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Bundesliga Die gerupfte Liga

Im Vorab-Finale des DFB-Pokals werden Bayern München und Borussia Dortmund irgendwie versuchen, die Saison versöhnlich zu gestalten. Ein Kommentar.

21.04.2017 07:48
Carlo Ancelotti
Auch als Trainer muss man in Topform sein. Foto: EPA

In Frankfurt muss man sich nur in den Apfelweinkneipen Sachsenhausens umhören, in denen sich die Anhänger der Frankfurter Eintracht zum Schoppen treffen: Die meisten können es kaum mehr erwarten, dass das DFB-Pokal-Halbfinale bei Borussia Mönchengladbach steigt. Vielen ist egal, ob die Eintracht in der Bundesliga am Ende Achter, Zehnter oder Zwölfter wird. Am kommenden Dienstagabend, da bitte sollen Frankfurts Berufsfußballer noch mal alles in die Waagschale werfen. Pokalfinale ist nur einmal im Jahr. Und schon wieder ist es mehr als ein Jahrzehnt her, dass die Hessen auf der Bühne in Berlin mitmischen durften. 2006 noch unter Friedhelm Funkel. Die eingeschränkte Frankfurter Perspektive blendet indes aus, dass das bedeutsamere Spiel am Tag darauf steigt. Bayern München gegen Borussia Dortmund. Der Klassiker, den viele sich erst für den 27. Mai gewünscht hätten. Im Vorab-Finale werden die Aushängeschilder am Mittwoch irgendwie versuchen, die Saison versöhnlich zu gestalten. Uneingeschränkt positiv ist eine Spielzeit in München nicht, wenn nur die Meisterschaft als Lorbeer bleibt. Unwidersprochen gut ist eine Saison in Dortmund nicht, wenn mit Ach und Krach die Champions-League-Qualifikation herauskommt.

Das Finale im nationalen Cup-Wettbewerb bietet die Chance, sich in der Hauptstadt vor großem Publikum noch einmal in alter Stärke zu zeigen – und mit einer Trophäe in den Händen den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen. Auch für die internationale Bühne. Dass der „Mia-san-mia“-FCB und der „Echte-Liebe“-BVB derart gerupft aus der Königsklasse kommen würden, hatten selbst die Berufspessimisten unter den Fußballkennern nicht erwartet. In der Summe endete der deutsch-spanische Vergleich wie auch der deutsch-französische 3:6.

Die schwache Schiedsrichterleistung bei den Bajuwaren, die schwierigen bis unerträglichen Umstände bei den Westfalen mal ausgeblendet: Real Madrid und AS Monaco haben dem deutschen Duo den Weg gezeigt, den der moderne Fußball nimmt. Hohe technische Fähigkeiten mit immenser physischer Präsenz und enormer Effektivität zu paaren – das ist die hohe Kunst.

Und dazu gehören Trainer, die auf den Punkt eben auch in Topform sind. Nein, es hat hier wie dort bei Bayern und Dortmund nicht richtig gepasst. Und deshalb findet erstmals seit 2009 ein Halbfinale der Champions League ohne deutschen Vertreter statt. Die Wunde schmerzt die Bayern mehr als die Dortmunder. Insofern haben sie nächsten Mittwoch mehr Druck. Aber dafür auch Heimrecht.

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