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Claudio Pizarro Großvater Claudio

Die Rückkehr von Claudio Pizarro zum SV Werder Bremen hebt die Stimmung in der Stadt. Die Aufgaben des 40-Jährigen sollten sich aber primär auf das Mentoring beschränken. Ein Kommentar.

Claudio Pizarro
Claudio Pizarro spielt ab der kommenden Saison wieder bei Werder Bremen. Foto: dpa

Bei Werder Bremen haben sie beste Erfahrungen mit alternden Fußballspielern gemacht. Manni Burgsmüller war fast 36, als Otto Rehhagel den listigen Angreifer holte. Heraus kamen eine Deutsche Meisterschaft und zwei Pokalfinalteilnahmen, ehe Burgsmüller mit Vierzigeinhalb Schluss machte. Eine grandiose Ausbeute.

Auch Klaus „Tanne“ Fichtel sah schon aus wie ein Ur-Opa, als er mit fast 36 in Bremen anheuerte, Vizemeister wurde und erst als 43-Jähriger und ältester je gesehener Bundesligaprofi bei Schalke 04 aufhörte. Oder Erwin Kostedde, der die Bremer im hauchzarten Alter von 35 zurück in die erste Liga bombte und dort noch ein Jahr die Stopper aufmischte. Manager Rudi Assauer hatte den Mittelstürmer seinerzeit so empfangen: „Der Kostedde braucht nicht zu laufen, es genügt, wenn er mit seinem Hintern noch Tore macht.“ Hat geklappt. Insoweit passt Claudio Pizarro, bald 40, gut in die grün-weiße Tradition.

Aber der Fußball ist seitdem natürlich ein wenig flinker geworden, Pizarro hat das bei seinem mau verlaufenen Gastspiel in Köln zu spüren bekommen. Tore mit dem Hintern macht man in diesen Zeiten nicht mehr am Fließband. Das wissen sie in Bremen natürlich auch. Die Herren Bode, Baumann und Schaaf, die den Klub gemeinsam sportstrategisch führen, sind ja nicht blöd.

Pizarro soll bei seiner vierten Rückkehr drei Dinge hinkriegen. Erstens: die Stimmung in der Stadt noch mal heben (hat gleich geklappt, fast alle sind ziemlich aus dem Häuschen). Zweitens: ein Mann „für gewisse Momente“ (Trainer Kohfeldt) sein und drittens: den jüngeren Spielern als Mentor dienen. Die Punkte zwei und drei muss der notorisch gut gelaunte Peruaner noch erfüllen.

Wobei sie in Bremen gut beraten wären, dem Mentoring den breiteren Raum einzuräumen. Jedenfalls sollte es tunlichst vermieden werden, dass ein 40-Jähriger mit regelmäßigen Kurzeinsätzen dafür sorgt, dass einem hochtalentierten halb so alten Jungprofi wie Johannes Eggestein genau diese Kurzeinsätze verwehrt werden. Es ist ein kniffliges Ding, zumal Pizarro Einsatzprämien auf sein vergleichsweise dürres Gehalt kassiert und nicht für Großvaters Geschichtenerzählungen extra bezahlt wird.

Werder hat sich Thomas Schaaf zurück ins Haus geholt, damit die Talente intensiver entwickelt werden. In diesem Bereich gibt es hierzulande ohnehin Defizite. Der folkloristische Anteil des Pizarro-Deals darf den fußballfachlichen nicht verdrängen. Sonst steht der Opa bloß im Weg.

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