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Bundesligisten im Europacup Der Spagat zwischen Vollgas und Ruhe

Köln, Leipzig, Hoffenheim und Berlin freuen sich auf das Abenteuer Europacup. Für die Trainerteams beginnt aber ein Balanceakt zwischen Belastung und Regeneration.

07.08.2017 11:09
Julian Nagelsmann
Julian Nagelsmann bekomt es mit Jürgen Klopps Liverpool zu tun. Foto: Uwe Anspach (dpa)

Der 1. FC Köln fiebert der ersten Europacup-Saison seit 25 Jahren entgegen, doch auf die Verantwortlichen kommen plötzlich ganz neue Herausforderungen zu: Drei Wettbewerbe, Englische Wochen, Mehrfachbelastung. „Wir müssen auf die körperliche Belastung schauen und zugleich die mentale Frische hinbekommen. Wir haben schon registriert, dass andere Teams mitunter Probleme hatten“, sagte Trainer Peter Stöger der Fußball-Bild.

Stöger liegt richtig: Jahr für Jahr haben die „Kleinen“, die sich überraschend für das internationale Geschäft qualifiziert haben, eine schwere Saison vor sich. Der SC Freiburg wurde bei seiner bisher letzten Europacup-Teilnahme vor vier Jahren 14., im Jahr darauf folgte der Abstieg. Augsburg verhinderte in der vorletzten Saison nur äußerst knapp den Gang in die 2. Liga, gleiches galt für Mainz in der vergangenen Spielzeit.

Ein Balanceakt

Die Kölner tun wie Hertha BSC, Vizemeister RB Leipzig und Champions-League-Qualifikant TSG Hoffenheim alles dafür, dass ihnen ein solcher Absturz erspart bleibt. Im Gegensatz zu den Spitzenteams verfügen sie schließlich nicht über einen solch breiten Kader, den Trainern mangelt es an Alternativen für eine notwendige Rotation. „Entscheidend wird sein, wie fit die Jungs im Kopf sind“, sagt Stöger: „Man arbeitet kurz auf Höchstleistung, und dann heißt es Regeneration.“ Es wird ein Balanceakt.

Daher bestreiten die Kölner die Vorbereitung mit höherer Intensität. Während der Hinrunde werden sie wie die übrigen Europacup-Teilnehmer nur wenige Möglichkeiten bekommen, im Training einen körperlichen Schwerpunkt zu setzen.

Auch Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick betonte, dass „schnellere und bessere Regenerationsprozesse“ im Fokus stehen. Die Spieler müssen dabei „aktiv gesteuert werden“.
Für eine möglichst optimale Trainingssteuerung wird allen Leipziger Profis vor jedem Training Blut abgenommen. Nach der Auswertung aller relevanter Parameter teilt der Athletiktrainer dem Cheftrainer mit, welcher Spieler voll trainieren kann und wer kürzer treten muss – und daran hält sich Trainer Ralph Hasenhüttl laut Rangnick auch. Durch zusätzliche präventive Behandlungen soll Verletzungen vorgebeugt werden.

Köln will sich etablieren

Durch die Dreifachbelastung könnte sich die Leipziger Fokussierung auf junge Spieler doppelt auszahlen, wenn man Rangnicks Ausführungen glaubt: „Jüngere Spieler haben Vorteile gegenüber älteren. Sie sind belastbarer und können sich besser erholen.“ Das Durchschnittsalter des Leipziger Kaders beträgt 23,3 Jahre, Rekordmeister Bayern München ist mehr als zwei Jahre „älter“, hat in der vergangenen Saison sogar mit Startaufstellungen von durchschnittlich über 30 Jahren gespielt.

Trotz aller (Sport-)Wissenschaft im Fußball wird es interessant bleiben, wie sich gerade die drei Europacup-Neulinge, wenn man Köln mit dazu zählt, über die Saison gesehen mit der Zusatzbelastung schlagen. FC-Sportdirektor Jörg Schmadtke hofft von seinen Fans auf „zwei Jahre Geduld“, um mit der Mehrfachbelastung klar zu kommen. Offensichtlich wollen die Kölner nun Dauergast auf dem europäischen Parkett werden. (sid)

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