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Bayern München Bayerische Alphatiere

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge blockieren sich derzeit selbst. Dabei gibt es bei FC Bayern München zahlreiche Baustellen, die es zu schließen gilt. Allen voran die ungeklärte Trainerfrage. Ein Kommentar.

Bayern München
Alphatiere: Karl-Heinz Rummenigge (rechts) und Uli Hoeneß. Foto: dpa

An diesem Wochenende wird der glorreiche FC Bayern, wenn nicht ein mittleres Weltwunder dazwischenkommt, Deutscher Fußballmeister, zum 28. Mal, zum sechsten Mal hintereinander. Das letzte Mal, als ein anderer den Titel holte, Borussia Dortmund, spielten Toni Kroos und Kaiserslautern noch in der Bundesliga, 2012 war das. Vermutlich werden sich die Bayern am Samstag ganz spontan freuen, mit lustigen Bierduschen und innigen Umarmungen. Ja, der FC Bayern, dessen Wert die Beratergesellschaft KMPG auf 2,4 Milliarden Euro taxiert, ist schon ein toller Klub, mit rund 650 Millionen Euro Jahresumsatz.

Doch es gibt derzeit ein paar Dinge aus der Führungsetage, die mindestens seltsam anmuten, seltsam gewöhnlich, Dinge, die man einem Weltunternehmen auf den ersten Blick nicht zu unterstellen wagte. Da ist die offene Trainerfrage: Kann es wirklich sein, dass der FCB sechs Wochen vor Ultimo keinen Nachfolger für Jupp Heynckes gefunden hat, obwohl seit Dezember feststeht, dass der 72-Jährige aufhört? Und dass jetzt erst die Sondierung beginnt? Offensichtlich ja. Uli Hoeneß hat die Aussagen seines Freundes ja nie für ernst genommen, hat Heynckes mit einer sogenannten Charmeoffensive, die doch nur eine verkappte Respektlosigkeit ist, zu überreden versucht.

Dazu gesellt sich eine strukturelle Schwäche im Führungszirkel. Die beiden Alphatiere Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge blockieren sich, manchmal kommt die Rivalität ans Licht: Rummenigge wollte Thomas Tuchel, Hoeneß wider jede Vernunft an Heynckes festhalten, am Ende wollte Tuchel nicht mehr. Professionell ist das nicht. Es gibt weitere Defizite auf oberste Ebene: Da ist etwa der blasse Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der öffentlich kein besonders gutes Bild abgibt und kaum über das entsprechende Format verfügt. Da ist die jüngste DFL-Sitzung, in der über die 50-plus-1-Regel abgestimmt wird und der Vertreter der Bayern, der nicht Rummenigge und Hoeneß heißt, bekommt den Mund nicht auf. Anderntags tritt Rummenigge im „Kicker“ nach („Habe mich geistig von der DFL entfernt“) und beschwert sich zudem über mangelnde Gegner in der Liga. Aber die Bayern sind es doch, die aufkommende Konkurrenz schwach kaufen, siehe Götze, Lewandowski, Hummels, Rudy, Süle, aktuell Gnabry, Goretzka.

Dabei liegen immense strategische Aufgaben vor den Bayern. Die Mannschaft steht vor einem personellen Umbruch, was geschieht mit Robben, Ribery, Lewandowski? Wie wollen sich die Bayern aufstellen im Wettstreit mit den ganz Großen, Barça, Real, ManCity, Juve, PSG? Gegen von arabischen Scheichs und russischen Oligarchen gepamperten Spielzeugen der Superreichen? Das ist doch, was bei den Ruhmreichen alleine zählt: der Gewinn der Champions League. Der letzte liegt fünf Jahre zurück. Viele atmosphärische Störungen sollte sich das Duo Hoeneß/Rummenigge in der Chefetage nicht mehr leisten.

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