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Kommentar HSV Der Preis des Abstiegs

So schnell wie der HSV verbraucht kein anderer Klub sein Personal. Ein Kommentar.

Bundesliga - Bayern Munich vs Hamburger SV
Bernd Hollerbach, wahrscheinlich Trainer auf Abruf. Foto: rtr

In Hamburg haben ein paar Leute heimlich ein Dutzend Grabkreuze und ein Drohplakat ans Arena- und Trainingsgelände geschafft. Diese Menschen dokumentieren damit ein Niveau, welches das sportliche der Profis noch weit unterschreitet. Die Stimmung schwankt zwischen solcherlei tumber Aggressivität und kraftloser Geisterstimmung. Wäre das anders, würde es noch keinen Grund geben, eine Mannschaft aufzugeben, die in acht Spielen sieben Punkte auf die Tabellennachbarn aus Mainz und Wolfsburg aufholen muss, die ja auch schon monatelang alles andere als erfolgversprechenden Fußball spielen.

In Hamburg ist noch schlimmer als anderswo

Aber in Hamburg ist alles noch ein bisschen schlimmer als an anderen prekären Standorten. Ein Beispiel: Statt sich mit seiner nicht nur beim 0:6 in München minderwertigen eigenen Leistung selbstkritisch auseinanderzusetzen, die er mit einem tollpatschigen Foulspiel im eigenen Strafraum nach unten hin abrundete, nörgelt Abwehrmann Papadopoulos über die Personalpolitik der jüngst geschassten Führungskräfte Heribert Bruchhagen und Jens Todt. So etwas tut man als Profi nicht, vor allem dann nicht, wenn man, wie Papadopoulos, schon seit geraumer Zeit auf dem Spielfeld nicht mehr hinkriegt, als unpräzise abzuspielen, sinnfrei zu grätschen und böse zu gucken.

In Hamburg ist es auch deshalb noch schlimmer als anderswo, weil der – trotz verheerender Rückrundenstatistik im misslungenen Kampf um den Klassenerhalt im Vorjahr mit Zweitligaabsteiger Kickers Würzburg – sonderbarerweise als Retter geholte Trainer Bernd Hollerbach im Grunde schon Vergangenheit ist. Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt mit einer an Dürftigkeit kaum zu unterbietenden Bilanz von 3:15 Punkten und 3:13 Toren.

So schnell wie der HSV verbraucht kein anderer Klub sein Personal. So bitter es für Hollerbach persönlich auch sein mag: Dem neuen Führungsduo Bernd Hoffmann/Frank Wettstein bleibt kaum etwas anderes übrig, als sich zu entscheiden: Glauben wir noch an eine Chance im Abstiegskampf? Dann müsste man sich sofort vom Trainer trennen. Oder planen wir schon für die zweite Liga? Dann sollte Hollerbach unter schwierigsten Umständen bis Saisonende durchhalten, um dann einem unverbrauchten Mann Platz zu machen. Einer, der sich bestenfalls im Hintergrund frühzeitig mit einem neuen Sportchef klügere Gedanken um die Zukunft macht, als das ihre Vorgänger getan haben. Für den unglücklichen Hollerbach sind beide Szenarien demütigend. Aber das Geschäft kennt keine Gnade.

Die Beispiele Frankfurt 2011 und Stuttgart 2016 haben gezeigt, dass Vereine auch Frieden mit ihrer bitter enttäuschten Anhängerschaft schließen können, wenn sie ein gemeinsames Spieljahr in der zweiten Liga erleben. Plötzlich werden wieder Spiele gewonnen und die Protagonisten auf dem Platz und in der Führung nicht mehr als Deppen beschimpft und bedroht. Ein Abstieg kostet rund 50 Millionen Euro. Das ist verdammt ein hoher Preis. Aber doch vielleicht ein lohnender.

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