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Frust in Berlin nach EM-Aus Fast 100 Anzeigen und 17 Festnahmen auf der Fanmeile

99 Strafanzeigen und 17 Festnahmen lautet die Bilanz des Public Viewings auf Deutschlands größter Fanmeile beim EM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Italien am Donnerstagabend (1:2). Dabei handelte es sich vorwiegend um Körperverletzungen.

29.06.2012 08:43
Frustriert und traurig: Resignierte DFB-Fans auf der Berliner Fanmeile. Foto: Getty Images

Gegen 29 Menschen wurde am Donnerstagabend Anzeige wegen Körperverletzung gestellt, gegen sieben Personen wegen gefährlicher Körperverletzung, wie ein Sprecher am Freitag mitteilte. 21 Anzeigen gab es wegen Drogenbesitzes. Außerdem wurden das Abbrennen von Knallkörpern und Beleidigungen geahndet.

Gegen zehn Fußball-Fans wurden Platzverweise ausgesprochen. Von 126 Tatverdächtigen stellte die Polizei die Personalien fest. Insgesamt sei das Public Viewing aber relativ friedlich verlaufen, sagte der Sprecher. Es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben.

Die Fanmeile in der Straße des 17. Juni war schon vor Spielbeginn wegen Überfüllung geschlossen worden. Viele der Hunderttausende Fans verließen sie aber enttäuscht bereits vor Spielschluss. Friedlich blieb es dagegen an den anderen Orten, wo Fußballfans sich zum Public Viewing getroffen hatten.

Im Einsatz auf der Fanmeile waren rund 400 vom Veranstalter gestellte Ordner. Helfer des Deutschen Roten Kreuz mussten bis Spielende 142 Mal eingreifen. Es gab zwölf Transporte in umliegende Krankenhäuser. Die meisten Einsätze seien Folgen von Alkoholkonsum gewesen, sagte ein Sprecher.

Nach Spielende kam es wieder zu einem Autokorso italienischer Fans am Kurfürstendamm. Daran beteiligten sich rund 30 Autos. Es wurde gehupt und Fahnen geschwenkt. Auch hier gab es keine Zwischenfälle, obwohl Hunderte von Menschen zeitweilig auf der Fahrbahn unterwegs waren.

Hunderttausende Menschen waren am Donnerstagabend voller Vorfreude zum EM-Halbfinale Deutschland gegen Italien auf die Berliner Fanmeile geströmt. Doch die Feierstimmung hielt nicht an: Spannung und frohe Erwartung, die beim Anpfiff herrschten, wurden nach den Toren der Italiener von purem Entsetzen abgelöst.

Im weiteren Verlauf machte sich Frustration breit, weil es der deutschen Elf nicht gelang, einen Anschlusstreffer zu erzielen. Auch das Elfmeter-Tor von Mesut Özil in der Nachspielzeit konnte die Stimmung nicht mehr bessern. Einige Fans - auch Männer - hatten nach der Niederlage Tränen in den Augen.

„Das ist ein Dejà-vu, das ist genauso wie 2006 bei der WM“, erinnerte sich ein enttäuschter Fan an das Ende des damaligen Sommermärchens im eigenen Land. Für das Finale will er am Sonntag Spanien die Daumen drücken. „Die Italiener mag ich nicht mehr.“ Ein anderer zweifelte an der Mannschaftsaufstellung: „Gomez ist schuld, Joachim Löw hätte die gleiche Mannschaft wie gegen Griechenland aufstellen müssen.“

Hatten die Fans zunächst noch „Super Deutschland, ole ole“ gejubelt, so wurden diese Rufe nach den Gegentoren leiser. Das 0:1 wurde mit schrillen Schreien quittiert. „Verdammt Alter, 0:2“, fluchte ein Fan, als 17 Minuten später das zweite Tor für Italien fiel. Lange vor Spielende machten sich erste Fans auf den Heimweg. Nach dem Abpfiff leerte sich die Fanmeile dann schnell.

Wegen des großen Andrangs waren die Eingänge zu der Partyzone am Donnerstag schon eine Stunde vor dem Anpfiff geschlossen worden. Auf sieben Großleinwänden verfolgten die Fans zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule das Spiel der DFB-Elf. Einige Besucher hatten große Deutschland-Fahnen dabei. Viele Frauen waren schwarz-rot-gold geschminkt. Italienische Fans waren auf der Fanmeile kaum zu sehen. Wegen der Schulferien in Berlin und Brandenburg kamen diesmal besonders viele Jugendliche. (dpa)

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