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Diskriminierung Die Bundesliga zeigt Haltung

Die DFL-Stiftung startet eine Initiative gegen Diskriminierung jeder Art.

Kevin-Prince Boateng
Klare Botschaft: Kevin-Prince Boateng. Foto: DFL-Stiftung/Witters

Seinen freien Montag hatte Kevin-Prince Boateng dazu genutzt, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Der meinungsstarke Fußballer von Eintracht Frankfurt hatte sich einen dunkelblauen Anzug und ein weißes Hemd angezogen, dazu eine Krawatte umgebunden und war nach Genf zu den Vereinten Nationen geflogen. Auf Einladung des High Commissioner of human Rights, Zeid Ra’ad Al Hussein, wurden ein paar Ideen ausgetauscht, mit welchen Projekten man gegen Rassismus und Diskriminierung vorgehen könnte. Bald fünf Jahre ist es jetzt her, dass Boateng eben vor den UN eine vielbeachtete Rede gegen Fremdenfeindlichkeit gehalten hatte. „Wir Fußballer sind die größten Vorbilder. Ich will Vorbild sein und wir müssen unsere Berühmtheit für Positives nutzen“, sagte der 31-Jährige am Donnerstag in Frankfurt.

 

Da saß der Profi von Eintracht Frankfurt auf einem Podium der DFL-Stiftung, die den 27. Spieltag in Erster und Zweiter Bundesliga dazu nutzen wollen, ein „klares Zeichen, ein klares Signal“ (DFL-Geschäftsführer Christian Seifert) gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen. Der Aktionsspieltag am übernächsten Wochenende (17. bis 19. März) steht unter dem Motto „Strich durch Vorurteile“ und wird von TV-Spots begleitet. Die Klubs sind gehalten, sich mit zahlreichen Maßnahmen für ein faires gesellschaftliches Miteinander einzusetzen.

Das kann etwa in Form von Ärmelwerbung geschehen, auch Slogans auf der Trikotbrust sind denkbar oder durch tatkräftige Unterstützung von sozialen Projekten. Eintracht Frankfurt engagiert sich beim Hilfsprojekt „Die Arche. Mittagstisch für bedürftige Kinder.“ Die Eintracht wird darüber hinaus, wie Vorstandsmitglied Axel Hellmann gestern sagte, „weitere Maßnahmen bis zum Saisonende folgen lassen“, unter anderem will der Klub, der ohnehin in diesem Thema durch seinen Präsidenten Peter Fischer klare Kante gezeigt hat, Initiativen aus der Fanszene berücksichtigen. 

Neben Boateng („Wir können nicht nur den Ball kicken, sondern machen uns Gedanken, wie wir das Leben unserer Kinder verbessern können“), werden Nationaltorwart Manuel Neuer, Schalke-Verteidiger Naldo und BAP-Musiker Wolfgang Niedecken Gesichter dieser DFL-Kampagne sein. 
Auch DFL-Geschäftsführer Seifert empfindet den jetzigen Zeitpunkt, Farbe zu bekennen, für angemessen und nötig. „Die Bundesliga muss Haltung zeigen.“ Gerade in der momentanen Zeit, da „Dogmatiker und Populisten die große Bühne suchen und sich verstärkt zu Wort melden.“ Seifert meinte damit den wachsenden Zulauf von Rechtspopulisten in Deutschland und Europa. „Davor dürfen wir nicht die Augen verschließen.“

Eintracht Frankfurt als Beispiel

Allerdings will er in der Diskussion um die rechtspopulistische AfD keine Leitlinie aus DFL-Zentrale vorgeben, wie die Bundesligisten damit verfahren. „Jeder hat seine eigene Position.“ Eintracht Frankfurt hatte sich als einziger Klub bislang klar in dieser Frage positioniert. „Es ist illusorisch zu denken, dass bei im Schnitt 45.000 Zuschauern in neun Stadien keine AfD-Wähler im Stadion sind“, sagte Seifert.

Und gerade die Bundesliga ist seiner Meinung nach prädestiniert, um gegen diese bedenklichen Tendenzen ein Zeichen zu setzen. „Die Bundesliga ist vielleicht der letzte große Bezugspunkt in diesem Land. Sie schafft etwas, das Kirchen oder Parteien nicht mehr schaffen“, sagte er. „Außerdem sind ihre Stars authentische Vertreter von gelebtem und vorurteilsfreiem Miteinander.“

Bestes Beispiel dafür sei Eintracht Frankfurt, findet Boateng. „Unsere Mannschaft besteht aus vielen Kulturen, Religionen und Ländern. Bei uns spielt es keine Rolle, woher man kommt.“ Der Vorstandsvorsitzende der DFL-Stiftung, Stefan Kiefer, hieb in die gleiche Kerbe: „Wenn Neuer, Boateng oder Naldo unmissverständlich ein Zeichen setzen, wird das wahrgenommen.“ 

Vorbild dieses Spieltages ist eine Aktion aus der Saison 1992/93. Damals verzichteten 18 Bundesliga-Klubs am 17. Spieltag auf ihre Trikotwerbung und spielten stattdessen in einem Dress mit der Aufschrift „Mein Freund ist Ausländer“. Auch am 3. Spieltag der Saison 2012/13 warben die Vereine schon einmal für Integration, als sie mit dem Slogan „Geh‘ Deinen Weg“ auf dem Trikot aufliefen.

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