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Waldhof Mannheim Bengalos statt Bratwürste

Eine „Grillparty“ der Waldhof-Ultras könnte die Grundlage für die massiven Ausschreitungen rund um das abgebrochene Spiel in Mannheim gewesen sein.

28.05.2018 12:05
GER Relegation 3 Liga SV Waldhof Mannheim vs KFC Uerdingen 27 05 2018 Carl Benz Stadion Mann
Waldhof Mannheim gegen KFC Uerdingen: Auf den Rängen wird gezündelt. Foto: imago

Bengalos und Böller statt Bratwürsten und Bier? Eine „Grillparty“ der Waldhof-Ultras könnte die Grundlage für die massiven Ausschreitungen rund um das abgebrochene Spiel in Mannheim gewesen sein. Wie der Klub dem SID am Montag bestätigte, fand in der Nacht zum Samstag die Feier der Fan-Gruppierung im Carl-Benz-Stadion statt. Bei dieser Gelegenheit wurden möglicherweise Teile des verbotenen Pyrotechnik-Materials in der Arena deponiert.

Die Pyrotechnik kam am Sonntag beim Rückspiel in den Play-offs um den Aufstieg in die 3. Liga zwischen den Fußball-Regionalligisten Waldhof Mannheim und KFC Uerdingen zum Einsatz. Das Abbrennen durch vermummte Waldhof-Fans sorgte am Ende für den Abbruch der Partie. Daneben kam es zu zahlreichen weiteren Ausschreitungen. Eigentümer des Stadions ist die Stadt Mannheim. Ob den Behörden im Rathaus ein Vorwurf gemacht werden kann oder ob die Ultras ohne Erlaubnis „gegrillt“ haben, ist noch offen.

DFB weist Vorwürfe zurück

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht als Folge der Krawalle den Fandialog in Gefahr. „Der deutsche Fußball ist den Fans weite Schritte entgegengegangen. Und wenn das die Antwort auf ein Entgegenkommen und Dialogangebot ist, sind wir jetzt am Ende angekommen“, sagte Vizepräsident Ronny Zimmermann dem Mannheimer Morgen: „Ich habe so etwas noch nie erlebt, einen Spielabbruch auf so einer Ebene. Da müssen wir nicht mehr über Fußballkultur sprechen, mit so etwas möchte ich nichts zu tun haben.“

Vorwürfe in Richtung des DFB, wonach der Modus ein Auslöser der Randale sei, wies die Verbandsspitze zurück. „Wir haben beim Bundestag gerade eine neue Aufstiegsregelung beschlossen, die unter anderem dazu führt, dass der Meister aus dem Südwesten ab 18/19 fest aufsteigt“, twitterte DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Davon abgesehen kann die Aufstiegsregelung keine Begründung für die Gewalt sein, die wir in Mannheim gesehen haben.“

In Zukunft wird es aufgrund der im Dezember beschlossenen Regionalliga-Reform keine bundesweiten Play-offs um den Aufstieg in die 3. Liga mehr geben. Künftig werden vier Mannschaften in die 3. Liga aufsteigen. 2020 soll eine viergleisige Regionalliga installiert werden.
In den Spielzeiten 2018/19 und 19/20 steigt der Meister der Regionalliga Südwest direkt auf. Der Meister der Regionalliga Nordost soll ebenfalls am Ende der Saison 2018/19 direkt aufsteigen. Welcher Regionalliga-Meister den dritten festen Aufstiegsplatz in dieser Spielzeit erhält, wird vor der Saison per Auslosung festgelegt. Die übrigen beiden Meister der Spielzeit 2018/19, die dann in der folgenden Saison einen festen Aufstiegsplatz erhalten, ermitteln in einer Relegation aus Hin- und Rückspiel den vierten Aufsteiger.

Den Mannheimern droht derweil eine harte Strafe vonseiten des DFB. Der Kontrollausschuss hat Ermittlungen aufgenommen. Am Ende wird nach der erwarteten Anklage-Erhebung das Sportgericht über die Sanktion entscheiden.

Laut der Rechts- und Verfahrensordnung dürfte die Partie, die in der 82. Minute beim Stand von 1:2 von Schiedsrichter Patrick Ittrich (Hamburg) abgebrochen wurde, vom Sportgericht mit 2:0 für die Gäste gewertet werden. Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. Nach dem 1:0 im Hinspiel wird Uerdingen aufsteigen. Mannheim ist zum dritten Mal in Folge in den Play-offs gescheitert.

Die Mannheimer Polizei zog mittlerweile ein erschreckendes Fazit ihres Einsatzes rund um das Stadion und in der Stadt. Vor, während und nach der Begegnung wurden 45 Personen verletzt, darunter 6 Beamte. 10 Randalierer wurden festgenommen, 24 Strafanzeigen gestellt. Nach der Auswertung der Videoaufnahmen kann sich diese Zahl noch erhöhen. Ittrich brach die Partie in Rücksprache mit der Polizei ab. Die Beamten sahen von einem Einsatz während des Spiels im Mannheimer Block ab, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Die Mannheimer, die zwischen 1983 und 1990 der Bundesliga angehörten, waren 2003 aus der 2. Liga abgestiegen. Da der Klub damals keine Lizenz für die Regionalliga erhielt, wurde er in die Oberliga durchgereicht. Seitdem versuchen die Mannheimer vergeblich, zumindest in die 3. Liga aufzusteigen. (sid)

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