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Montagsspiel Bremen - Köln Bitte mehr Stimmung

Vor dem dritten Montagsspiel zwischen dem SV Werder und dem 1. FC Köln scheint die Anhängerschaft im Zwiespalt der Gefühle.

Claudio Pizarro
Steht unweigerlich beim Kölner Gastspiel in Bremen im Fokus: Werder-Legende Claudio Pizarro. Foto: rtr

Florian Kohfeldt ist der Typ Mensch, bei dem ein Glas eher halbvoll statt halbleer ist. Und so mag der Fußballlehrer auch gar nicht lamentieren, dass der SV Werder mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln (Montag 20.30 Uhr) im Abstiegskampf den Nachzügler gibt. „Ich weiß gern, was ich zu tun habe“, sagt der 35-Jährige. Die Bremer Ausgangslage stellt sich nun tatsächlich recht einfach dar: Mit einem Sieg könnten die Bremer im Tabellenkeller fünf Punkte Vorsprung gegenüber dem FSV Mainz 05 und VfL Wolfsburg aufbauen und dem Klassenerhalt ein gutes Stück näher kommen. 

Ein bisschen erinnert die Situation an den 2. Mai 2016, als die Grün-Weißen an einem Montagabend gegen den VfB Stuttgart (6:2) einen Befreiungsschlag landeten. Damals reagierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf Sonderwünsche der Sicherheitsorgane. Auch diese Ansetzung mündete in Unmutsbekundungen und Boykottaufrufen, aber letztlich fehlten nur rund 1000 Besucher im Weserstadion, wo eine Stimmung herrschte, die an legendäre Europapokalnächte erinnerte. Die „Kreiszeitung Syke“ konstatierte daraufhin: „Man muss Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga nicht mögen – aber um dieses sollten alle Bremer eine rote Schleife binden.“

Der vor zwei Jahren gemeinsam mit Torsten Frings als Co-Trainer von Viktor Skripnik tätige Kohfeldt kann sich an „ein mitreißendes Spiel“ noch gut erinnern. Sein Appell: „Ich hoffe auf ein volles Stadion und eine große Unterstützung.“ Aber: Nachdem anfänglich allein Werders Ultra-Gruppierung „Caillera“ ihr Fernbleiben ankündigte, sind weitere Fan-Vereinigungen gefolgt, darunter auch die Kölner Gruppe „Südkurve“. Die verpasst somit, dass die Nachverpflichtung Claudio Pizarro für seine langjährigen Verdienste an der Weser – darunter 104 Tore in 206 Bundesligaspielen – noch eine persönliche Ehrung erfährt.

Die Bremer Gruppe „Infamous Youth“ lädt gar dazu ein, sich zum Fußballgucken statt im Stadion im benachbarten Steintorviertel zu versammeln. „Weil neben zig anderen Gründen neuerdings auch noch Fußball gespielt werden soll, um den vom internationalen Wettbewerb ja auch so gebeutelten Vereinen mehr Regenerationszeit verschaffen zu können. Wer diese Argumentation ebenso beschissen findet, sei herzlich eingeladen.“ 

DFL-Argumente ins Leere

Tatsächlich zielt die angebliche Entlastung der Europa-League-Starter diesmal komplett ins Leere. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verweist darauf, eigentlich mit mehr als nur zwei deutschen Klubs in der K.o.-Phase der Europa League gerechnet zu haben. Außerdem habe beispielsweise der 1. FC Köln – auch durch die auf die Europapokaltermine folgenden Abstellperioden für Länderspiele – in der Hinrunde nur einmal montags antreten können.

Die Bremer Anhängerschaft fühlt sich als Versuchskaninchen – und verweist in ihrer Argumentation darauf, dass Werder am Ende dieser Bundesligasaison nur an 15 von 34 Spieltagen zur klassischen Zeit am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr gespielt haben wird. Obwohl die Norddeutschen den Europapokal seit Jahren auch nur aus der Ferne erleben, sind der FC Augsburg (24 Spiele), Eintracht Frankfurt (22), Mainz 05 (22 ) oder die TSG Hoffenheim (21) diesbezüglich deutlich besser gestellt. 

Bereits in der Halbzeitpause gegen den Hamburger SV war die Ostkurve als Heimat der Werder-Fans mit Protestplakaten überzogen. Präsident Hubertus Hess-Grunewald hofft gleichwohl, dass keine Großdemo am Osterdeich vonstatten geht: „Das ist ein sehr entscheidendes Spiel für uns und das werden wir mit vollen Tribünen und einer aktiven Fanszene besser gestalten, als ohne.“ Vom Bremer Publikum ist ein gewisser Zwiespalt zu vernehmen: Wäre es gerade jetzt bei dieser im Aufwind begriffenen Mannschaft angemessen, auf jegliche Anfeuerung zu verzichten? 

Es deutet sich bei 40 000 verkauften Tickets – 1600 davon ans Gästekontingent – an, dass es auf den Rängen nicht zu Leerständen nach Beispiel der Dortmunder Südtribüne im Montagsspiel gegen den FC Augsburg kommen wird. Und auch Tennisbälle oder Trillerpfeifen werden nicht wie bei der Premiere Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig zur Begleitung zählen. Kohfeldt ahnt, dass seine Spieler gefordert sind, soll das dritte Montagsspiel wirklich ein anders geartetes Statement erbringen: „Wie stimmungsvoll der Abend wird, hängt im Endeffekt von uns ab.“ 

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