bescheiden wirkende 42 Millionen Euro. Nun rund das Dreifache einnehmen zu können, den zweithöchsten Betrag, der nach den Neymar-Millionen je für einen Fußballer gezahlt wurde, ist ziemlich verführerisch. Deshalb war nicht jeder BVB-Fan traurig, als am Dienstagabend neue Indizien auf einen bevorstehenden Wechsel hindeuteten.

„Dembélé löscht BVB aus seinem Instagram-Profil“, lautete eine der Topnachrichten des Abends, und tatsächlich wurden die Begriffe „Echte Liebe“ und „Borussia Dortmund“ von der Plattform entfernt. Ebenso wie „Equipe de France“ übrigens – eine Aktion, die Interpretationsspielräume lässt. Und da Dembélé einen Vertrag beim FC Barcelona immer als „Kindheitstraum“ bezeichnet hat, kann es wohl keinen Zweifel daran geben, dass er sehr gerne eine neue Spitze des berühmten „Dreizacks“ an der Seite von Lionel Messi und Luis Suárez bilden würde.

Bereits vorige Woche kursierte in Frankreich die Meldung, Dembélé und der FC Barcelona seien sich über Gehalt und Vertragslaufzeit einig, aber das muss nicht viel heißen. Auch Pierre-Emerick Aubameyang war in der öffentlichen Wahrnehmung schon so gut wie weg, als der chinesische Klub Tianjin Quanjian um seine Dienste warb, jetzt bleibt der Stürmer doch. Und dass der spanische Weltklub sowohl um Coutinho als auch um Dembélé wirbt, kann Verhandlungsstrategie sein: Eine Alternative in der Hinterhand zu haben, macht Spieler günstiger. Wobei Watzke bereits verkündet hat, dass er eine Ablöse von 100 Millionen Euro „sowieso für viel zu niedrig halte“.

Dembélé öffnet enge Räume aus dem Stand

Denn zum einen ist Dembélé im Moment in den Augen vieler Experten das zauberhafteste Talent des Weltfußballs. Zwar könnten für Kylian Mbappé vom AS Monaco in diesem Sommer noch 180 Millionen Euro gezahlt werden (Real Madrid und Paris St. Germain sind angeblich interessiert), aber dieser Stürmer ist eher ein Spieler der großen Räume, ein kraftvoller Sprinter, während Dembélés Fähigkeit, praktisch aus dem Stand enge Räume zu öffnen, extrem selten ist. Die Dortmunder müssen sich also mit komplexen Überlegungen befassen, die noch erschwert werden, weil nach Informationen französischer Medien 25 Prozent einer Ablöse Stade Rennes zustünden, von wo Dembélé im vorigen Sommer für 15 Millionen Euro zum BVB gekommen war.

Vor allem aber geht es um die Frage, ob sich in dieser Saison für den BVB tatsächlich eine Chance ergeben könnte, um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Wenn die Bayern so verwundbar sind, wie sie in der Vorbereitung mitunter wirkten, wenn Trainer Peter Bosz tatsächlich so überzeugend arbeitet, wie die Verantwortlichen behaupten, könnte Dembélé helfen, wirklich Großes zu erreichen und wäre im kommenden Sommer wahrscheinlich immer noch mehr als 100 Millionen Euro wert. Oder hat Chefscout Sven Mislintat, der übrigens vom FC Bayern umworben sein soll, schon einen Alternativspieler in der Hinterhand?

Die Angelegenheit ist komplex, insofern ist nach den Erfahrungen mit Neymar, Modeste und Aubameyang, über deren Wechselpläne wochenlang öffentlich diskutiert wurde, nicht zu erwarten, dass es bei Dembélé schneller geht.

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