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Frauenfußball-EM Ist Dzsenifer Marozsan wirklich gut beraten?

Deutschlands beste Fußballerin Dzsenifer Marozsan bindet sich an Robert Lewandowskis Agenten. Der hat es gerade erst zu zweifelhafter Berühmtheit gebracht.

17.07.2013 08:16
Entspannt in Schweden: Dzsenifer Marozsan. Foto: dpa

Kilometerlange Strände, blauer Himmel, frische Seeluft. Die königliche Familie Schwedens kann sich ja wohl kaum irren, wenn sie regelmäßig die Insel Öland mit ihren langen Stränden aufsucht. Gleich hinter der Brücke, die das Natur-Eiland mit der Stadt Kalmar verbindet, im Hauptort Färjestaden hat das deutsche Frauen-Nationalteam ihr Quartier im Blockhaus-Stil bezogen. Zur Besprechung vor dem letzten EM-Gruppenspiel am Mittwoch gegen Norwegen (18 Uhr/live ARD) ist Dzsenifer Marozsan entspannt über den asphaltierten Vorplatz geschlendert, auch wenn die 21-Jährige natürlich sieht, dass auf ihr eine besondere Erwartungshaltung lastet. Die Banner und Flaggen, die an den Hauptstraßen in Kalmar im Wind flattern, zeigen wechselweise Nadine Angerer und Dzsenifer Marozsan.

„Man bekommt das schon mit“, sagt die Spielmacherin, „ich versuche einfach, hier mein Bestes zu geben.“ Dabei scheint bei ihr das Beste gerade gut genug. Silvia Neid spart im Zusammenhang mit ihrer Nummer zehn nicht an Lob: „Technisch hat sie alles drauf: viel Spielwitz, einen guten Schuss und tolle Pässe. Sie muss nur noch Konstanz in ihre Leistungen bringen.“ Die Bundestrainerin sieht in der in Budapest geborenen Fußballerin genau jenen Spielertyp, der 2011 schmerzlich vermisst wurde.

Nur macht die Trainerin den Rucksack für ihre Lieblingsspielerin nicht schwerer als er ohnehin schon ist. „Wenn wir den Adler tragen, sind wir die Gejagten“, so Neid, die als Gruppenerste gerne in Kalmar bleiben würde – wozu schon ein Remis reichen würde. Der Gruppenzweite müsste dagegen nach Växjö zurück. Über beide Reiserouten hatte auch Maik Barthel Erkundigungen eingeholt – gut möglich, dass der wegen seines Klienten Robert Lewandowski zu einer zweifelhaften Berühmtheit gelangte Berater auch noch nach Schweden tourt. Seine Eurosportsmanagement GmbH hat nämlich Anfang Mai Dzsenifer Marozsan unter Vertrag genommen – als erste Fußballerin im Portfolio.

„Männer und Frauen – das macht in diesem Fall keinen Unterschied. Sie hat ein außergewöhnliches Talent und zählt zu den ganz besonderen Spielerinnen“, sagte Barthel der FR. Bisher lagen die Werberechte bei der Siegfried Dietrich gehörenden Agentur Sidi-Sportsmanagement, mit der der Frauenfußball-Experte mehrere Nationalspielerinnen vermarktet und den 1. FFC Frankfurt lenkt. Dort spielt Dzsenifer Marozsan seit 2009 und verlängerte zuletzt vorzeitig ihren Vertrag bis 30. Juni 2016.

Dietrich fürchtet den Druck

Was also will Barthel bewegen? Von einer Beraterfehde mag Dietrich nichts wissen: „Wir versuchen, gemeinsam einige Sachen auf den Weg zu bringen.“ Der FFC-Manager, der heute mit Frankfurts neuem Trainer Colin Bell das Spiel gegen Norwegen verfolgen wird, betont: „Wichtig ist, dass der Druck auf Dzsenifer nicht zu groß wird.“ Aber ist dafür hilfreich, dass künftig zwei Agenturen, darunter ein wahrlich nicht bestens beleumundeter Agent, daran zerren, „unsere beste Fußballerin“ (Silvia Neid) ins Schaufenster zu stellen?

Die Spielerin selbst hat darüber in Südschweden noch keine Silbe verloren, sondern lieber erwähnt, wer wirklich ihr wichtigster Ratgeber sei: Vater Janos Marozsan, einst ungarischer Nationalspieler und Erstligaspieler bei Honved Budapest. Wegen eines Engagements beim 1. FC Saarbrücken zog die Familie 1996 um und blieb für immer in Deutschland. Klar, dass die familiäre Bande die prägende Brücke bildet.

Täglich komme es auch während des Turniers zum Telefonat mit dem Papa, erzählt Dzsenifer Marozsan. „Seine Meinung ist mir wichtig, weil ich weiß, dass er Ahnung hat.“ Der Vater möchte das Viertelfinale noch abwarten. „Wenn er kommen würde, dann wohl erst zum Halbfinale“, verrät die Tochter, die mit nicht einmal 15 Jahren in der Frauen-Bundesliga debütieren durfte und zuletzt als beste Spielerin der U-20-WM prämiert wurde.

Die Taktgeberin als Juwel zu titulieren, ringt ihr mittlerweile ein leichtes Stirnrunzeln ab. Beim 0:0 gegen die Niederlande wirkte sie noch blockiert, beim 3:0 gegen Island wie befreit. „Ich denke, dass wir uns alle noch steigern können“, versichert sie artig. Wie die 20-fache Nationalspielerin, die im Kader definitiv nicht die Austrainierteste und Schnellste ist, sich nun gegen Kaliber wie Norwegen und später möglicherweise Spanien, England oder Frankreich durchsetzt, könnte entscheidend dafür werden, ob deutsche Fußballerinnen auf Öland noch so fröhlich feiern können, wie das gerade erst vor drei Tagen wieder die Königsfamilie auf Schloss Solliden und Tausende von Touristen anlässlich des Geburtstags von Kronprinzessin Victoria getan haben.

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