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Bundesliga-Kommentar Effenbergs Unfug

Der Vorschlag von Stefan Effenberg, die Bundesliga in Gruppen aufzuteilen, um die Dominanz des FC Bayern München einzudämmen, ist Blödsinn. Ein Kommentar.

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Absonderliche Ideen: Stefan Effenberg. Foto: imago

Gut zu wissen, dass sich man sich zunehmend Gedanken macht wie gegen die Langeweile in der Fußball-Bundesliga anzukommen ist. Dass der FC Bayern nicht nur dem Drittliga-Spitzenreiter SC Paderborn meilenweit enteilt ist, sondern auch der Erstligakonkurrenz, stellt keine neue Erkenntnis dar. Und es ist schlicht Unsinn, wenn angebliche Experten wie Hans Meyer wie zuletzt im Stammtischtalk auch noch von einer Momentaufnahme schwadronieren. Das Gegenteil ist der Fall. Es geht eigentlich wieder nur um die Frage, mit welchem Giga-Vorsprung die Münchner ins Ziel kommen.

Und sie haben sich so weit vom Rest entfernt, dass nun schon über Modusveränderungen debattiert wird. Nicht ernst genommen werden sollten alle Vorschläge, dem Fußball getreu den Vorbildern in Eishockey oder Basketball eine Playoffhülse überzustülpen. In solchen Sportarten – vor allem im Kernland USA – ist dieser Modus historisch gewachsen und tief verwurzelt, mit einem Traditionsprodukt wie der Bundesliga funktioniert das nicht. Weil damit der Ligaalltag total entwertet würde.

Durchdacht wie der berühmte "Effe"

Stefan Effenberg hat nun in einer Kolumne vorgeschlagen, die Bundesliga in zwei Gruppen zu unterteilen. Je neun Vereine, Auslosung im Juni oder Juli. Nach den Hin- und Rückspielen bis Weihnachten würden sich dann die ersten vier Teams und der beste Fünfte für die erste Gruppe qualifizieren, die den Meister und die Europapokalteilnehmer ausspielen. Der zweite Teil ermittelt – wenn alles wieder auf Null gestellt ist – dann die Absteiger.

Der Vorschlag ist ungefähr genauso durchdacht wie die Geste, mit denen sich der einstige Bundesliga-Star hochkant aus der Nationalmannschaft katapultierte. Der nationale Betrieb wird ad absurdum geführt, wenn der FC Bayern und VfB Stuttgart, Borussia Dortmund und der 1. FC Köln, Werder Bremen und der Hamburger SV, Frankfurt und FSV Mainz 05 in einer Saison nicht mehr gegeneinander spielen, weil sie in unterschiedliche Gruppen gelost werden und sich dann ihre Wege trennen. Es reicht der Blick nach Belgien, die Niederlande oder Österreich, wo alle Experimente mit unterschiedlichen Spielrunden in der Sackgasse endeten, um Effenbergs Vorpreschen als Nonsens zu entlarven.

Was der 49-Jährige bei seinem unausgegorenen Vorschlag zudem nicht bedacht hat: Würde eine Gruppen-Zweiteilung die einseitige Dominanz der Bayern brechen? Wohl kaum. Viel besser wäre es doch, den Branchenprimus angesichts seiner sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteile künftig mit nur zwei statt drei Punkte zu belohnen. In der aktuellen Tabelle lägen Lewandowski, Robben und Co. dann zwar immer noch vorne. Aber nur mit einem mickrigen Zähler Vorsprung. Diese Regel wird so lange beibehalten, bis ein anderer Verein mal wieder Meister geworden ist. Warum ist der blondierte Freigeist nur darauf nicht gekommen?

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