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Borussia Dortmund Peter Bosz - der Ungreifbare

Borussia Dortmunds Trainer Peter Bosz zeigt viele Gesichter, aber welches ist das echte?

Peter Bosz
Der Neue: Peter Bosz. Foto: Imago

Es wäre nicht ganz fair, Peter Bosz vorzuhalten, dass er mitverantwortlich für das Ende einer ganz erstaunlichen Dortmunder Erfolgsserie ist. Nach zuvor zwölf Siegen in Folge und einem Torverhältnis von 35:5 wurde der Holländer am vorigen Wochenende zum ersten BVB-Trainer seit mehr als sieben Jahren, der in der Bundesliga Punkte gegen den SC Freiburg verloren hat.

Denn trotz dieses kleinen Rückschlags steht Bosz mit seinem Team auf dem ersten Tabellenplatz und wird allenthalben mit Lob überschüttet. Es sei „ein großes Verdienst des Trainers“, dass der Klub so erfolgreich in die Saison gestartet ist, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Und doch ist immer noch nicht ganz klar, was das eigentlich für ein Trainer ist, mit dem die Dortmunder am Mittwochabend bei Tottenham Hotspur ins neue Champions League-Spieljahr einsteigen. Bosz gibt sich freundlich, offen, überaus vernünftig, verlässlich. Zugleich wirkt er aber glatt und irgendwie ungreifbar. Größere Interviews hat er in Deutschland bisher nicht gegeben, emotionale Extremsituationen gab es auch nicht, man ahnt: Da muss es noch mehr geben.

Aber was? In den Versuchen, sich diesem Mann zu nähern wird immer wieder das Filmchen zitiert, in dem er sich voriges Jahr von seiner Nichte, der erfolgreichen Youtuberin BeautyNezz interviewen ließ. Da wirkt Bosz wie ein sanfter Familienmensch, der von seiner Vorliebe für Vanille-Eis berichtet. Ansonsten formuliert er viele Sätze mit wenig Aussagekraft: „Guter Fußball ist, wenn die Fans sich amüsieren“, zum Beispiel. Oder: „Ich weiß, wo ich hin will, aber das geht nur Schritt für Schritt.“

Seine öffentlichen Auftritte sind souverän, er duzt die Journalisten, lässt sich duzen, wirkt freundlich, gibt aber so gut wie nichts preis. Während die Berichterstatter in den zurückliegenden Jahren oft vergeblich versuchten, all die interessanten Thesen, Formulierungen und Überlegungen der Trainer in ihren Beiträgen unterzubringen, fällt es bei Bosz schwer, Verwertbares zu finden. Die Pressekonferenzen sind in jedem Fall langweiliger geworden, ob das auch auf den Fußball zutrifft, ist noch unklar.

Erkennbar wird, dass der BVB unter diesem Trainer wieder mehr Wert auf aggressives Pressing weit in der gegnerischen Hälfte legt, dieser Vorsatz war unter Thomas Tuchel nicht so ausgeprägt. Allerdings deutet sich auch ein möglicherweise grundsätzliches Problem des Bosz-Fußballs an: Gegen tief stehende Gegner, die leidenschaftlich, hart und systematisch verteidigen, mangelt es dem Dortmunder Spiel an Tempo. Die akribische Suche nach Optionen für Vertikalpässe, die der BVB unter Tuchel entwickelt hatte, funktioniert unter Bosz nicht mehr. Sowohl gegen Hertha BSC Berlin als auch in Freiburg habe seine Mannschaft „zu langsam“ kombiniert, die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ beklagt bereits eine „spielerische Armut“.

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