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Kommentar Tipico Wetten für die Profiklubs

Im Hinblick auf die jüngsten Kicker ist der Sponsoringvertrag, den die DFL über eine Tochtergesellschaft mit Tipico abgeschlossen hat, ein fatales Signal. Ein Kommentar.

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Im Jahr 2016 machten die Sportwettenanbieter in Deutschland einen Umsatz von fast sechs Milliarden Euro. Foto: imago

Die Deutsche Fußball-Liga betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit, welch gesellschaftliche Verantwortung sie hat. Mit der DFL-Stiftung unterstützte sie im Jahr 2016/17 82 Projekte für „Integration und Teilhabe“ mit 3,7 Millionen Euro. Das ist aller Ehren wert. Auch ansonsten tun die Profiklubs alles dafür, um als gute Vorbilder für Kinder und Jugendliche rüberzukommen.

Fast alle Wetten illegal

Gerade im Hinblick auf die jüngsten Kicker ist der Sponsoringvertrag, den die DFL über eine Tochtergesellschaft mit Tipico abgeschlossen hat, ein fatales Signal. Der Sportwettenanbieter erhält eine riesige Plattform, um noch mehr Leute anzuwerben, ihr Geld zu verlieren und in die Kassen des Anbieters zu spülen, der seinen Sitz in der Steueroase Malta hat. Im Jahr 2016 machten die Sportwettenanbieter in Deutschland einen Umsatz von fast sechs Milliarden Euro,
Dabei sind die Wettscheine, die online über Internetseiten und Apps abgegeben werden, fast alle illegal. „98 Prozent der Spieleinsätze im Online-Glücksspielmarkt“, hat die schwarz-grüne Hessische Landesregierung festgestellt, weil der Europäische Gerichtshof (EuGH) den deutschen Glücksspielvertrag aus dem Jahr 2008 für ungültig erklärt hat. Aufgrund eines Urteils des EuGH aus dem Jahr 2016 wird zwar niemand belangt, der online zockt, zumal es den Ländern Steuereinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe bringt, dennoch besteht ein Vakuum, für das es immer noch keine Lösung gibt.

Trotz der massiven Versäumnisse der Politik, den Markt zu regulieren, um Betrug und Sucht effektiv zu bekämpfen, darf sich der Sport und insbesondere der Fußball nicht aus der Verantwortung stehlen. Bei einigen Anbietern sind Wetten bis in die Oberliga möglich, wo die meisten Fußballer noch einem normalen Beruf nachgehen, und damit besonders interessant für die Wettmafia.

Natürlich ist Betrug in den obersten deutschen Spielklassen angesichts der hohen Gehälter der Profis nahezu ausgeschlossen, die Spielsucht jedoch nicht. Wohin sie führen kann, hat der ehemalige St.-Pauli-Profi René Schnitzler eindrucksvoll in seinem Buch „Zockerliga“ aus dem Jahr 2011 dargelegt. Erst im Oktober 2016 wurde der Ex-Profi Ivica Olic dabei erwischt, wie er mit Freunden auf Spiele in der Zweiten Liga gewettet hat.

Die DFL betonte nach der Kritik von Transparency International, dass die 36 Profiklubs mit zahlreichen Aktionen und Initiativen etwas gegen Spielmanipulation und Spielsucht tun. Letztlich geht es bei einem solchen Sponsoringvertrag aber nur um eines: ums Geld. Die gesellschaftliche Verantwortung ist da zweitrangig.

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