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Borussia Dortmund Schweizer Käse

Torwart Roman Bürki schafft es nicht, der löchrigen Dortmunder Abwehr Sicherheit zu geben und ist dabei zum Gesicht der Krise geworden.

Borussia Dortmund gegen dem VfB Stuttgart
Roman Bürki und Marc Bartra. Foto: imago

Eigentlich bietet die komplizierte Lage, in der Borussia Dortmund sich in diesem deprimierenden Herbst befindet, vortreffliche Voraussetzungen für denkwürdige Torhüterleistungen. Die Abwehr leidet unter großem Verletzungspech, ist schlecht eingespielt, agiert fehlerhaft, was zwar nicht schön ist, was Roman Bürki aber die Gelegenheit bieten könnte, seine Klasse zu zeigen.

Die Geschichte des Fußballs ist voller Torhüter, die in Krisenteams zu schillernden Helden werden, der Schweizer Keeper vom BVB scheint aber irgendwie anders zu funktionieren. Wenn seine Vorderleute Sicherheit bräuchten, strahlt er Unruhe aus, wenn mal ein Glücksgriff nötig wäre, rutscht ihm der Ball durch die Beine, längst spricht der Schweizer von einer „Mitschuld“ an den vielen Gegentreffern, er wolle sich da „nicht ausnehmen“.

Statt die Krise des Team zu einem persönlichen Erfolgshoch zu nutzen, strahlt Bürki mittlerweile eine bis in die hintersten Reihen der Stadien spürbaren Verunsicherung aus. In einer guten Phase hätte er beide Stuttgarter Tore am vorigen Freitag verhindern und den Sieg retten können, und auch an die Champions League-Partie bei Tottenham Hotspur, die am heutigen Dienstagabend in Dortmund zum Rückspiel antreten, hat er keine guten Erinnerungen.

Noch verteidigt Klubchef Watzke den Schweizer

In London war dem Schweizer vorgeworfen worden, er habe zwei der drei Gegentreffer in die kurze Ecke passieren lassen, wogegen er sich zunächst wehrte. Dass solche Tore automatisch Fehler der Torhüter sind, sei „ein Mythos“, den er „nie verstanden“ habe, schrieb er in einem durchgängig in Großbuchstaben verfassten Post auf Instagram und zitierte Leicester Citys Keeper Kasper Schmeichel: „Eines Tages hat einfach jemand beschlossen, dass Torhüter nicht am kurzen Pfosten überwunden werden dürfen.“ Eine Debatte über diese vermeintliche Fußballwahrheit wäre tatsächlich interessant, doch kurz darauf übernahm Bürki in einem Interview doch die Verantwortung für beide Gegentreffer. Das mag ihm Ruhe verschafft haben, zeigt aber, dass er auch jenseits des Rasens wackelt und schwankt.

Die Krise des Torhüters wird mehr und mehr zu einer persönlichen Tragödie. Denn offenkundig ist der 27-Jährige ein sensibler Mensch, das macht ihn sympathisch und zu einem angenehmen Mitspieler. Doch in dieser schweren Zeit wird seine Verletzlichkeit mehr und mehr zur Schwäche. Beim enttäuschenden 1:1 in Nikosia ermöglichte er den Treffer der Zyprer mit gleich zwei fatalen Fehlern innerhalb weniger Sekunden, Hans-Joachim Watzke sagte dennoch am vorigen Freitag: „Er hat jetzt eine nicht so gute Phase, aber er hat unser totales Vertrauen, weil wir glauben, dass er aus diesem Tief rauskommt.“ 

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