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Bundesliga-Übertragung Gravierende Änderungen im TV-Programm

Der Pay-TV-Sender Sky und Eurosport streiten darum, wie die Bundesliga übertragen wird – auf Kosten der Fans. Erstmals seit dem Jahr 2000 gibt es nicht mehr alle Spiele über einen Anbieter zu sehen.

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Eine Spidercam ermöglicht besondere Bilder aus den Fußballstadien. Foto: Imago

Wenn in knapp fünf Wochen die Fußball-Bundesliga in die Saison startet, kommen auf die Fans voraussichtlich gravierende Änderungen im TV-Programm zu. Erstmals seit dem Jahr 2000 gibt es nicht mehr alle Spiele über einen Anbieter zu sehen. Der bisher alleinige Rechteinhaber Sky musste 45 Partien (inklusive Supercup und Relegation) an Eurosport abgeben. Doch wie und wo diese Spiele zu sehen sein werden, ist noch offen. Die FR beantwortet Fragen zu den Plänen von Eurosport und Sky.

Wie ist der Stand?
Sky hält die Rechte für den überwiegenden Teil der Spiele. Sie laufen wie gehabt auf den Bundesliga-Kanälen des Senders. Neu ist: Das wöchentliche Freitagsspiel, die insgesamt fünf Partien am Montagabend und die fünf Spiele, die sonntags schon um 13.30 Uhr angepfiffen werden, laufen bei Eurosport. „Stand heute“ werden sie exklusiv im Eurosport-Player zu sehen sein, sagte eine Sprecherin des Discovery-Konzerns, zu dem Eurosport gehört.

Was ist der Eurosport-Player?
Eine kostenpflichtige Internetplattform, auf dem das Programm von Eurosport zu sehen ist. Dazu gehören der Sender Eurosport 1, der über die Kabelnetze, aber auch frei empfangbar ist, sowie das Pay-TV-Angebot Eurosport 2. Hinzu kommen weitere Produktionen, die nur über das Internet laufen. Derzeit kann man den Player für 29,99 Euro im Jahr abonnieren.

Ein Teil der Bundesliga-Spiele soll also nur im Internet zu sehen sein. War das bekannt, als Eurosport bei der Ausschreibung der Rechte zum Zug kam?
Eurosport hat sich öffentlich nie festgelegt, wie die Spiele übertragen werden.    Allerdings könnte es Probleme geben, wenn Partien nur im Netz gezeigt werden. Das Bundeskartellamt, das sich in die Vergabe der Bundesligarechte eingeschaltet hatte, hat festgelegt, dass die Rechteinhaber von den fünf möglichen Übertragungswegen (Satellit, Terrestrik, Kabel, Internet und Fernsehen auf mobilen Endgeräten) drei anbieten sollen. Nach derzeitigem Stand zeigt Eurosport die Spiele nur über Internet und Mobile-TV. Discovery teilt dazu nur knapp mit, man könne sicher sein, dass den Anforderungen entsprochen werde. 
 
Warum zeigt Eurosport die Spiele nicht einfach über den kostenpflichtigen Sender Eurosport 2?
Der Sender hat keine eigene Infrastruktur und braucht deshalb Partner, um Spiele über Kabel oder Satellit zu zeigen. Discovery müsste sich also nicht nur mit den Kabelnetzbetreibern über neue Pakete einigen, sondern auch mit Sky. Denn Sky-Kunden können über Satellit Eurosport 2 empfangen. Sprich: Wenn die Spiele auf diesem Sender liefen, müssten viele Fans gar kein zweites Abonnement abschließen, um alle Partien zu sehen. Die Hoffnung der Kunden und sicherlich auch der DFL ist sogar, dass Eurosport die Spiele über die Sky-Bundesliga-Kanäle ausstrahlt – als Eurosport-Produktion mit entsprechendem Sender-Logo, versteht sich. Dann würde sich für die Fans gar nichts ändern. Doch von einer solchen Regelung sind Sky und Eurosport weit entfernt. „Discovery hat uns kein Angebot vorgelegt, das auch nur im Ansatz am Markt refinanzierbar wäre“, sagte ein Sky-Sprecher. Wobei es nicht nur ums Geld geht. Discovery will den Eindruck vermeiden, dass alles beim Alten bleibt. Per einstweiliger Verfügung erwirkte das Unternehmen sogar, dass Sky nicht mehr mit dem Versprechen werben darf, alle Spiele live zu zeigen.

Wie reagieren die Sky-Kunden?
Verärgert. Zumindest haben in einer Umfrage des Verbraucherportals „Aboalarm“ 85 Prozent der Befragten angegeben, die Neuverteilung der Bundesliga-Rechte sei ein Grund, das Sky-Abonnement zu kündigen, sollte Sky die Preise nicht anpassen oder kein verbessertes Angebot unterbreiten. Doch auch für Eurosport ist die Umfrage kein Grund zur Freude. 88 Prozent der Befragten, die ein Bundesliga-Paket bei Sky abonniert haben, sind nicht bereit, neben dem Sky-Abonnement auch noch zusätzlich für Spiele bei Eurosport zu bezahlen. 

Empfängt denn jeder, der nun auch über Eurosport die Bundesliga sehen will, den Eurosport-Player?
Voraussetzung ist eine stabile Internetverbindung. Laut statistischem Bundesamt verfügen 33 der 40 Millionen Haushalte in Deutschland über einen Netzanschluss. Eurosport empfiehlt eine Bandbreite von 1,8 Mbit für Standard Definition und fünf Mbit für HD-Empfang. Zumindest in Großstädten dürfte beides kein Problem sein. Ob die Spiele in allen ländlichen Regionen in HD zu sein werden, ist fraglich. Zudem beklagen auch Kunden mit schnellem Internet, dass es bei Streams immer wieder zu Aussetzern oder unscharfen Bildern kommt.

Bei Übertragungen im Internet gibt es eine Zeitverzögerung. Gilt das auch für den Eurosport-Player?
Ja. Ob beim Eurosport-Player oder bei Sky Go, dem Internetangebot von Sky: Wer im Netz Fußball schaut, sieht die Bilder mit einer Verspätung von 45 bis 60 Sekunden. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wer Sky über Kabel oder Satellit schaut, muss wegen der Digitalisierung des Bildes ebenfalls mit einer Verzögerung rechnen. Diese beträgt aber nur etwa fünf Sekunden.

Wie geht es jetzt weiter?
Derzeit scheinen die Verhandlungen zwischen Sky und Discovery an einem toten Punkt angelangt zu sein. Von Sky heißt es: „Zu Gesprächen sind wir jederzeit bereit.“ Discovery möchte Verhandlungen gar nicht kommentieren. Vieles spricht dafür, dass sich Discovery zumindest einen kleinen Kabelnetzbetreiber als Partner sucht, um die Anforderungen der Ausschreibung zu erfüllen. Derweil werden viele Fans den Eurosport-Player abonnieren, um bei Saisonstart auf der sicheren Seite zu sein. Immerhin steht fest, wer Experte bei Eurosport sein wird: der frühere Sportvorstand des FC Bayern Matthias Sammer.

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