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Kommentar Bundesliga Fußball im Stand-by

Die Beine sind noch nicht hochgelegt, das Bier noch gar nicht geöffnet, die Chips nicht angetastet , da ist’s auch schon mit dem Spitzenspiel. Ein Kommentar.

Bayern München - RB Leipzig
Es freuen sich die Bayern. Foto: Tobias Hase (dpa)

Mistwetter am Samstagabend muss ja nichts Schlechtes sein. Es gibt Lebenslagen, die wie ein vermeintliches Gegenmittel zu wirken scheinen: ein aufwendig geschürtes Feuerchen im Kamin, gemütliche Couch, sorgsam gekühltes Bier in der guten alten 0,33-Liter-Flasche, Würmchen, Salzstangen und Chips, Vollmilch-Nuss-Schokolade, einen Fernseher mit angeschlossenem Sky-Rekorder und ebendort: das Topspiel Bayern gegen Leipzig. Die Vorfreude erscheint berechtigt, zumal nach dem, was sich unter der Woche im Pokal getan hatte. Bestimmt würde es wieder hoch hergehen, bestimmt würde es spannend bis zum Schluss, doch dann, oh je: Die Beine sind noch nicht ganz hochgelegt auf das mühevoll ausgezogene Sofa, das Bier noch gar nicht geöffnet, die Chips gerade mal in der Schale, da ist’s auch schon vorbei: draußen Sturm, der gegen die Fenster drückt, drinnen plötzlich Kampf gegen die Langeweile. Rot für Orban, 1:0 für die Bayern, und dann das: Coach Hasenhüttl wechselt den schnellsten und torgefährlichsten Mann aus: Timo Werner muss weichen, ausgerechnet Werner, um die Defensive zu stärken.

England macht Ärger

Damit ist klar: Leipzig wird sich ergeben, Leipzig wird in den kleinstmöglichen Verwaltungsmodus umschalten, um Kraft zu sparen für die Champions League unter der Woche, Leipzig wird zusehen, nicht unter die Räder zu kommen, bloß kein 5:0 oder 6:0, und bestimmt wird Leipzig genau deshalb nicht irgendwelche irren Aktionen starten, um die Bayern mit zehn Mann noch unter Druck zu setzen. Gegenpressing? Zwecklos! Würde eh nur bestraft von der Münchner Passmaschine, die der Jupp schon halbwegs wieder angeworfen hat.

Die Münchner ihrerseits spüren natürlich schnell, dass von der anderen Seite nichts mehr zu befürchten ist. Ergo: Auch sie schalten runter in den Stand-by-Modus, fast sieht es so aus, als wollten sie dem Zeugwart die Trikotwäsche ersparen. So verkommt das Spitzenspiel, das den deutschen Fußball in der halben Welt noch viel berühmter machen soll, als er ohnehin schon ist, zu einer Veranstaltung mit dem Spannungsbogen einer Litfaßsäule ohne Werbeaufdruck.

Später am Abend wird Joachim Löw als Gast im Sportstudio mal wieder darauf hinweisen, dass die anderen Nationen gewiss nicht schlafen, am Nachmittag hat die U17 von England im WM-Finale in Kalkutta Spanien nach 0:2-Rückstand noch 5:2 geschlagen, die deutschen Jungs waren da längst schon wieder zu Hause. England, sagt Löw, könne Deutschland sogar nächstes Jahr in Russland gefährlich werden. So weit ist es schon gekommen, dass England den Unsrigen vielleicht Ärger macht.

Es hätte ein schöner Abend werden können.

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