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Bundesliga Rummenigge greift Hoffenheim an - Empörung über Videobeweis

Die 56. Bundesligasaison beginnt wie gewohnt, mit einem Bayern-Sieg. Der ist aber teuer erkauft: Kingsley Coman verletzt sich schwer. Das ruft Boss Rummenigge auf den Plan. Für Debatten, Emotionsausbrüche und Forderungen an den DFB sorgt gleich wieder der Videobeweis.

25.08.2018 15:46
Von Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa
Videobeweis
Das vermeintliche Foulspiel gegen Franck Ribery wurde vom Videoassistenten nicht überprüft. Foto: Rolf Vennenbernd

Empörung, Spott, Kopfschütteln: Gleich nach Spiel eins von 306 gibt es in der Fußball-Bundesliga wieder lautstarkes Gezeter und auch Verwirrung um den Videobeweis.

Nach dem nächsten Sieg von Serienmeister FC Bayern in einem hitzigen Eröffnungsspiel kochten bei den mit 3:1 (1:0) besiegten Hoffenheimern die Emotionen hoch - ja über. Die schwere Fußverletzung von Jungstar Kingsley Coman verleitete zudem Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge am Samstag zu einer Attacke auf den Gegner. „Speziell in der ersten Halbzeit sind die Hoffenheimer Spieler brutal hart eingestiegen. Das war Fußball in Wild-West-Manier“, lautete der Vorwurf an die rustikalen Hoffenheimer.

Beim Thema Video-Assistent appellierte Videobeweis-Befürworter Rummenigge an den DFB, eine „Taskforce“ zu bilden, die sich darum kümmert, dass hier nun endlich professionell gearbeitet wird. Dazu bedarf es der Eingliederung des Profifußballs und von Spezialisten.“

1899-Trainer Julian Nagelsmann hatte sich in München nach dem Abpfiff in beißende Ironie geflüchtet, Manager Alexander Rosen wetterte richtig los. Ihr Unmut richtete sich gegen den Schiedsrichter Bastian Dankert und dessen Gehilfen Sören Storks im Kölner Video-Keller. Der größte Streitpunkt war der Elfmeter, der im zweiten Versuch zum spielentscheidenden 2:1 durch Robert Lewandowski führte (82. Minute).

„Wir haben es bei der Weltmeisterschaft gesehen: Da hatten wir einen leitenden Schiedsrichter aus Simbabwe, einen Vierten Offiziellen aus Saudi-Arabien, und im Videoraum saß einer aus Uruguay. Es gab keine Testphase - und der Videobeweis wurde zu etwas gemacht, was er sein soll, nämlich eine wunderbare, sinnvolle und gerechte Einrichtung. Und dann kommen wir Deutschen und haben das, was wir heute erlebt haben. Das steht im Gegensatz zu dem, was es sein sollte“, schimpfte der auch lange nach dem Abpfiff noch aufgebrachte Rosen.

Schiedsrichter und Videoassistent hatten Chaos, Rätselraten und Verunsicherung ausgelöst - auf dem Platz und bei den Zuschauern. Der von Franck Ribéry erschundene Strafstoß im Zweikampf mit Havard Nordtveit wurde erstaunlicherweise nicht extra überprüft. Vor der Elfmeter-Wiederholung und beim aberkannten Tor von Leon Goretzka, bei dem Thomas Müller den Ball mit dem Arm abfälschte, sah sich Dankert dagegen die TV-Bilder beider Szenen persönlich im Stadion an.

Warum nicht auch beim Elfmeter, der für Nagelsmann keiner war und den auch Bayern-Coach Kovac nicht gepfiffen hätte? „Was mich unglaublich aufregt“, ereiferte sich Nagelsmann, „ist: Warum kriegen sie das nicht hin, in Köln zu entscheiden? Da brauche ich keine 14 Screens in Köln aufzubauen. Entweder entscheiden die oder lassen es.“ Rummenigge urteilte: „Die Schiedsrichter werden hier im Stich gelassen.“

Das in dieser Phase packende Spiel wurde zerstört. „Dann kamen vogelwilde 20 Minuten, wo kaum mehr Fußball war, sondern nur noch Video gucken“, zürnte Nagelsmann. „Diese Szene muss man zumindest überprüfen. Da muss ein Hinweis aus Köln kommen“, schimpfte Rosen. Ansonsten mache für ihn der Videobeweis „einfach keinen Sinn“.

Die Schiedsrichterkommission des DFB reagierte am Samstag mit einer Verteidigung in eigener Sache. „Der Video-Assistent hat in dieser Situation zurecht nicht eingegriffen, denn er soll nur eingreifen, wenn die Entscheidung klar und offensichtlich falsch ist“, hieß es in einer Mitteilung. „Diesen Vorgang als Foul zu bewerten, ist eine Interpretationsfrage, die beim Schiedsrichter bleibt.“

Einmal in Fahrt, attackierte Hoffenheims Sportchef Rosen auch seinen Bayern-Kollegen Hasan Salihamidzic, der am Spielfeldrand immer wieder Klagen beim vierten Schiedsrichter vortrug. „Bei jeder Situation rumzuhampeln beim Vierten Offiziellen, das kann auch nicht die Stellenbeschreibung sein“, ätzte Rosen über Salihamidzic.

Es wurde viel geboten beim Saisonauftakt in München zwischen dem Dauermeister und dem mutigen Herausforderer aus Hoffenheim. Erst dominierten die Bayern und trafen durch Müller (23.). Dann kamen die Nagelsmänner stark aus der Kabine und glichen durch Adam Szalai aus (56.). Den 3:1-Schlusspunkt setzte in der Nachspielzeit Arjen Robben. „Es ist ein Topstart, auch wenn nicht alles gut gelaufen ist“, sagte Bayerns Joshua Kimmich. Müller sprach von einer „Energieleistung“.

Auch Kovac freute sich über den Premierensieg, der für ihn auch bedeutsam war, weil er gleich zum Ligastart spektakulär rotiert hatte. Mats Hummels und Robben mussten auf die Bank, Weltmeister Corentin Tolisso neben weiteren Topspielern auf die Tribüne. „Das wird in Zukunft immer wieder passieren, das ist so. Ich glaube, dass wir heute alles richtig gemacht haben“, sagte Kovac deutlich.

Eines missfiel den Bayern bei der Ouvertüre besonders. Außenstürmer Coman erlitt beim Liga-Comeback nach sechs Monaten bei einem Foul von 1899-Verteidiger Nico Schulz wieder einen Syndesmosebandriss am linken Fuß. Der 22-jährige Franzose muss operiert werden. Das „schockte“ die Münchner, wie Kimmich berichtete. Mit der gleichen Verletzung war Coman im ersten Halbjahr lange ausgefallen.

Kovac, der in seiner Frankfurter Zeit auch für rustikalen Einsatz stand, beklagte „ziemlich viel Härte von Hoffenheimer Seite in der ersten Halbzeit“. Nagelsmann konterte: „Man muss mit allen Mitteln spielen. Wir wollten keinen Spieler verletzen.“

(Von Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa)

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