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Claudio Pizarrro Nostalgische Gefühle

Die Rückholaktion von Claudio Pizarro steht bei Werder Bremen für einst blühende Zeiten.

Claudio Pizarro
Hallo Bremen, da bin ich wieder: Claudio Pizarro. Foto: dpa

Auch Bremen kann sich einen solch heißen Sommer nicht erinnern. Abkühlung versprechen allein Orte wie das Stadionbad, das nach dem Generalumbau des Weserstadions im wahrsten Sinne des Wortes in dessen Schatten liegt. Glücklicherweise. Wenn sich gegenüber an den Zugängen zu den Trainingsplätzen bald ähnliche Menschenansammlungen bilden wie vor den Kassen des Freibades, dann dürfte das mit der Rückkehr eines Fußball-Heiligen zu tun haben. Wann immer nämlich Claudio Pizarro wieder in Bremen erschien, schlugen die Herzen der Anhänger des SV Werder höher. Zum bereits fünften Male nach 1999, 2008, 2009 und 2015 wechselt der inzwischen 39-Jährige an die Weser, und dabei schwingt immer ein Stück Nostalgie an die (besseren) stürmischen Zeiten der Grün-Weißen mit. 

„Er ist wieder da“, twitterte der Verein am Sonntagmittag. Geschäftsführer Frank Baumann hatte den Deal offenbar seit Monaten eingefädelt, obwohl der Zahn der Zeit auch am treffsichersten Ausländer der Bundesliga-Geschichte (446 Einsätze, 192 Tore) genagt hat. In seinem Herzensverein soll der Oldie eine Doppelrolle ausfüllen: als Nothelfer und Ausbilder, der sich auf einen stark leistungsbezogenen Einjahresvertrag eingelassen hat. 

„Ich freue mich auf die Aufgabe, meine Erfahrung weiterzugeben, aber ich will nicht verschweigen, dass ich auch zurückkomme, um Tore zu schießen“, teilte Pizarro mit, der in einem Vierteljahr seinen 40. Geburtstag feiert. Mit dem Toreschießen klappte es nur noch bedingt. 2016/2017 traf „Pizza“ im Werder-Trikot als Teilzeitarbeiter nur noch ein einziges Mal. Dass der Vertrag nicht verlängert wurde, war nur folgerichtig. Im Herbst vergangenen Jahres wollte der 1. FC Köln mit dem zwar immer noch schlitzohrigen, aber nicht mehr so geschmeidigen Torjäger sein Sturmproblem lösen, aber wieder blieb Pizarro als Ausbeute allein ein einziges Törchen. 

Kann so einer wirklich weiterhelfen? Zumal im aktuellen Kader an Angreifern nun mal gar kein Mangel herrscht. Mit Martin Harnik (Hannover 96) und Yuya Osako (1. FC Köln) sind zwei Stürmer längst unter Vertrag genommen, dazu bieten sich für das 4-3-3-System mit Florian Kainz, Milot Rashica und dem bald genesenen Fin Bartels genügend Flügelstürmer an. Oder ist der Pizarro-Coup der Vorbote dafür, dass Max Kruse noch den Abflug macht? Beim mit Übergewicht aus dem Urlaub zurückgekehrten Offensivstar konnte Baumann den 2019 auslaufenden Vertrag bislang nicht verlängern, womöglich ist mit dem Großverdiener nur in dieser Transferperiode noch Kasse zu machen. Und dann wären da noch die Talente Johannes Eggestein und Josh Sargent. 

Eggestein, 20, hat bei den A-Junioren und im DFB-Juniorenbereich regelmäßig genetzt und soll auch auf Profiebene endlich so durchstarten wie Bruder Maximilian. der US-Amerikaner Sargent, 18, gilt auf seinem Kontinent als Versprechen und hat bereits für die A-Nationalmannschaft getroffen. Baumann setzt darauf, „den Spagat zu schaffen, dass wir Claudios Fähigkeiten nutzen, ohne dass wir unsere jungen Spieler blockieren“. Kohfeldt glaubt an einen „Effekt in der Kabine“. Pizarro sei nicht „zwangsläufig ein Startelf-Kandidat“, doch in entscheidenden Momenten eine Hilfe. 

Traum von besseren Zeiten

Werders Verantwortliche sehnen sich nach den blühenden Zeiten, für die der Peruaner in seinen fidelen Phasen stand. Die Jahre des nervenzehrenden Abstiegskampfes sollen ein für allemal beendet sein. Dafür verpflichtete Werder den 15 Millionen Euro teuren Mittelfeldspieler Davy Klaassen. Obwohl der 25-jährige Niederländer ein verlorenes Jahr beim FC Everton hinter sich hatte, schnürten die Norddeutschen ein rekordreifes Paket. Der Ex-Aufsichtsratschef Willi Lemke hat Werders Wettrüsten auf dem Transfermarkt fast als Einziger kritisch hinterfragt. Deutliches Indiz, dass die Ambitionen beinahe so rapide gestiegen sind wie die Quecksilbersäule.

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