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Hamburger SV HSV zieht die Reißleine und holt Hollerbach

Der Hamburger SV trennt sich nach der Heimblamage gegen den 1. FC Köln von Trainer Markus Gisdol. Nun soll Bernd Hollerbach beim Dino retten, was noch zu retten ist.

22.01.2018 06:18
Hamburgs Trainer Gisdol entlassen
Auch gezeichnet: Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Foto: Axel Heimken (dpa)

Sein unausweichliches Ende als Trainer des Hamburger SV verkündete Markus Gisdol am Sonntagmorgen schneller als der Verein selbst. „Ich möchte jetzt erst einmal heim und das sacken lassen. Ich hätte gern weitergemacht,“, sagte der 48-Jährige, ließ die Seitenscheibe seines Noch-Dienstwagens wieder hochsurren und räumte ein letztes Mal seinen reservierten Parkplatz vor dem Volksparkstadion. Erst eine knappe halbe Stunde später bestätigte der Klub mit einer dürren Meldung die Trennung, das „uneingeschränkte Vertrauen“ war nach nur einer Woche schon wieder aufgebraucht – rund 14 Stunden nach dem ernüchternden 0:2 gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln.

Es war das sechste Spiel in Serie ohne Sieg, die vierte Niederlage in Folge für den HSV. „Vorzeitige Trennungen von Trainern sind grundsätzlich nicht gewollt, aber wir glauben, dass neue Impulse zwingend notwendig sind, um das nach wie vor angestrebte Ziel Klassenerhalt zu erreichen“, erklärte HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Zur Mittagszeit ließ der 69-Jährige dann durchblicken, dass ein Nachfolger bereits gefunden sei. „Wir wissen bereits, wer Trainer wird.“
 

Wenige danach Stunden sickerte der Name auch bei den Medien durch: Bernd Hollerbach soll retten, was noch zu retten ist. Der gebürtige Franke soll am Montagnachmittag vorgestellt werden und einen Vertrag bis 2019 erhalten. Der 48-Jährige trainierte bis zum Sommer vergangenen Jahres den Zweitliga-Absteiger Würzburger Kickers. Hollerbach verfügt über das HSV-Gen. Er war von 1996 bis 2004 beinharter Verteidiger beim HSV, hat später als Co-Trainer die Felix-Magath-Schule durchlaufen.

„Ein neuer Trainer soll unserer Mannschaft die Unsicherheit nehmen“, sagte Bruchhagen. „Wir mussten einen Plan B im Kopf haben, der neue Trainer konnte sich bereits mit unserem Kader auseinandersetzen, aber er wusste auch immer, dass es unser Ziel war, den Trainer nicht zu wechseln.“ Selbstkritisch räumte er ein: „Es muss Gründe geben, warum sich unsere Erwartungshaltung nicht realisiert hat. Wir müssen uns alle die Frage stellen, wo wir hätten besser agieren können.“

Die Fans sind längst genervt. Mit einer Blockade der Stadionzufahrt verschafften sie sich nach der Niederlage gegen Köln Luft. Einige Profis stellten sich und beruhigten die Anhänger. Bedingungslose Unterstützung kommt aber erst wieder auf, wenn Punkte eingefahren werden. Doch der Mannschaft fehlen viele Attribute eines Erstligisten. Weniger mangelt es an Einsatz oder Wille, sondern an Qualität und Selbstüberzeugung. Zudem konnte Gisdol seine für ihn alternativlose Vorstellungen vom schnellen Umschaltspiel bei dem Kader nie wirklich durchsetzen. Er trägt gewiss nicht alleine die Schuld an dem Schlamassel. Sportchef Jens Todt steht ebenso am Pranger. „Die Situation hat sich deutlich verschlimmert“, gestand Todt.

Die Verbindlichkeiten des Vereins haben mit 105,5 Millionen Euro einen Höchststand erreicht. Das abgelaufene Geschäftsjahr endete mit dem zweithöchsten Minus in der Klubgeschichte von 13,4 Millionen Euro. Ein Gang in die zweite Liga mit deutlich geringeren Einnahmen aus TV-Topf, Ticketverkauf und Werbeeinnahmen würde die wirtschaftliche Misere nur noch vertiefen, wenn nicht sogar die Existenz bedrohen. „Unsere Mittel sind begrenzt“, bestätigte Todt.


In den Jahren von Abstiegskampf und Niveauverfall seit 2013 wurden mehr als 120 Millionen Euro für zumeist falsche Transfers verbrannt. Sechs Trainer mühten sich mehr schlecht als recht, vier Sportchefs bastelten ziellos am Mannschaftsgefüge. Zwei echte und eine gefühlte Relegation waren die Folge. Der Europacupsieger der Landesmeister von 1983 ist dreieinhalb Jahrzehnte später durch Misswirtschaft, Dilettantismus, Eitelkeiten und Selbstüberschätzung zu einem Dauerkrisenfall geworden.   (sid, dpa, FR)

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