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Fortuna Düsseldorf Gekommen, um zu bleiben

Aufsteiger Fortuna Düsseldorf baut auf Friedhelm-Funkel-Fußball – und möchte sich etablieren.

Friedhelm Funkel
Zurück in der Bundesliga, zum sechsten Mal gelang ihm der Aufstieg: Friedhelm Funkel, unverwüstlich. Foto: imago

Fortuna Düsseldorf hat die Koffer schon gepackt. Darin ist ein Fußball, Anstecknadeln, Schals, alte Eintrittskarten, Fotos, ja selbst Zeitungsausschnitte von der Deutschen Meisterschaft 1933 sind dabei. Der Aufsteiger will damit Menschen mit Demenzerkrankung helfen, sich zu erinnern, ein feiner Zug. Düsseldorf ist der erste Bundesligist, der sich in dieser Form mit diesem sensiblen Thema befasst. Dabei schien es, als gebe es in der Stadt nur ein Thema: den Aufstieg. Weil der Experte für derlei Unternehmungen wieder geliefert hat, zum sechsten Mal. Friedhelm Funkel ist zurück.

Wie ist die Stimmung?
Gut wäre untertrieben. Euphorisiert sei die Stadt, sagt Funkel. Düsseldorf dürstet - nach fünfjähriger Absenz - nach Bundesligafußball. Am Donnerstag pilgerten 4000 Menschen zum Freundschaftskick gegen den Bezirksligisten VfL Benrath, für Düsseldorfer Verhältnisse enorm. Vor der letzten Bundesligaepisode war die Fortuna jahrzehntelang weg von der großen Bühne, bis in die Oberliga war der Klub zeitweise abgestürzt. Dieses Mal soll das Oberhaus keine Stippvisite sein. „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Dennoch: Für das erste Heimspiel gegen Augsburg sind erst 35 000 Tickets verkauft. „Wir brauchen ein volles Stadion, wir brauchen diesen Rückenwind“, sagt Funkel, ein wenig wundert er sich schon über die geringe Resonanz zum Auftakt. Gegen Bayern, Schalke, Leverkusen, Dortmund ist die Arena mit 54 000 Zuschauern pickepackevoll, das ist aber keine Kunst. Gewisse Irritationen beschwor Klubchef Robert Schäfer herauf, als er dem kompletten Klub praktisch einen Maulkorb verpasste, jedes gesprochene Wort sollte vor Drucklegung mit der Fortuna abgestimmt werden. Aber nicht mit Friedhelm Funkel. Der 64-Jährige lässt sich den Mund nicht verbieten, und Rückgrat hat er ohnehin: „Ich werde meine Meinung weiterhin sagen“, ungefiltert und ohne Autorisierung. Wäre ja noch schöner.

Wie stark ist der Kader?
Individuell ist der Neuling nicht gut besetzt, das ist bekannt. Die Stärke des Aufsteigers liegt ganz klar in der Geschlossenheit der Mannschaft, im Teamgeist, im Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile. „Wir haben keinen, der ein Spiel allein entscheiden könnte“, sagt der Coach. Aber das kompensiere man mit vereinten Kräften und mit viel Aufwand. In der Breite hat Düsseldorf an Qualität gewonnen, wenigstens das. Im Wesentlichen vertrauen die Rheinländer jenem Kader, der auch den Aufstieg geschafft hat. Spektakuläre Neuzugänge, etwa Alex Meier von Eintracht Frankfurt, über den Funkel kurz nachgedacht hat, sucht man vergebens. Der Wert des Kaders wird auf 35 Millionen Euro beziffert (Bayern München: knapp 900 Millionen). Der Konkurrenzkampf ist härter geworden als in der zweiten Liga. „Das muss ich jetzt moderieren“, sagt Funkel. Keine leichte Aufgabe. Immerhin glaubt der Fahrensmann, sein Team bis zum Pokalspiel am Wochenende gegen TuS Koblenz bei „90,95 Prozent“ zu haben.

Worauf steht der Trainer?
Friedhelm Funkel lässt Friedhelm-Funkel-Fußball spielen. Das sieht bisweilen nicht so attraktiv aus. Der Mann orientiert sich stets am Machbaren, er ist keiner, der Luftschlösser baut, man müsse demütig sein, sagt er. Er weiß, wie ein Team zu funktionieren hat. In der Vorbereitung hat er seine Jungs körperlich in einen guten Zustand versetzt, auf geistige Frische, Schnelligkeit und Koordination achtet er vermehrt in den nächsten Tagen. Taktisch ist die Fortuna flexibler als zuletzt. Aus der Grundformation eines 4-4-2 lässt sich schnell in ein 3-5-2-Konzept wechseln. Auch ein 4-3-3 haben die Fortunen drauf. Zudem bauen sie auf ihre Stärke bei Standards.

Wo hapert’s noch?
„Defensiv sind wir noch nicht so stabil, wie ich mir das vorstelle“, räumt Funkel ein. Zudem müsse man aggressiver bei Ballverlusten agieren, schneller reagieren. Grundsätzlich, findet der älteste Coach der Liga, „sind wir noch zu grün.“ Die mangelnde Erfahrung des Teams kann auch Funkels Routine mit mehr als 1000 Ligaspielen nicht kompensieren. Er fordert: „Wir brauchen aggressive Spieler, die sich wehren, auch mal einen Gegenspieler umhauen und sich dafür nicht 1000 Mal entschuldigen. Auch ein Spieler mit 100 Länderspielen ist ein Mensch. Respekt ist erlaubt, aber wir müssen hart Fußball spielen, bis an die Grenze des Erlaubten. Wir müssen eklig und gallig sein.“

Wer sticht heraus?
Wenige, das ist gewollt. Dodi Lukebakio, belgischer U21-Nationalspieler, hat in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterlassen. Auch Zweitligatorjäger Marvin Ducksch, der von Holstein Kiel mit der Empfehlung von 18 Toren kam, ist ein Aktivposten. Dazu hat Funkel seinen Wunschspieler Takashi Usami ein weiteres Jahr vom FC Augsburg ausleihen können. Den Ex-Eintrachtler Aymen Barkok warf eine Innenbandverletzung weit zurück.

Wie geht’s dem Schatzmeister?
Der Aufsteiger verwaltet mit 65 Millionen Euro eines der kleinsten Budgets der Liga, 35 Millionen beträgt der Lizenzspieleretat, Für Neuzugänge hat man knapp sechs Millionen ausgegeben, eingenommen nur 500 000 Euro. Der Fortuna geht es besser als vor zwei Jahren, aber längst nicht gut. „Vor fünf Jahren waren wir auf Augenhöhe mit Freiburg, Mainz, Augsburg. Inzwischen sind die uns enteilt.“ Drei, vier Jahre am Stück in der Bundesliga wären nötig, um den Abstand halbwegs verringern zu können, findet Funkel.

Was ist drin?
Der Klassenerhalt ist das einzige, realistische Ziel des Aufsteigers. „Dazu brauchen wir Wille, Leidenschaft, Glück und nicht so viele Videobeweise gegen uns wie letztes Jahr der 1. FC Köln“, sagt Funkel. Selbst dann könnte es eng werden. Allerdings hatte die Fortuna in der letzten Zweitliga-Saison auch niemand auf dem Zettel. Funkel selbst übrigens sprüht nur so vor Tatendrang. „Ich habe richtig Lust auf die Bundesliga.“

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