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50+1 Fiebriges Umfeld

Die 50-plus-1-Regel spaltet die Liga. In der DFL-Versammlung geht es auch um dieses Thema.

50+1
Die Fans haben eine klare Meinung. Foto: dpa

Es ist ein reges Treiben, das in den vergangenen Tagen hinter den Kulissen der Bundesliga zu beobachten ist. Vereinsverantwortliche belauern sich, knüpfen Allianzen und klopfen Positionen zur Zukunft der 50-plus-1-Regel ab, bevor am heutigen Donnerstag auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) über das weitere Vorgehen abgestimmt wird. Besonders intensiv diskutiert werden Berichte, denen zu Folge die Verbandsspitze ein juristisches Gutachten präsentieren will, das die 50-plus-1-Regel für juristisch unhaltbar erklärt. Das Statut schreibt vor, dass Stimmmehrheiten an Bundesligaklubs nur in besonderen Ausnahmefällen von Investoren übernommen werden können, das könnte gegen Wettbewerbsrecht verstoßen.

Wenn Gerichte 50 plus 1 tatsächlich kippen, bräche Chaos aus – ein Schreckensszenario. Kritiker sind in Sorge, dass viele Klubvertreter sich von so einem Vortrag erschrecken und zu vorschnellen Handlungen treiben lassen, es kursieren Gerüchte über Gegenmaßnahmen. Schließlich sind auf der Basis einer solchen Überrumpelungstaktik und mit Hilfe der brillanten Rhetorik von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert schon andere Entscheidungen gefallen, ohne dass alle Klubvertreter die Folgen klar durchschaut haben.

Beim Votum für Montagsspiele beispielsweise, die viele plötzlich gar nicht mehr so gut finden. Wolfgang Holzhäuser, der ehemalige Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, erzählt, dass „vor den meisten Abstimmungen im Ligaverband mit den Klubs selbst leider keine echte Diskussion“ stattfindet. Wenn es um die 50-plus-1-Frage geht, wollen nun immer mehr Vereine ernsthaft einbezogen werden und fordern eine offene Debatte. Auch auf Druck ihrer Fans, die im Vorfeld der Sitzung am Donnerstag im Sitzungshotel eine Tapetenbahnen mit den Unterschriften von mehr als 2800 Fanklubs, -verbänden und -organisiationen überreichen werden, die sich für den Erhalt von 50 plus 1 aussprechen.

In einem derart fiebrigen Umfeld hat wohl noch nie eine Mitgliederversammlung des Ligaverbandes stattgefunden, und die Konfliktlinien treten dabei deutlich zutage. Hier Vereinsvertreter wie der Geschäftsführer des FC St. Pauli, Andreas Rettig, der die Regel für „das letzte Stoppschild einer immer weiter fortschreitenden Kommerzialisierung“ hält. Die meisten Zweitligisten, aber auch Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund, Werder Bremen oder der SC Freiburg wollen ähnlich rigoros an der Regel festhalten. Freiburgs Geschäftsführer Oliver Leki hält die Frage, ob 50 plus 1 Bestand hat oder nicht, für eine „bedeutende Weggabelung“ in die Zukunft des deutschen Fußballs. Es gelte, „ohne Wenn und Aber“ dafür zu sorgen, dass Vereinsvertreter und nicht Abgesandte eines potenten Investors über die Geschicke der Klubs bestimmen. „Sonst wird ein großer Teil der Vereine zu wilden Spekulationsobjekten.“

Auf der anderen Seite stehen Klubs wie der HSV, Hertha BSC, Hannover 96 oder der FC Bayern, die die Regel für einen Anachronismus halten. Sie argumentieren zum einen mit bereits bestehenden Ausnahmeregelungen für Leverkusen, Hoffenheim, Wolfsburg und Leipzig, mit denen man rechtlich gleichgestellt werden will. Oder sie fordern mehr Gestaltungsspielraum für die einzelnen Vereine. „Es gibt aber sowohl mit dieser 50-plus-1-Regelung als auch ohne immer positive wie auch negative Beispiele. Sollte 50 plus 1 fallen, heißt das nicht automatisch, dass sich jeder Verein für einen Investor entscheiden muss“, erläutert Berlins Manager Michael Preetz. Wer in einer Investorenliga allerdings ohne großzügigen Geldgeber klarkommen muss, hat natürlich einen Wettbewerbsnachteil und steht permanent vor der Frage, ob er nicht auch Klubanteile veräußern soll.

Axel Hellmann aus dem Vorstand von Eintracht Frankfurt, der den Verkauf von Stimmmehrheiten an Investoren ebenfalls befürwortet, allerdings nur unter strengen Auflagen, sagt ganz offen, dass einige Standorte „attraktiver sind als andere“. Gerade Klubs wie Freiburg oder Mainz, deren Erfolg auf guter Arbeit und nicht auf finanzieller Überlegenheit beruht, würden zu den Verlieren zählen. Auch der Abstand zwischen den beiden Ligen würde „grundsätzlich eher größer werden“, sagt Hellmann. Standorten wie Hamburg, Köln, Berlin oder Frankfurt würde eine Aufweichung der Regel hingegen den Zugang zu sehr viel Geld ermöglichen, was nicht nur für die jeweiligen Klubs interessant ist.

Auch für die Führung der DFL, wo man genau wahrnimmt, dass Zuschauerzahlen sinken und der wichtigste Geldgeber Sky Probleme hat, weil immer mehr Rechte von Konkurrenten erworben werden, könnte leichter den Weg des Wachstums gehen. Denn wenn nun Großklubs aus Millionenstädten mit überregionaler Fanbasis regelmäßig im oberen Tabellendrittel und im Europapokal spielen, ließe sich der Abschwung abfangen.

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