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Hendrik Weydandt - Hannover 96 Treffsichere Stecknadel

Von der Kreisliga ins Oberhaus: Hannover hofft auf Märchenprinzen Hendrik Weydandt.

Hendrik Weydandt
Märchenheld: Hendrik Weydandt wird von den Kollegen Bobby Wood (l.) und Matthias Ostrzolek (r.) zum ersten Profitor beglückwünscht. Foto: dpa

Es könnte gut sein, dass sich die Geschichte vom ersten Spieltag einfach wiederholt. Am Freitagabend, wenn Hannover 96 in seiner ausverkauften Arena am Maschsee gegen Borussia Dortmund antritt (20.30 Uhr) und den Roten kein Tor gelingen will. Dann wird ziemlich sicher irgendwann Hendrik Weydandt an der Seitenlinie auftauchen und der Lärmpegel im 96-Block anschwellen.

Das war ja schon die eigentliche Geschichte des Nordderbys zwischen Werder Bremen und Hannover 96 (1:1). 77 Sekunden nach einer Einwechslung traf der Novize zur Führung. Dabei setzte der 23-Jährige nur seinen Lauf aus der Vorbereitung und seinem Doppelpack im DFB-Pokal beim Karlsruher SV (6:0) fort. „Henne, du bist der beste Mann!“ klang es hinterher aus der Westkurve des Weserstadions.

Durchs Raster gefallen

Ein Hobbypianist bringt der Bundesliga ganz neue Töne bei, schließlich kickte die Nummer 26 der Niedersachsen vor vier Jahren noch beim TSV Groß Munzel. Kreisliga Hannover Land. Weit weg von der Glitzerwelt Profifußball, die meist nur noch Talenten die Tür öffnet, die die Komplettausbildung in Nachwuchsleistungszentren durchlaufen haben. Ausnahmen müssen gesucht werden wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen. „Es kommt kaum noch vor, dass Spieler durchs Raster fallen“, weiß auch 96-Sportchef Horst Heldt. „Diese Märchen werden seltener.“ Das Beispiel Weydandt zeigt, wie viele Zufälle mitspielen müssen, damit so einer heutzutage oben ankommt.

„Das ist eine wunderbare Geschichte, jeder würde sich das wünschen“, hat jetzt auch der Aufsichtsratsvorsitzende und Altbundeskanzler Gerhard Schröder gesagt, als er das Nachwuchsleistungszentrum besuchte.

Der in Gehrden geborene Mittelstürmer hat seine Treffer vergangene Saison noch regelmäßig für den 1. FC Germania Egestorf/ Langreder geschossen. Regionalliga Nord. Der neue Leiter der 96-Akademie Michael Tarnat hatte dann die kluge Idee, mit dem 1,95-Meter-Hünen doch die in derselben Spielklasse verortete U23 zu verstärken. Der BWL-Student hatte offenbar zahlreiche Anfrage aus der dritten Liga, aber auch von Zweitligisten wie Holstein Kiel oder MSV Duisburg vorliegen, entschied sich jedoch für den Weg in Hannover. Weil er hoffte, dass dort noch ganz andere Türen aufgehen würden?

Denn weil Bundesliga-Trainer André Breitenreiter im Sturm seine Sorgen hatte (und den Spieler als ortskundiger Cheftrainer selbst kannte), wollte er in der Vorbereitung „mal schauen, ob er auch bei uns seine Torjägerqualitäten zeigen kann“. Weydandt konnte – und hat sich dann auch „als Typ gut präsentiert“ (Breitenreiter). Die Einwechslung zuletzt in Bremen sei ein „klares Signal“ gewesen: „Seine Geschichte ist Wahnsinn, aber das hat er sich hart erarbeitet. Das ist kein Zufall.“

Nur ziemlich aufgeregt ist der Fleißarbeiter vor seinem ersten Einsatz vor ungewohnt großer Kulisse dann doch gewesen. „Er hat beim Anziehen einiges durcheinandergebracht“, witzelte Heldt. Beispielsweise die Schienbeinschoner fast vergessen. Als dann alles geordnet war, dauerte es nicht lange, um nach Zuspiel von Ihlas Bebou freistehend zu vollstrecken. Nun stehen bei drei Torschüssen im Profibereich gleich drei Treffer in der Bilanz. Ob sich diese traumhafte Quote gegen den BVB fortschreiben lässt?

Weydandt selbst wollte über seinen kometenhaften Aufstieg hernach nicht reden, was Breitenreiter völlig in Ordnung fand: „Die Tore sprechen für sich.“ Heldt hat immerhin verraten, dass so eine Begabung natürlich nicht für ein Amateurgehalt weiterspielen könne, wo die Kollegen alle ein Vielfaches verdienen. „Mit dem Papa haben wir uns schon geeinigt, jetzt muss nur noch der Präsident Ja sagen“, merkte der Manager grinsend an.

Die Tore sprechen für sich

Sollte heißen: Weil der eine Anwaltskanzlei führende Vater Heinrich gleichzeitig als Berater des unverhofft aufgetauchten Hoffnungsträgers fungiert, ging auch auf dieser Ebene alles „sehr bodenständig“ (Heldt) vonstatten. Der 96-Märchenprinz wird bald auf Basis eines verbesserten Arbeitspapiers entlohnt, das Präsident Martin Kind abnicken wird, denn: „Ein Stürmer wird an seinen Toren gemessen – und die schießt er.“

Sein Ex-Klub aus Barsinghausen hat über Twitter derweil mit einem Augenzwinkern mitgeteilt: „Kann man im Nachhinein noch mal über die Ablösesumme sprechen? Henne, du Maschine!“

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