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Hamburger SV Hängt die Uhr ab

Heribert Bruchhagen beklagt den Umgang mit dem HSV. Aber: Wer sich als Fan des HSV fühlt, der empfindet nicht erst seit dieser Saison wenig Mitleid mit den Hanseaten. Entweder man liebt den Klub. Oder eben nicht. Ein Kommentar.

Heribert Bruchhagen
Heribert Bruchhagen beklagt in einem Interview: „Jeder nimmt sich inzwischen das Recht raus, über den HSV zu spotten. Das ist offenbar chic und stört mich ganz massiv.“ Foto: Imago

Heribert Bruchhagen hat sich mal wieder Luft verschafft. Der gute Mann verfügt ja über enge Kontakte zu allen TV- und Printleitmedien. Wenn es was anzustoßen gilt oder dem Vorstandsboss des Hamburger SV mal wieder etwas gehörig auf den Zeiger geht, versteht er es wie kaum ein Zweiter in der Bundesliga, sich öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen. Am Donnerstag gab er im Fachmagazin „Kicker“ ein weithin beachtetes Interview, in dem sich Bruchhagen tränenreich über den ungerechten Umgang mit dem HSV beklagt hat. „Jeder nimmt sich inzwischen das Recht raus, über den HSV zu spotten. Das ist offenbar chic und stört mich ganz massiv“, wird der 69 Jahre alte Hamburger Vordenker dort zitiert, und er zeigte sich darob verwundert, dass dies nicht allen Abstiegskandidaten ebenso widerfahre. „Ich finde, dass zum Beispiel der 1. FC Köln und Werder Bremen medial in diesen Wochen sehr sympathisch begleitet werden.“ Der HSV werde hingegen „unsympathisch und geringschätzig“ wahrgenommen. 

Stimmt, aus gutem Grund. Wer nicht die Raute auf der Brust trägt, sich als Fan des HSV fühlt, der empfindet nicht erst seit dieser Saison wenig Mitleid mit den Hanseaten. Entweder man liebt den Klub. Oder eben nicht. Grautöne scheint es nicht mehr zu geben. Das zu erkennen, brauchte es nicht mal die Satirepartei „Die Partei“, die im Bundestagswahlkampf unlängst den Abstieg des HSV forderte – und das jährlich, „wohin auch immer“.

Also, Herr Bruchhagen, die Erklärung ist ganz einfach. Jahrelange Misswirtschaft, gepaart mit der stets großkotzig zur Schau gestellten Tatsache, das letzte Gründungsmitglied der Bundesliga zu sein, das noch nie abgestiegen ist - ganz ehrlich, das kommt nicht gut an. Sinnbild dafür ist die im Volksparkstadion fleißig vor sich hin tickende Stadionuhr, auf der jeder sehen darf, wie lange der Dino schon in der höchsten deutschen Spielklasse kickt. Das mag ja mal eine witzige Idee gewesen sein. Heute warten viele nur noch darauf, dass sie endlich mal stehenbleibt.

Mittlerweile bezieht die Bundesliga ihre Spannung nicht mehr aus der Frage, wer denn wohl in dieser Saison Deutscher Meister werden wird. Vielmehr fragt sich die Fußballrepublik immer häufiger, ob es den Hamburger SV wohl in dieser Saison erwischen wird. Und nicht wenige fügen dieser Frage auch noch ein „Endlich“ hinzu. 

Das schmerzt natürlich alle, die es mit dem HSV halten. Das ist nur allzu verständlich. Dazu gehört seit ein paar Monaten eben auch der leitende Angestellte Bruchhagen, der sich schon von Berufs wegen seinem Arbeitgeber verbunden fühlen muss. Genauso, wie er es damals in Frankfurt getan hat und - er mag es schon vergessen haben - als ehemaliger Eintracht-Boss gerne vor Aufsichtsratssitzungen über den HSV und seinen Mäzen ablästerte. 

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