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Hooligans Nur nicht den Krawallmachern beugen

Dortmund, Rostock, Wiesbaden - Ausschreitungen von Fußball Fans sind wieder auf der Tagesordnung. Doch Kollektivstrafen treffen immer noch die Falschen. Ein Kommentar.

SV Wehen Wiesbaden - Hamburger SV
Fans des Hamburger SV beim DFB-Pokalspiel gegen den SV Wehen in Wiesbaden. Foto: dpa

Am Samstag gehen Hertha-Chaoten in Dortmund mit Fahnenstangen auf Polizisten los, werfen sogar mit herausgebrochenen Toilettenschüsseln auf die Beamten. Die BVB-Anhänger solidarisieren sich mit den Berlinern, bedenken die Polizisten mit Schmähgesängen. Bilanz: 45 Verletzte – und verheerende Bilder, die um die Welt gehen.

Am Montag sitzt der Frankfurter Vereinspräsident Peter Fischer im Fernsehstudio und spricht en passant eine persönliche Reisewarnung für die Eintracht-Anhänger aus, die zum letzten Europapokalspiel der Gruppenphase am 13. Dezember nach Rom wollen.

Die Lazio-Fanszene ist berühmt und berüchtigt. Und auch die Eintracht-Hools kennen ja wenig Freunde, vor den internationalen Partien gegen Rom und Limassol gab es hässliche Jagdszenen in der Stadt. Lazio sinnt auf Rache, entsprechende Drohungen schwirren durch die Weiten der virtuellen Welt. „Bleibt zu Hause, guckt’s im Fernsehen“, rät Peter Fischer.

Pyros in Wiesbaden, Hooligans in Rostock

Am Dienstag dauerzündeln die Ultras des Hamburger SV in Wiesbaden mit derartiger Inbrunst, dass das DFB-Pokalspiel gegen den SV Wehen für mehrere Minuten unterbrochen werden muss, kurz vor dem Abbruch steht und HSV-Profi Lewis Holtby sich bemüßigt fühlt, auf den Fanzaun zu klettern und dem Einpeitscher zuzurufen: „Macht ihr noch ein Ding an, wird das Spiel abgebrochen. Wollt ihr das?“ Wollten sie doch nicht. Und weil sie dann so artig waren, die Pyromanen, haben sich die Hamburger Profis nach dem 3:0 sogar noch vor der Fankurve für die Unterstützung bedankt oder vielleicht auch dafür, dass sie das Spiel regulär beenden durften. Klasse.

Am Mittwochvormittag fallen Nürnberger Fans vor der DFB-Pokal-Partie in Rostock ein und liefern sich erst mit der Polizei, dann mit Hansa-Hools eine wilde Straßenschlacht. Mit Holzlatten und Eisenstangen dreschen sie aufeinander ein. Die Beamten feuern einen Warnschuss ab.

Die Vorfälle, obzwar alle anders gelagert, nehmen wieder zu, man kann sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Und es dauert nicht lange, ehe wieder die alten Reflexe greifen. Der Boulevard ruft entrüstet aus, man solle vielleicht die vom DFB ausgesetzte Kollektivstrafe wieder einführen. Tolle Idee, die bekanntermaßen zur Folge hat, dass tausende Fußballliebhaber für etwas sanktioniert werden, für das sie nichts können und, wie jeder zivilisierte Mensch auch, ablehnen. Nein, eine Sippenhaft ist nicht die Lösung.

Um diesen Auswüchsen Herr zu werden, gibt es nur eines: die strafrechtliche Verfolgung. Gewalttäter oder Chaoten, die Grenzen überschreiten, müssen dingfest gemacht und angemessen hart bestraft werden. Da müssen die Vereine, die richtigerweise oft auf Dialog setzen, bei der Identifizierung der Täter helfen. Sonnenklar ist: Man darf sich Krawallmachern nicht beugen, nicht resignieren, auch wenn man diesen Ausschreitungen oft genug hilflos und ohnmächtig gegenüber steht und sich fragt, ob es denn niemals enden wird.

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