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FC Augsburg Kai-Uwe uncool

Skandalnudel Caiuby kommt nicht zu spät und rettet Augsburg.

FC Augsburg - FSV Mainz 05
Matchwinner und Augsburger Skandalnudel: Caiuby (r.). Foto: dpa

Ein brasilianischer Fußballer, hat der brasilianische Fußballer Caiuby Francisco da Silva einmal gesagt, „will immer cool sein.“ So richtig cool freilich sieht es nicht aus, wenn Caiuby, Offensivkraft beim Bundesligisten FC Augsburg, Fußball spielt, ihm fehlt die Leichtigkeit, das Verspielte, die Eleganz, die brasilianische Kicker oft auszeichnet. Er selbst sagt ja über sich, er komme über „Kraft und Physis“, sein Spiel sei körperbetont, seine Stärken „Explosivität und das Kopfballspiel“. Caiuby, den sie in Augsburg originellerweise „Kai-Uwe“ nennen, arbeitet Fußball mehr als er ihn spielt. Im Grunde, sagt der aus Saõ Paulo stammende Caiuby, „bin ich fast schon ein deutscher Fußballer“. Oft sieht sein Spiel unorthodox aus, überraschend und zuweilen ein wenig ungelenk.

Am Dienstagabend hat der 30 Jahre alte Angreifer all diese Tugenden in die Waagschale geworfen und höchstpersönlich das zähe Pokalspiel zwischen dem FC Augsburg und Mainz 05 entschieden - mit einem Kopfballtor zum 3:2 in der Verlängerung. Er hat das Tor erzwungen, setzte sich mit seiner Athletik und Entschlossenheit gegen den matten Mainzer Daniel Brosinski durch, sprang höher, er wollte das Tor unbedingt machen und traf entscheidend. Dabei hatten die Mainzer bis drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch mit 2:1 in Front gelegen und dabei eine Stunde lang richtig guten Fußball geboten.

Aber sie hatten eben keinen Caiuby. „Er ist einer, der immer Vollgas gibt, der sich immer voll reinhaut. Da kann man ihm überhaupt nichts vorwerfen“, lobte FC-Manager Stefan Reuter den Südamerikaner. „Auch wenn er noch so kaputt ist, geht er hinterher, setzt nach.“ 

Das ist der Caiuby auf den Rasen, es gibt aber auch noch einen anderen Caiuby, einen, der es mit der Disziplin nicht so genau nimmt. Erst im Sommer hat der Mann seinen Urlaub eigenmächtig um eine Woche verlängert, was man von extrovertierten Typen wie Ailton gewohnt ist, nicht aber in Augsburg. Das hat die Schwaben ganz schön irritiert, dazu hatte er nicht, wie aufgetragen, seine Fitnesswerte in eine entsprechende Cloud eingetragen. Zuletzt war der Brasilianer zu zwei Teamsitzungen verspätet gekommen, was ihm eine saftige Geldstrafe einbrachte – jenseits der in den Medien kolportierte 25 000 Euro – und eine Suspendierung für die Partie in Hannover. Dazu läuft ein Verfahren gegen ihn wegen Körperverletzung, schließlich ist er vor einigen Wochen wegen Schwarzfahrens - 2017 war er auf der Rückfahrt vom Oktoberfest in München nach Augsburg im Zug ohne Ticket erwischt worden - zu einer Strafe von 22 500 Euro verdonnert worden. In Augsburg genießt der Lockenkopf mittlerweile den Ruf einer Skandalnudel.

Kredit beim Team

Für Trainer Manuel Baum kein Grund, den lockeren Vogel fallen zu lassen. Das „Thema Disziplin ist extrem wichtig“, sagt Baum. „Es ist wichtig, dass du Regeln einhältst“, ergänzte Reuter. Doch Caiuby scheint Kredit zu genießen. „Was bei ihm heraussticht: Dass er sich für die Jungs reinhaut, deswegen verzeiht eine Mannschaft das so einem Spieler auch“, betonte Reuter.

Der 30-Jährige, inzwischen auch Vater eines Sohnes, kam im Alter von 19 Jahren aus Saõ Paulo zum VfL Wolfsburg, Trainer Felix Magath hatte den Jungen, damals noch mit glatten Haaren unterwegs, entdeckt, 2009 wurde Caiuby sogar mit dem VfL Deutscher Meister. Später wurde er ausgeliehen, er spielte beim MSV Duisburg und beim FC Ingolstadt, ehe er 2014 nach Augsburg wechselte, wo er sich gleich heimisch fühlte. Seine mit Abstand beste Saison spielte er in der vergangenen Runde, als er in 33 Spielen fünf Tore erzielte und den Kollegen achtmal auflegte –.und ein bisschen Extravaganz kann der FC Augsburg offenbar vertragen.

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