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Kommentar 3. Liga Todesfalle Liga drei

Die Stabilität im DFL-Bereich geht auf Kosten der unterklassigen Vereine unter dem DFB-Dach, angefangen von der dritten Liga, dem Tor zur Hölle für gefallene Traditionsvereine. Ein Kommentar.

Fußball-Drittligist Erfurt stellt Insolvenzantrag
Fußball-Drittligist Erfurt stellt Insolvenzantrag Foto: dpa

Sie ist ja schon ein schöner Wettbewerb, diese Dritte Liga im deutschen Fußball, ein Fall für unverbesserliche Schwärmer. Mit dem Zeigefinger fährt man die Tabelle entlang, und bei jedem Vereinsnamen entfahren einem Nostalgiegeräusche. Karlsruher SC, hmmm, Fortuna Köln, haaach, Hansa Rostock, Preußen Münster, SV Meppen, huuiii, SG Sonnenhof Großas – … oh. Die Dritte Liga ist eine Erinnerungsschublade, die man aufzieht, um sich zu vergewissern, dass es mal einen Fußball gab, bei dem Unkraut auf der Gegengerade wuchs.

Genau. Leider ist die Dritte Liga offenbar auch eine Art Todesfalle.

Am Mittwoch hat der ehrenwerte FC Rot-Weiß Erfurt, hmmm, einen Insolvenzantrag gestellt. Der deutsche Fußball brüstet sich immer damit, gesünder zu sein als alle anderen, als der spanische, der englische, der italienische, der französische Fußball. Das stimmt, blickt man auf die Erste und die Zweite Bundesliga. In den vergangenen zwanzig Jahren gab es nur zwei Insolvenzanträge in diesem von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beaufsichtigten Bereich, während es in England (20) und Frankreich (zwölf) im gleichen Zeitraum bedeutend mehr Pleiten waren. Zahlen, die einer Studie zu entnehmen sind, die Daniel Weimar (Universität Duisburg-Essen) und Stefan Szymanski (University of Michigan) kürzlich veröffentlichten.

Die These der beiden Forscher ist, dass die Stabilität im DFL-Bereich auf Kosten der unterklassigen Vereine unter dem DFB-Dach geht, angefangen von der dritten Liga, dem Tor zur Hölle für gefallene Traditionsvereine. Tatsächlich ist es ja so, dass es brutale Einbußen gibt beim Sturz aus der zweiten in die dritte Etage, allein die TV-Gelder schrumpfen dann von im Schnitt zehn Millionen Euro auf standardmäßige 800 000.

Und doch benötigen auch die Klubs der Dritten Liga mittlerweile teure, professionelle Strukturen, sie müssen quer durchs Land reisen für Auswärtsfahrten, sie müssen die Gehälter von Profis wuppen, die vom ganz großen Geld träumen, aber für Fulltime-Fußball gerade so viel verdienen wie ein besserer Angestellter. Das alles ist nur mit einer Weitsicht zu schaffen, die den erfolgssüchtigen Machern oft abgeht im Fußball. Aargh.

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