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Fußball Julian Nagelsmann ist "Trainer des Jahres"

Jung und alt vereint: Der 29-jährige Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann ist der jüngste "Trainer des Jahres" in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes. Der 45 Jahre ältere Bernd Schröder wird dagegen für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Fussball, Festakt anlässlich der Beendigung des 63. Fußball-Lehrer-Lehrgangs
Kaum erwachsen, schon Preisträger: Julian Nagelsmann Foto: Jan Huebner

Es wird nicht die letzte Auszeichnung gewesen sein, die Julian Nagelsmann am Montagabend in Empfang genommen hat. Doch nie war ein Fußballlehrer jünger, der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Trainer des Jahres benannt wurde. Julian Nagelsmann (Bild) ist als Chefcoach der TSG Hoffenheim derjenige, der die Liga im Zeitraffer erobert, hieß es bei der Trainergala 2017 in Neu-Isenburg.

„Diese Auszeichnung kommt für mich sehr überraschend. Dass mir als Rookie nun eine solche Ehre zuteil wird, macht mich fast sprachlos, und das bin ich selten“, erklärte der 29-Jährige, der im Schnelldurchlauf vom Februar 2016 bis heute aus einem Abstiegskandidaten einen Champions-League-Anwärter geformt hat.

In einer Laudatio stellte sein ehemaliger Jugendtrainer Alex Schmidt heraus: „Julian sind drei Dinge gut gelungen: Er hat einen eigenen Stil entwickelt, ohne etwas zu kopieren; er hat eine sichtbare Handschrift für Training und Spiel; und er besitzt eine herausragende Sozialkompetenz.“ Nagelsmann sei ein tolles Beispiel dafür, „wie viele junge talentierte Trainer wir in Deutschland haben“, lobte DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch.

In einer Videobotschaft unterstrich Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, er würde sich eine „lebenslängliche“ Bindung des Hochbegabten wünschen. Nagelsmann müsse ja auch noch „viele Erfahrungen“ sammeln: „Eines Tages wird er dann der große Trainer eines großen Vereins sein.“ Bei Nagelsmann – bereits in jungen Jahren deutscher A-Juniorenmeister 2014 und –vizemeister 2015 mit der TSG Hoffenheim – hörte sich hinter das Treuebekenntnis etwas anders an.

„Lebenslang bedeutet für mich eher langfristig. Mein Ziel ist nicht das Ausland, aber ich möchte ein europäisches Finale gewinnen und außergewöhnliche Momente erleben oder Titel holen.“ Ob der Klub aus dem Kraichgau dafür dauerhaft der richtige Standort bleibt, erscheint zweifelhaft.

Der Preis fürs Lebenswerk vergab der Verband erstmals an einen Trainer aus dem Frauenfußball. Bernd Schröder, im vergangenen Jahr nach viereinhalb fast durchgängig erfolgreichen Jahrzehnten bei Turbine Potsdam in den Ruhestand verabschiedet, wirkte sichtlich gerührt und ging sogar in die Hocke, um sich mit Bundestrainerin Steffi Jones ablichten zu lassen. „Wir haben als kleiner Verein gezeigt, wie man in der Bundesrepublik Deutschland ankommen kann“, strich der 74-Jährige heraus. Aus der Ferne sprach auch Bundestrainer Joachim Löw „allerhöchsten Respekt“ aus, denn: „Niemand hat den Preis mehr verdient.“

Bei dem Festakt wurden 25 Trainern die Fußballlehrerlizenz feierlich übergeben, die inzwischen gleichbedeutend mit der Uefa-Pro-Lizenz geworden ist. Darunter befinden sich Profi- und Amateurtrainer, Ex-Profis wie Heiko Gerber, Michael Hartmann und Christoph Dabrowski, aber auch Aufsteiger wie Ismail Atalan vom Pokalschreck SF Lotte.

Auch der weibliche Anteil des 63. Fußballlehrerlehrgangs entsprach nicht annähernd dem Querschnitt der Gesamtbevölkerung: Ailien Poesse, Verbandssportlehrerin im Berliner Fußballverband, kämpfte sich als einzige Frau („Ich wurde ordentlich behandelt“) durch die zehnmonatigen Kurse. DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann drückte die Daumen, „dass sie alle  einen Job bekommen; und ihn dann auch lange behalten – das ist leider das Problem.“ Noch deutlicher wurde Präsident Reinhard Grindel, der zuvorderst die Vereine als Arbeitgeber zu mehr Geduld ermahnte: „Die Tendenz ist nicht in Ordnung.“

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