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Kommentar Züge einer Seifenoper

Geliebt, gehasst, jetzt wieder geliebt. Wie authentisch ist Robert Lewandowskis Bekenntnis zum FC Bayern München überhaupt noch? Ein Kommentar.

Eintracht Frankfurt - Bayern München
Selbst der Torjubel wirkt zuweilen wie aus dem Trash-TV: Robert Lewandowski. Foto: dpa

Es sind bemerkenswerte Aussagen, die der Münchner Stürmer Robert Lewandowski in einem Interview mit der „Sportbild“ getroffen hat. Bemerkenswert deshalb, weil sie so ungewohnt authentisch erscheinen in dieser sonst oft unechten, gesteuerten Fußballwelt. In einer Welt, in der Spieler lieber schweigen, statt ihre Meinung zu vertreten, in der sie keine Angriffsfläche bieten wollen. Nun also holte Robert Lewandowski, 30 Jahre alt, in Warschau geboren, 2010 nach Dortmund, 2014 nach München gewechselt und längst einer der besten Angreifer auf dem Planeten, zu einem sicher wohldurchdachten Rundumschlag aus.

Der Inhalt in chronologischer Reihenfolge: Lewandowski mit nicht öffentlich gemachten Patellasehnenschmerzen und anschließender Formkrise. Dann herbe Kritik von Außen, keinerlei Unterstützung von Innen, ein unbedingter Wechselwunsch des Stürmers, aber eine dürftige Weltmeisterschaft und eine auf rot gestellte Wechselampel der Bayernbosse. Die Besänftigung durch Neu-Trainer Kovac, so dass Lewandowski nun wieder mit vollem Herzen Münchner ist.

Fast wie in einer Seifenoper

Diese Kurzfassung zeigt eines deutlich auf: Die seit vier Jahren bestehende Beziehung zwischen dem Polen und seinem Arbeitgeber trägt bisweilen Züge einer Seifenoper – geliebt, gehasst, geliebt. Dass sie bis zum Vertragsende 2021 halten könnte, schien lange unwahrscheinlich.

Vor allem aus einem Grund: Hinter dem strahlenden Zahnpasta-Lächeln Lewandowskis und seinen verzückenden blauen Augen versteckt sich mitunter ein ziemlicher Karrierist. Jemand, der seinen Weg genauestens geplant hat. Der sich aus Polen nach Deutschland und dort vom zweitbesten zum besten Klub geschossen hat. Der auch abseits des Rasens durch viele, viele Werbeverträge mit einem grob geschätzten Vermögen von etwa 80 Millionen Euro bereits zu den 100 reichsten Polen gehört. Und dessen Weg eigentlich nicht beim deutschen Rekordmeister enden sollte.

Mehrfach, nicht nur in diesem Sommer, hatte sich Lewandowski durch eigene Aussagen oder seines Beraters ins Schaufenster für noch größere Klubs gestellt. Klubs, mit denen der Gewinn der Champions League wahrscheinlicher wäre als mit den Bayern.

Genau deshalb sind die Aussagen zwar wohltuend, weil ungewöhnlich. Einerseits. Andererseits sind sie an der einen oder anderen Stelle doch nicht ganz so authentisch, wie sie von Lewandowski verkauft werden. Die Argumentation für den Rundumschlag ausschließlich darauf aufzubauen, dass er von den Münchner Chefs keine Unterstützung in schweren Tagen erfahren habe, ist ebenso kurz gegriffen wie nun die Herren Hoeneß und Rummenige öffentlich zu einem „Gespräch unter Männern“ aufzufordern. Niemand hätte Lewandowski daran gehindert, selbst sein Leid schon vor Monaten intern anzusprechen. Außer vielleicht sein ursprünglicher Karriereplan.

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