Lade Inhalte...

Bundesliga international Fußball aus Deutschland als Disneyland

Der FC Bayern werkelt an Drohnen-Technologie, um sich in aller Welt noch aufregender zu präsentieren, die DFL plant neue Büros in China und den USA, um die Bundesliga zur Global Entertainment Brand zu entwickeln.

Audi Football Summer Tour China Singapur
Auf Tour in Singapur: Bayern-Maskottchen Berni begrüßt die Fans. Foto: Imago

In der Fußball-Bundesliga prallen im Zuge der Diskussion um die 50-plus-eins-Regel die Meinungen der Protagonisten über den künftigen Kommerzialisierungskurs aktuell in einer bisher nicht gekannten Heftigkeit aufeinander. Die Grundsatzfrage lautet: Sollen die Bosse das Rennen mit vollem Tempo aufnehmen und sich dabei an der finanziell führenden englischen Premier League orientieren oder sollen sie akzeptieren, dass die Bundesliga bis auf die Bayern auf dem Weltfußballmarkt nur noch eine Nebenrolle spielt, dafür aber hierzulande zumindest von der kommerzkritischeren Öffentlichkeit eine höhere Akzeptanz erfährt?

Ex-Bundesligatrainer Hans Meyer, Präsidiumsmitglied bei Borussia Mönchengladbach, vertritt die Ansicht, man sollte sich von den „Geldsäcken“ aus England nicht treiben lassen. „Wo sind denn die Engländer, die uns angeblich mit Geld zuscheißen?“, fragte der Altmeister im Fußballstammtisch Doppelpass bei Sport1, „was haben die denn international gewonnen in den vergangenen acht Jahren?“

Bayern-Präsident Uli Hoeneß rät zur Gelassenheit mit Blick auf England: „Die haben viel mehr Geld. Aber das wird nicht ewig anhalten.“ Er glaube „nicht, dass die TV-Verhandlungen in England so weiterlaufen wie jetzt.“ Die aktuelle Entwicklung spricht freilich dagegen: Laut englischen Medien ist die Premier League im Begriff, den TV-Vertrag über drei Spieljahre von 2019 bis 2022 mit einem Plus von 20 Prozent abzuschließen. Dann flössen künftig statt zehn Milliarden Euro zwölf Milliarden Euro aus der In- und Auslandsvermarktung plus 240 Millionen Euro für den selben Zeitraum von der BBC im Free-TV. Macht pro Saison statt derzeit zirka 3,3 Milliarden dann volle vier Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Bundesliga kommt im Inland (1,14 Milliarden) und Ausland (280 Millionen) aktuell auf rund 1,4 Milliarden Euro an Medienerlösen pro Saison, zwei Milliarden Euro weniger als in England.

Dort wurde jüngst der Vertrag mit Mesut Özil vom FC Arsenal verlängert. Der deutsche Nationalspieler kassiert nun 20 Millionen Euro pro Saison. Es gibt nicht wenige Menschen, die glauben, das sei unanständig viel Geld. Es gibt aber andere, die finden, es sei wichtig, nicht zu kapitulieren und deshalb zuzusehen, selbst eines nahen Tages so viel zahlen zu können.

Zu diesen Menschen gehört Robert Klein. Der 48-Jährige war zuvor für das Red Bull Media House als Leiter der Abteilung für globale Rechte tätig und kennt sich also auch in seiner neuen Rolle als Boss der neu gegründeten DFL-Tochterfirma Bundesliga International aus. Das Unternehmen soll dafür sorgen, dass die Bundesliga und vor allem deren 18 Erstligaklubs ihre Erlöse vor allem in Übersee weiter fundamental steigern. Offiziell heißt Klein dort Chief Commercial Officer. Er versteht es, in perfektem Englisch zu dozieren und sagt übersetzt dann Sätze wie: „Wir haben ein fantastisches Produkt, aber wir haben die Story noch nicht genug erzählt.“ Oder: „Wir arbeiten daran, die Bundesliga zu einer Global Entertainment Brand zu machen.“ Fußball aus Deutschland als Disneyland sozusagen.

Auf einem globalisierten und zunehmend digitalisierten Markt kämpft Klein darum, „die Marke größer zu machen und den Umsatz zu steigern“. Dazu braucht er Topstars im Portfolio, Topstars, die die Bundesliga zunehmend verliert. Kleins Chef Christian Seifert wies kürzlich betrübt darauf hin, im letzten Länderspiel gegen Frankreich hätten lediglich vier Bundesligaprofis in der Startelf gestanden. Der große Rest ist bereits ausgewandert. Für Klein ist das ein Problem. Sein Job ist es, die deutsche Eliteliga in aller Welt „näher an die Menschen zu bringen“. Die in Köln ansässige DFL-Tochter Digital Sports denke als Medienhaus „jeden Tag darüber nach: Welche Bundesliga-Nachrichten kann ich in die Welt geben?“, berichtet Klein.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen