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Eintracht - Leipzig Der Leitbulle von Leipzig

Vor dem Spiel von RB Leipzig bei Eintracht Frankfurt hat Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick alle Hände voll zu tun.

RB Leipzig - RB Salzburg
Leitbulle: Ralf Rangnick. Foto: dpa

Wenn der Trainer bei RB Leipzig nicht Ralf Rangnick heißt, dann sind öffentliche Auftritt des Fußballkenners wohl dosiert. Bei Pressekonferenzen von Ralph Hasenhüttl setzte sich der gebürtige Schwabe zwei Jahre lang fast unbemerkt nahe des Ausgangs, um danach schnell wieder zu gehen. Für Fragen zwischen Tür und Angel war der Vordenker nur ungern zu haben. Dafür gab er Interviews in Tageszeitungen, und Wochenmagazinen oder besuchte Talkrunden. Wohl dosiert, genau platziert.

Seitdem der 60-Jährige das zweite Mal eine Doppelrolle als Trainer und Sportdirektor bekleidet, ist die Zahl seiner öffentlichen Auftritte extrem gestiegen. Notgedrungen. Viermal die Woche steht er fortan Rede und Antwort. In den Pressekonferenzen einen Tag vor einem Pflichtspiel und dann direkt im Anschluss. Es gibt auch keinen Manager, der ihm die übergeordnete Einordnung abnimmt – denn das ist er ja selbst. Aber vermutlich würde er das auch nicht dulden. Wohin die Sachsen steuern, bestimmt vorrangig Rangnick, auch wenn sein Ex-Berater Oliver Mintzlaff der Vorstandsvorsitzende ist.

Doch die fußballerischen Leitplanken setzt weiterhin allein der Mann, der nach einer ausgeheilten Burnout-Erkrankung auf Schalke 2012 zunächst als Sportdirektor des FC Red Bull Salzburg begann. Alsbald kümmerte er sich immer mehr um die Belange der damals noch unterklassigen Leipziger Filiale, die er 2015 erstmals selbst als Trainer übernahm, um das neue Flaggschiff des Red-Bull-Konzerns in die Bundesliga zu hieven. Rangnicks Premiere fand am 25. Juli 2015 beim FSV Frankfurt im Stadion am Bornheimer Hang statt. Willi Orban, Stefan Ilsanker, Marcel Sabitzer, Emil Forsberg oder Yussuf Poulsen trugen bereits damals das Bullentrikot.

Deswegen sagt Rangnick auch, dass der Umgewöhnungsprozess gar nicht so groß gewesen sei. „Die Hälfte der Spieler kennt mich ja noch als Trainer. Alle anderen habe ich als Sportdirektor selbst geholt. Wir machen nicht viel anders als unter Ralph Hasenhüttl. Aber wir haben einige Dinge geändert, die schon in der vergangenen Saison Thema waren.“ Disziplinarische Dinge. Dass unter Hasenhüttl zu viele Extratouren durchgingen, weiß am Cottaweg jeder. Rangnick legt seitdem Wert auf feste Essenszeiten, Handyverbot in den Funktionsräumen, neue Sitzordnungen. Und: In der Kabine darf nur Deutsch oder Englisch gesprochen werden. Ein klarer Fingerzeig auf die frankophone Fraktion, die bisweilen ein Eigenleben zu führen schien.

Dazu ist der Deutsch-Unterricht verpflichtend geworden. Der neue Co-Trainer Jesse Marsch, ein schnittiger US-Amerikaner, hat sich eigens einen neuen Strafenkatalog einfallen lassen, wofür in der Kabine ein so genanntes „Spinning Wheel“, eine Art Glücksrad, aufgebaut ist. Wer zu spät kommt, dreht am Rad – und bekommt beispielsweise drei Stunden Arbeit im Fanshop aufgebrummt. Rangnick: „Geldstrafen bringen in den seltensten Fällen etwas.“

Aber hilft das alles dem großen Ganzen? In der Qualifikation zur Europa League brauchte RB Leipzig erst einen Elfmeter in letzter Minute, um gegen Sorja Luhansk (3:2) das Ausscheiden abzuwenden. In der Bundesliga ist die Bilanz mit einem Sieg (3:2 gegen Hannover), einem Unentschieden (1:1 gegen Düsseldorf) und einer Niederlage (1:4 in Dortmund) durchwachsen.

Nun hat die 2:3-Niederlage im Red-Bull-Bruderduell gegen Salzburg schonungslos die Schwächen offen gelegt. Rangnick war mit einer brachialen Rotation selbst ein Wagnis eingegangen, was aber nicht die mangelnde Körperspannung seiner Kicker entschuldigen konnte. Entsprechend ungehalten war der Trainer hinterher. Die Einstellung sei unterirdisch gewesen, schimpfte er. „Das hat etwas damit zu tun, wie ich Zweikämpfe bestreite. Und wie sehr ich sie gewinnen will.“ Dass er eine Trotzreaktion fürs Spiel in Frankfurt einfordert, ist unbestritten. Ob er dann auf der Pressekonferenz am Sonntagabend wieder Tacheles redet?

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