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FC Schalke 04 Das Problem mit dem Ball

Schalke 04 legt mit zwei Niederlagen einen Fehlstart hin. Insbesondere das Spiel mit dem Ball zeigt die Schwächen gegen Hertha BSC auf. Trainer Domenico Tedesco zieht seine Lehren.

Jewgeni Konopljanka
Unmut über das eigene Spiel: Jewgeni Konopljanka. Foto: afp

Die Idee war richtig, die Umsetzung hingegen sinnbildlich für den Auftritt der Schalker. Abdul Rahman Baba trieb in der 65. Minute über links den Ball mit Tempo nach vorne, Jewgeni Konopljanka erwartete den Pass auf den Flügel. Das Anspiel kam, allerdings aus kurzer Distanz zwei Meter am Mitspieler vorbei. Die Chance war dahin, Baba haderte, Konopljanka klagte, das Publikum raunte. Vereinzelt gab es sogar Pfiffe, schließlich war es nicht die erste misslungene Aktion und sollte beileibe nicht die letzte bleiben. Die Schalker Angriffsbemühungen gegen Berlin verliefen an diesem Abend größtenteils unkoordiniert und unvollendet.

Am Ende stand eine 0:2-Heimniederlage, die zweite Pleite im zweiten Spiel und Platz 15 in der Tabelle. Klassischer Fehlstart nennt sich das im Fußball. „Es fehlt die letzte Konsequenz, defensiv wie offensiv“, ließ Trainer Domenico Tedesco nach der Partie wissen. Der 32-jährige Übungsleiter grübelte, strich sich während der Partie vermehrt über das Kinn und suchte Lösungen. Ideen hatte er genug, stellte von Dreier- auf Viererkette um und wieder zurück, verschob Spieler im Mittelfeld und vollzog strategische Wechsel. Einzig, der Effekt blieb aus. 

Domenico Tedesco holte im Vorjahr das Optimum aus dem Team

Das Problem erwies sich als ein altbekanntes: der Ball. Zumindest, wenn er sich in den Reihen der Schalker bewegt und damit eine tief und gut gestaffelte Defensive überwunden werden muss. Durchbrüche in den Strafraum der Hertha hatten Seltenheitswert, trotz der Überlegenheit erspielte sich Schalke erst in der Nachspielzeit Torchancen. Dabei hatte sich Tedesco insbesondere diesen Punkt ins Aufgabenheft geschrieben. „Ballsicherheit in torgefährlichen Räumen, Positionsspiel und Torgefahr“ nannte er vor der Saison die Ansatzpunkte, die sich kurz unter spielerischer Weiterentwicklung zusammenfassen lassen.

Im Vorjahr holte der Trainer das Optimum aus der Mannschaft heraus. Tugenden wie Teamgeist und Mentalität, verewigt im 4:4-Remis gegen Borussia Dortmund, sowie eine starke Defensive und Effektivität im Umschaltspiel verhalfen Schalke zur überraschenden Vizemeisterschaft. Kurze Experimente mit mehr Ballbesitz legte Tedesco schnell ad acta. Nüchterner Ergebnisfußball stand im Vordergrund, der Erfolg gab dem jungen Trainer Recht.

Den nun erwarteten spielerischen Fortschritt pflanzte er seiner Mannschaft in der Vorbereitung allerdings nicht ein. Das Spiel mit dem Ball liegt Schalke nach wie vor nicht, der Auftritt gegen die Hertha offenbarte das schonungslos. Hinzu gesellen sich ungewohnte defensive Unsicherheiten. „Wir kriegen seltsame Gegentore, die dürfen so nicht passieren“, befand Tedesco, der erstmals zwei Spiele in Serie verlor. Seine Mannschaft agiert derzeit nicht auf dem Niveau der Vorsaison. Bereits zum Ligaauftakt in Wolfsburg (1:2) verspielte Schalke leichtsinnig in der Nachspielzeit einen Punktgewinn. 

Rückkehr zum alten Stil 

Tedesco zog unmittelbar nach der Partie gegen Berlin seine Lehren. „55 Prozent Ballbesitz bringen wenig“, begann er, „die Mannschaft, die mehr Ballbesitz hat, hat immer das größere Risiko, den Ball zu verlieren und Konter zu fressen.“ Er wisse nun, was seine Mannschaft könne, und was nicht. „Die Dinge, die wir können, werden wir stärken – und die Dinge, die nicht funktioniert haben, werden wir in Zukunft lassen“, sagte er. Ein Eingeständnis zurück zur gewohnten Spielart der Vorsaison. Die Entwicklung zu mehr Ballbesitz scheint vorerst gescheitert.

Fraglich jedoch, ob sich damit gleichzeitig die Erfolge der Vorsaison einstellen. Leon Goretzka als Antreiber und offensiver Ideengeber und Max Meyer als sicherer Ballverteiler im Mittelfeld sind abgewandert. Die spielerische Lücke in der Schaltzentrale stopften die Verantwortlichen erst kurz vor Transferschluss mit Sebastian Rudy. Der Nationalspieler soll als Stabilisator wirken, der Einsatz gegen die Hertha kam für ihn jedoch zu früh. Nach nur 19 Ballkontakte und 51 Spielminuten nahm ihn Tedesco vom Feld. Ein Debüt mit viel Steigerungspotenzial, Tedesco verteidigte jedoch seinen Neuzugang: „Basti hat’s gut gemacht. Er wurde in Manndeckung genommen. Das ist nicht ganz einfach.“

Dem Trainer bleiben nun in der Länderspielpause zwei Wochen, um mit seiner Mannschaft den Fehlstart aufzuarbeiten. Die anschließenden Aufgaben könnten indes leichter sein: auswärts in Mönchengladbach und daheim gegen Bayern München. Mit Konopljanka fehlt zudem ein wichtiger Kreativspieler. Der Ukrainer wurde für seine Notbremse in der Nachspielzeit gegen Berlin für ein Spiel gesperrt.

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