Lade Inhalte...

Bundesliga Der vergiftete Wettbewerb

Die Bayern sind zu gut für die Bundesliga und konzentrieren sich zu sehr auf den internationalen Wettbewerb.

Joshua Kimmich
In Deutschland thronen die Bayern einsam an der Spitze. Auch am Ende der Saison 2017/18 hielten sie am Ende die Meisterschale in den Händen. Hier freut sich Joshua Kimmich übe den Titel. Foto: Imago

Wenn Christian Seifert im Ausland unterwegs ist um den deutschen Fußball meistbietend an finanzstarke Medienhäuser verkauft, muss der argumentativ offensivstarke Bundesligaboss sich oft mit lästiger verbaler Defensivarbeit beschäftigen. Standardvorwurf: Der Wettbewerb an der Spitze sei zu langweilig, er sei geradezu vergiftet, weil niemand den Meister gefährdet.

Beizeiten gehen Seifert die Argumente aus, um dagegenzuhalten. Denn: In den vergangenen sechs Jahren des sich ständig wiederholenden Titelgewinns hat der FC Bayern kumuliert 103 Punkte Vorsprung auf den jeweiligen Tabellenzweiten angehäuft; aktuell waren es 24 Zähler vor Schalke 04. Ins DFB-Pokalfinale sind die Bayern mit einem komplett ungefährdeten 6:2-Sieg in Leverkusen eingezogen. Seit dem Jahr 2000 waren sie neunmal im Endspiel im Berliner Olympiastadion dabei. Achtmal haben sie gewonnen.

In Deutschland sind sie nicht nur eine Macht. Sie sind eine Übermacht. Alle anderen haben kapituliert. Die Unterwürfigkeit ist mit Händen zu greifen. Der Branchenführer hat den bislang letzten Meister vor ihm, Borussia Dortmund, zuletzt wie eine lästige Schliere 6:0 weggeputzt, gegen Pokalfinalgegner Frankfurt gewann der designierte 19-fache Pokalsieger vor Monatsfrist mit drei A-Jugendlichen und einem Amateurspieler in der Startelf lässig, leicht, locker, lächerlich 4:1.

Aber es gibt auch ein Problem, ein sehr gewichtiges sogar: Die Bayern messen sich nicht mehr ernsthaft mit den Lakaien in der Liga, sondern umso erbitterter mit dem Establishment und den neureichen Emporkömmlingen auf dem Kontinent. Mit zuletzt 640 Millionen Euro Jahresumsatz befinden sie sich auf Augenhöhe mit Manchester United und City, Real und Atlético Madrid, Barcelona, Chelsea, Liverpool und Juventus Turin. Seit fünf Jahren schaffen es die Münchner nicht mehr ins Finale der Champions League. Um dort Stammgast zu werden, brauchen sie mehr Geld für noch bessere Spieler.

Bayernboss Karl-Heinz Rummenigge sagt deshalb, in der Bundesliga könnten „nicht alle mit der Gießkanne glücklich“ gemacht werden. Um international den Anschluss nicht zu verlieren, will er mehr als jene hundert Millionen Euro TV-Gelder, die er aus dem Bundesligatopf verbucht. Mit Blick auf das Rattenrennen in Europa ist das Ansinnen nachvollziehbar, für einen spannenden Wettbewerb im eigenen Land sind es trübe Aussichten. Der Superreiche wird noch reicher.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Pokalfinale

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen