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Borussia Dortmund - Bayern München Neuer Favorit auf die Meisterschaft

Borussia Dortmund offenbart beim spektakulären 3:2 gegen die Bayern die Fährnisse und Perspektiven auf dem Abenteuerspielplatz im Revier.

Dortmunder im Jubel
Zusammenrotten zur Jubelorgie: Dortmunder Profis beim Spiel gegen die Bayern. Foto: rtr

Am Morgen nach dem 3:2 (0:1) im denkwürdigen Schlagabtausch gegen Bayern München saß der Dortmunder Klubchef Hans-Joachim „Aki“ Watzke betont entspannt im TV-Studio von Sky und backte die Brötchen in staatsmännisch vorgetragener Bescheidenheit so klein wie nur irgend möglich: Er könne „diese Momentaufnahme einschätzen. Mit Bayern München musst du bis zum letzten Spieltag rechnen“. Das bestätigte bald darauf zugeschaltet am Telefon auch die Allgewalt Uli Hoeneß. 

Am Abend zuvor hatte das größte Stadion der Republik einem Tollhaus geglichen, der Lärm war ohrenbetäubend. Die heimische Borussia hatte einen zweifachen Rückstand in einen Sieg verwandelt. Spätestens seit Samstagabend gibt es einen neuen Favoriten auf die Meisterschaft. Sieben Punkte Differenz auf den Branchenführer, das ist wahrlich ein dickes Brett. Einen solchen Abstand hat sich die Borussia seit der Saison 2011/2012 nicht mehr herausgearbeitet. Und wie das ausging, weiß jeder Dortmunder: Der BVB gewann das einzige Double seiner 109-jährigen Vereinsgeschichte. 

Träumen ist also ausdrücklich erlaubt in der Fußballstadt. Nicht nur, weil die Zahlen das hergeben, sondern auch, weil es eine Mannschaft gibt, die in ihren guten Phasen in der Lage ist, die Sterne vom Himmel zu spielen. Bayerns Trainer Niko Kovac hatte ein „fantastisches Fußballspiel von beiden Seiten“ gesehen. Wer dieses Spektakel mit fünf Toren, ganz viel Tempo und Leidenschaft verfolgt hatte, konnte dem Kroaten nur recht geben. Sein Kollege Lucien Favre sah in der ersten Halbzeit einen Gegner, „den ich in dieser Saison noch nicht so stark gesehen habe“. Der FC Bayern habe „das Spiel beherrscht. Pressing, Gegenpressing, alles sehr, sehr intensiv.“ Aber der Schweizer wusste auch: „Das konnten sie nicht weitermachen dieses Tempo. Da war ich mir sicher.“

Tatsächlich drehte der BVB nach dem Seitenwechsel das Spiel. Und wie. Die zweiten 45 Minuten wurden zu einer mitreißenden Demonstration, wozu diese Mannschaft fähig ist, wenn sie ihre ganze Kraft entfaltet. Im Vergleich zu den Dortmundern wirkten die Bayern zu alt, zu langsam, zu träge. Sie wurden überrollt von einem Team, das so viel Tempo, jugendliche Kraft und Überzeugung auf den Rasen bringen kann, dass ihre Gegner förmlich hinweggefegt werden. 

Den Dortmundern wurde in der ersten Halbzeit vor Augen geführt, wie verwundbar diese junge Mannschaft ist, wenn der Gegner die Räume konsequent und körperbetont zustellt. Und in den fulminanten zweiten 45 Minuten wurde in jeder Minute sichtbar, wie unfassbar groß das Potenzial dieses Kaders an Hochbegabten ist. 

Der Baumeister dieses Teams ist Lucien Favre. Ein Fachmann von hohen Gnaden, ein Fußball-Nerd, der nun auch einen Kader zur Verfügung hat, mit dem er Großes erreichen kann. Dabei verfügt er mit Axel Witsel und Marco Reus über zwei Spieler, die herausragen. Witsel ist als Taktgeber und Spielgestalter im defensiven Mittelfeld unersetzbar, in der zweiten Halbzeit marschierte der Belgier mit unnachahmlicher Überzeugungskraft voran. 

Kapitän Reus, am Sonntag von seinem ehemaligen Mönchengladbacher Manager Max Eberl als „derzeit bester Bundesligaspieler“ geadelt, befindet sich in der Form seines Lebens. Der Nationalspieler holte gegen Manuel Neuer den Strafstoß raus, den er selbst zum 1:1 verwandelte und erzielte mit einer herrlichen Direktabnahme auch noch das 2:2. 

Dazu kommt, dass es Favre immer wieder gelingt, den Sieg einzuwechseln. Das 3:2 von Paco Alcácer war bereits das 18. Jokertor des BVB im 17. Saisonspiel. Das ist ein europaweit unerreichter Wert. „Der Trainer hat halt ein goldenes Händchen“, sagt Reus lapidar. Der Hochgelobte wirkte nach dem Festakt für seine Verhältnisse regelrecht aufgekratzt und hob zu einem Monolog an, wie er von ihm nur ganz selten zu vernehmen ist. Favre sprach von einem „sehr, sehr guten Spiel, das war eine super Werbung für die Bundesliga. Chapeau an meine Mannschaft.“ 

Kein Zweifel, der Mann fühlt sich richtig wohl bei seiner Mission auf dem Abenteuerspielplatz im Revier. „Ich habe schon viele verrückte Spiele erlebt, seit ich hier bin.“ Und weil es ein solch denkwürdiger Abend war, wollte ihn Favre entsprechend genießen. Zuletzt hatte er auf die Frage, wie er sich für Siege belohne, noch mit „Wasser ohne Gas“ geantwortet. Nach dem Sieg gegen die Bayern gab Favre zu Protokoll: „Heute werde ich ein Glas Rotwein trinken.“

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