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1.FC Köln Aufbruch mit Armin Veh

Der frühere Eintracht-Trainer Armin Veh wird Sportchef beim 1.FC Köln.

Armin Veh
Neuer Hoffnungsträger am Dom: Ex-Eintrachtler Armin Veh. Foto: dpa

Armin Veh ist ein Mensch, bei dem sich im Gesicht ganz gut ablesen lässt, wie es um seinen Gemütszustand und vor allen Dingen um sein Seelenheil bestellt ist. Immer dann, wenn der 56-jährige Fußballtrainer Stress hatte, wenn seine Mannschaft in eine Krise schlitterte und er nicht mehr so recht wusste, wie er den Kahn wieder flottbekommen sollte, dann hinterließ das tiefe Spuren in seinem Antlitz. Er sah abgespannt, gehetzt, abgehärmt aus – so wie vor gut eineinhalb Jahren in Frankfurt, seiner letzten Trainerstation, als er der tiefen Eintracht-Misere nicht Herr wurde und die Vereinsführung sich gezwungen sah, seine zweite Amtszeit am Main vorzeitig zu beenden. Das hat ihn getroffen, den Armin Veh, doch der Rauswurf hat seine Lebensqualität erhöht.

Zuletzt hätte Armin Veh als Dressmen für Männer im gesetzten Alter durchgehen können, er sah blendend aus, erholt, gebräunt, ruhig und entspannt. Er hatte ja auch keine allzu große Verantwortung zu tragen, außer grammatikalisch halbwegs korrekte Sätze am Sonntagmorgen bei Thomas Helmer im Stammtischtalk auf Sport 1 zu formulieren. Das ist mit einem Schlag wieder anders. Seit Mittwoch hat Veh eine neue Aufgabe in verantwortungsvoller Position: Er wird Sportchef beim Schlusslicht 1.FC Köln und hat einen Vertrag bis 2020 unterzeichnet. Ein Paukenschlag. Damit beendet der langjährige Bundesligacoach, wie er verlauten ließ, gleichzeitig seine Trainerkarriere.

Armin Veh soll für Ruhe sorgen

Die Kölner freuen sich über die Verpflichtung des charismatischen Augsburgers, der als Geschäftsführer Sport fungieren und an der Seite von Alexander Wehrle arbeiten wird. Ihn kennt er noch aus Stuttgarter Zeiten. Auf Wehrle war in den zurückliegenden Tagen sehr viel Kritik eingeprasselt, der Umgang und die Beurlaubung des allseits geschätzten Peter Stöger empfanden die meisten als unwürdig.

Nun soll die Personalie Veh eine Art Befreiungsschlag sein; Veh, der Befrieder und Ausgleicher, der auch die FC-Verantwortlichen aus der Schusslinie nimmt, die ihr Fett heftig abbekamen. „Armin Veh erfüllt unsere Kriterien perfekt. Er hat große Erfolge vorzuweisen und bringt viel Erfahrung mit, auch in Krisen“, sagte FC-Präsident Werner Spinner. „Er ist kommunikativ und führungsstark und passt in unser Team am Geißbockheim.“

Nun ist Veh der starke Mann beim FC, der gute Chancen hat, im kommenden Mai in die zweite Liga zwangsversetzt zu werden. Für Veh ist die Aufgabe daher natürlich keine klassische Rettermission. Er wird sich mit der zweiten Liga befassen müssen. Das weiß er. „Auf die Möglichkeit, beim 1.  FC Köln ein nachhaltiges Projekt anzugehen, freue ich mich sehr. Ich sehe es als riesige Herausforderung und eine tolle Möglichkeit, in diesem faszinierenden Traditionsklub etwas zu bewegen“, sagte der ehemalige Stuttgarter Meistercoach, der dem vor einigen Wochen demissionierten Jörg Schmadtke nachfolgt. Veh, der am Montag seine Tätigkeit aufnimmt, wird als erstes einen neuen Trainer holen müssen. Das erste Mal in seinem Leben.

Es ist ihm zuzutrauen

Die Mission in Köln ist für ihn jedoch nur bedingt Neuland; Als er 2009 beim damaligen Meister VfL Wolfsburg anheuerte, bekleidete er als Nachfolger von Felix Magath die Doppelrolle als Trainer und Manager. Richtig glücklich wurde der gebürtige Augsburger damit nicht, auch seine Einkäufe schlugen nicht ein.

Köln ist für ihn eine Chance. Veh ist ein Fußballfachmann, der ein gutes Auge für Spieler hat. Ihm geht es wie vielen Kindern der Bundesliga, sie können nicht ablassen von ihrem Sport, sie wollen nicht nur analysieren, sondern gestalten. Veh hat ein einnehmendes Wesen, ist kommunikativ, er kann mit seiner jovialen Art auch die schwierige Kölner Medienlandschaft in den Griff bekommen. Und: Als Trainer hatte ihm zuletzt das Feuer gefehlt, in Frankfurt etwa wurde ihm zum Schluss nachgesagt, er hätte die Wohlfühloase zu bequem ausstaffiert.

Der Schritt zum Sportchef ist daher nur vordergründig überraschend. Auch in Frankfurt gab es den Masterplan, ihn später zum Nachfolger des damaligen Vorstandschefs Heribert Bruchhagen zu installieren. Doch das Vorhaben ist zunichte gemacht worden – durch sportlichen Misserfolg samt Entlassung. Veh galt als Gesicht der Krise, in Köln soll er das Gesicht des Aufbruchs sein.

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