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DFL Seifert redet Tacheles

Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga, fordert eine völlige Neustrukturierung des DFB.

Christian Seifert
DFL-Boss Christian Seifert erwartet vom DFB, sich professioneller aufzustellen. Foto: dpa

Christian Seifert war gut vorbereitet. Der Boss der Deutschen Fußball-Liga wusste, dass er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der WM nicht umhinkommen würde, die Krise des Lobbypartners DFB zu kommentieren. Es ist eine Art Hass-Liebe, die die beiden mächtigsten Fußballorganisationen im Land verbindet. Wenn der eine (Nationalmannschaft) Mist baut, leidet der andere (Bundesliga) – und andersherum.

Eigentlich war Seifert aus dem DFL-Domizil im Herzen Frankfurts raus an den Stadtwald in die unmittelbare Nachbarschaft des DFB in die Flure der Deutschen Sporthilfe geeilt, weil er dort den zehnten Geburtstag des gemeinsamen Projekts Profifußball/Sporthilfe feiern wollte. Es gab Kaffee und Kekse und man lag sich verbal in den Armen, so schön war das gemeinsame Jahrzehnt gewesen, in welchem die DFL mit ihrer Stiftung den olympischen Spitzensport mit rund 3,5 Millionen Euro in bar sowie vorgeblich umgerechnet rund 20 Millionen Euro an Wert von Werbekampagnen und Kommunikation gefördert habe.

Die Presse war natürlich auch geladen, aber die interessierte sich mehr für den Fußball, was mal wieder typisch war und sich somit nicht verhindern ließ. Prompt war´s vorbei mit den warmen Worten. Seifert schob spitz voran, die hitzige Özil-Debatte sage viel aus über „die mentale Verfassung unserer Gesellschaft“ (die er offenbar aus nachvollziehbaren Gründen für bedauernswert hält), ehe er konkret in Richtung DFB wurde: Er finde, ein solch großes Thema sei schwerlich „fehlerfrei“ zu behandeln gewesen, gerade vor dem Hintergrund, dass „die Bundesregierung am Thema Migration fast zerbrochen wäre“.

Seifert betrachtete es in seinem fast siebenminütigen Statement als „völlig abwegig, handelnde Personen im DFB in Richtung Rassismus zu positionieren“, insoweit verteidigte er Präsident Reinhard Grindel und kritisierte Mesut Özil. Er sehe keinen Grund für einen Rücktritt Grindels, habe aber den Eindruck, dass die Krise von interessierten Kreisen im DFB zum Anlass genommen würde, an seinem Stuhl nicht nur Laubsägearbeiten durchzuführen, sondern mit Motor und großem Blatt anzusetzen. Er halte das „persönlich für unanständig“.

Grundsätzlich erwarte er vom DFB, sich professioneller aufzustellen. Die DFL habe bereits in der Vergangenheit verschiedene Vorschläge unterbreitet, die leider „meist weniger Gehör“ gefunden hätten. Seifert stellte konkret die Frage, „ob jahrelange Verbandsarbeit an der Basis automatisch dazu befähigt, einen DFB aus dem Präsidium heraus aktiv mitzuführen?“ Übersetzt heißt das: Der DFL-Boss ist der Meinung, die in das insgesamt 19-köpfige DFB-Spitzengremium beförderten Amateurvertreter hätten dort zu viel zu sagen. 

In der DFL gibt es ähnliche Probleme

Der 49-Jährige fordert „eine DFB-Struktur, die endlich klar und konsequent trennt zwischen professionellem Management und einem Aufsichtsgremium, bestehend aus Amateur- und Profivertretern, das sich tatsächlich auf die Aufsicht konzentriert.“ Dass Ehrenamtliche „irgendwie mitmanagen“ führe zu „Kompetenzgerangel, Eitelkeitsdiskussionen und Reibungsverlusten, die man sich nicht mehr lange leisten sollte“.

Interessanterweise gibt es in der DFL ein ähnliches Problem. Auch dort sitzen Klubvertreter mit deren durchaus auch persönlichen Interessen, angeführt vom Dortmunder Vereinschef und Ligapräsidenten Reinhard Rauball, im Präsidium, das weit mehr als nur Aufsichtsfunktion innehat. Auch hier herrscht dringender Reformbedarf. Seifert hat das nur noch nie laut gesagt. 

Laut sagte er am Mittwoch allerdings noch, die Bundesliga „kann und wird sich nicht aus der Verantwortung nehmen, schnellstmöglich wieder sportliche Wettbewerbsfähigkeit herzustellen“. Er werde darüber mit den Kollegen des DFB sprechen und diesen auch „sehr klar“ seine Meinung in weiteren Fragen kundtun, etwa jener, wie eine politische Krise wie im Fall Özil künftig geschickter gemanagt werden kann.

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