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Borussia Mönchengladbach Gladbach will unter die Top Sechs

Borussia Mönchengladbach will nach zwei Jahren Abstinenz wieder nach Europa.

Alassane Plea
Teuerster Einkauf der Gladbacher Vereinsgeschichte: 23-Millionen-Mann Alassane Plea. Foto: imago

Es scheint fast so, als habe Borussia Mönchengladbach in den vergangenen beiden Spielzeiten mal durchschnaufen müssen. Nach anstrengenden Jahren mit Teilnahmen an der Europa- oder gar Champions League reichte es zweimal nur zu Rang neun. Nun nimmt die Elf vom Niederrhein einen neuen Anlauf, bald wieder international zu spielen. Unmöglich ist das sicher nicht. 

Wie ist die Stimmung?
Neun Freundschaftskicks absolvierten die Gladbacher in der Vorbereitung, sieben davon gewannen sie. Erst beim letzten Härtetest gegen Espanyol Barcelona lief beim 1:3 wenig zusammen. An der Begeisterung rund um die Fohlen-Elf änderte das aber nichts, fast 60 000 Menschen kamen am Wochenende zum Familientag in den Borussia-Park. Nach zwei Jahren ohne Europa-Qualifikation ist der Glaube da, diesmal wieder eine bessere Rolle spielen zu können.

Wie stark ist der Kader?
Im Tor Yann Sommer, hinten Matthias Ginter, im Mittelfeld Christoph Kramer, auf dem Flügel Thorgan Hazard, im Angriff Lars Stindl, Raffael sowie Neuzugang Alassane Plea - die Gladbacher haben etliche Spieler mit gehobenem Bundesliganiveau im Kader. Die größten Probleme: In der Abwehr fehlt nach dem 25-Millionen-Verkauf von Jannik Vestergaard zum FC Southampton eine Säule, im zentralen Mittelfeld ein Aufbauspieler mit feinem Füßchen. 

Worauf steht der Trainer?
Dieter Hecking, der Mann mit dem dichten Haar und dem grimmigen Gesichtszügen, ist nicht unumstritten. Im Frühjahr war der Unmut unter den Fans derart groß, dass die ersten seinen Rauswurf forderten. Größter Kritikpunkt am 53-Jährigen ist seine fehlende taktische Flexibilität. Jahrelang ließ Hecking immer nur im 4-4-2-System spielen, in dieser Vorbereitung wurde erstmals ernsthaft auch im 4-3-3 geübt. „Wir haben jetzt einige Varianten, wie wir Druck auf den Gegner aufbauen wollen, wir wollen früher stören, um weiter vorne in die Kontersituationen zu kommen“, sagte Mittelfeldspieler Kramer. Heckings Kontrakt in Gladbach läuft nur noch diese Saison, Gespräche wurden auf einen späteren Zeitpunkt vertagt – hundertprozentiges Vertrauen sieht sicher anders aus.

Wo hapert’s noch?
Hinten drückt der Fußballschuh. Schon in der vergangenen Saison kassierte die Borussia mit 52 Gegentoren relativ viele. Zum Vergleich: Bei Eintracht Frankfurt, eine Position besser platziert, waren es nur 45, bei Hertha BSC, eine Platz hinter Gladbach liegend, nur 46. Zudem konnte die nominell beste Viererkette mit Neuling Michael Lang, Ginter, Nico Elvedi und Oscar Wendt in der Testphase noch nicht zusammenspielen, weil Lang (Außenbandteilriss im Knie) und Elvedi (Blinddarm-OP) passen mussten. Es wird noch nach einem neuen Innenverteidiger gefahndet. „Wenn irgendwo eine Ringeltaube vom Dach fällt, bei der wir sagen, der Spieler überzeugt uns, können wir noch mal zuschlagen“, sagte Hecking. Auch Kapitän Stindl fehlt nach einer Sprunggelenksoperation noch mindestens bis Mitte September. 

Wer sticht heraus?
Ganz klar, der neue Mittelstürmer Alassane Plea. Der 25 Jahre alte und 1,80 Meter große Franzose kam für 23 Millionen aus Nizza – er ist der Rekordeinkauf der Borussia. Plea stammt aus der Jugend von Olympique Lyon und debütierte im Alter von 19 Jahren in der Ligue 1, den Durchbruch schaffte er aber erst einige Jahre später. Nachdem eine Kreuzbandverletzung und ein Meniskusriss den Thierry-Henry-Fan ausgebremste hatten, blühte er unter Trainer Lucien Favre, mittlerweile in Dortmund, auf. Vergangene Runde machte Plea an der Seite von Mario Balotelli 16 Tore in 35 Partien, dazu gab er noch sechs Vorlagen. „Wir freuen uns sehr, dass wir uns gegen mehrere namhafte Klubs durchsetzen konnten“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Unter anderem sollen Newcastle United und die Tottenham Hotspur interessiert gewesen sein. 
Allerdings: Plea wurde wegen einer Muskelverhärtung zuletzt geschont, ist bisher noch ohne Torerfolg. Auch Ziehvater Favre verzichtete als BVB-Trainer auf eine Verpflichtung des Franzosen, obwohl den Dortmundern selbst ein Mittelstürmer auch gut zu Gesicht stehen würde. 

Wie geht’s dem Schatzmeister?
32 Millionen ausgegeben, 32 Millionen eingenommen – das Transferkonto ist ausgeglichen. Zwar soll noch ein Abwehrmann kommen, knapp zehn Millionen stehen dafür zur Verfügung, insgesamt kaufen die Borussen aber doch mit Bedacht ein. Grund: Statt in Beine wird in Steine investiert. Der Borussia-Park ist eine einzige Baustelle. Zurzeit wird an einem 15 000-Quadratmeter-Neubau mit Hotel, Fanshop und Vereinsmuseum für 31 Millionen (zehn Millionen aus Eigenmitteln) direkt neben dem Stadion gewerkelt, ein größeres Jugendinternat und eine Lizenzspielerhaus sollen folgen. „Unsere Investitionen in Steine sind klug und unumgänglich, denn sie sichern nachhaltig unseren Weg“, sagte Eberl dem Magazin „11 Freunde“.

Was ist drin? 
Weil Trainer Hecking taktisch etwas mehr Risiko wagt, weil Stürmer Plea seiner Ablöse entsprechend trifft, und weil die Borussia keine Dreifachbelastung hat, ist diesmal wieder die Qualifikation für Europa drin. Klubbboss Rolf Königs drückte das vor jubelnden Anhängern auf dem Fanfest wie folgt aus: „Sie kennen die Formel, die Herr Eberl sagt: Wir wollen einstellig bleiben. Aber das reicht nicht mehr. Wir werden es besser machen.“ Kurzum: Die Chefs erhoffen sich eine Attacke auf die Top Sechs der Liga.

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