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Kommentar Schalke 04 Professor Tedesco

Den Schalkern fehlt es dieser Tage nicht nur am Erfolgserlebnis im gegnerischen Strafraum, sondern vor allem an der richtigen Balance. Ein Kommentar.

SC Freiburg - FC Schalke 04
Schalke-Trainer Domenico Tedesco. Foto: dpa

Das Internet ist manchmal gnadenlos süffisant. Und schüttet in Abwesenheit des jahrelangen Opfers Nummer eins, dem Hamburger SV, dieser Tage seine ganze Häme über den Königsblauen aus Gelsenkirchen aus: Schalke 05 etwa heißt es im Netz in Anlehnung an den mit fünf Niederlagen aus fünf Spielen gründlich in die Hose gegangenen Saisonstart des Bundesligisten aus dem Ruhrpott.

Oder aber es wird dem Tabellenletzten ein Songtitel der US-Rockband Green Day wärmstens ans Herz gelegt: „Wake me up when september ends“ - nun ja, nicht nett, aber irgendwie doch passend. Und, zugegeben, auch ein bisschen lustig. Zumindest für Nicht-Schalker. Denn Schalke 05, äh 04, hat diesen Monat tatsächlich derart in den Sand gesetzt, wie es sich noch im August niemand hätte vorstellen können. Auch die FR-Sportredaktion hatte die Mannschaft von Trainer Domenico Tedesco in ihrer Tipptabelle auf Rang vier platziert. Schon jetzt lässt sich festhalten: Das wird schwer.

Nicht, weil die Schalker keine fußballerische Qualität in ihren Reihen hätten. Auch nicht, weil es dem Team an Willen fehlen würde, sondern schlicht, weil zurzeit nichts zusammenpasst. „Wir müssen so weitermachen, wir müssen nur die Tore schießen“, lautete die Ansage von Tedesco nach dem neuerlichen 0:1 in Freiburg. Naja, sicher nur die halbe Wahrheit. Denn den Schalkern fehlt es dieser Tage nicht nur am Erfolgserlebnis im gegnerischen Strafraum, sondern vor allem an der richtigen Balance. Vorne will der Ball nicht rein (zwei Tore, schlechtester Wert der Liga), hinten dafür umso mehr (neun Gegentore, schlechtester Wert der Liga). 

Zu viele Experimente

Gerade einen Trainer wie Tedesco, der nur allzu gerne in der Rolle als Fußballprofessor aufgeht, der von „magnetisierten Bällen“, „breiten Sechsern“ und „Nullsummenspielen“ schwadroniert, wird das fuchsen. Er selbst, für den es erst in Aue und später auf Schalke nur bergauf ging, findet für seine erste richtige Krise derzeit keine Lösungen. Oder er wählt wie in Freiburg die falschen. Wenn Tedesco bei einem wegweisenden Spiel plötzlich sechs Stammkräfte aus der Startelf beordert (unter anderem erfahrene Profis wie Naldo, Rudy, Burgstaller), dazu das System verändert, sind Abstimmungsprobleme logisch. Dann hat der Trainer viel gewagt und ist krachend gescheitert.

Nun soll das nicht heißen, dass Tedesco ein schlechter Coach ist, ganz und gar nicht. Niemand sollte wegen eines miesen Monats die vergangenen Jahre vergessen. Schalke ist gut beraten, den 33-Jährigen in Ruhe arbeiten zu lassen, sein zweifelsohne großes Trainertalent zu stützen. Einerseits. Andererseits ist auch klar, dass Tedesco liefern muss. Am besten schon am Samstag gegen Mainz, dann in Düsseldorf und dazwischen in der Champions League gegen Lokomotive Moskau. Machbar. Doch was tun in solch einer Krise? Einfach denken, auf Experimente verzichten, hinten dichtmachen, vorne einen reinwürgen, Selbstvertrauen sammeln. Die grundlegenden Formeln des Fußballs - Professor Tedesco sollte sich darauf besinnen.

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