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Frankfurt-Triathlon Denk kritisiert Entwicklung im Ironman

Der Begründer des Frankfurt-Triathlons sorgt sich um seinen Sport. Ihn stört vor allem der Einfluss der Marketing-Agentur Infront. Derweil laufen die Verhandlungen mit der Stadt über eine Verlängerung des Ironman Frankfurt nach 2016.

27.12.2015 14:43
Nicht mehr Europachef der Eisenmänner: Thomas Dieckhoff. Foto: imago/GEPA pictures

Dass der globale Sportbetrieb auch zu Weihnachten niemals ruht, hat nun auch der Triathlon bewiesen. Nicht, dass auch über die Festtage noch geschwommen, geradelt und gelaufen wird – das erste Ereignis der neuen Saison ist am 10. Januar der Ironman 70.3 im chilenischen Pucon -, aber das Ironman-Headquarter in Tampa/Florida hatte am ersten Feiertag tatsächlich eine Neuigkeit zu verkünden. „Ironman freut sich, ein neues Rennen in China bekanntgeben zu dürfen. Es handelt sich um den ersten Ironman 70.3 in der Hafenstadt Xiamen an der Südostküste des Landes.“ Renndatum 6. November 2016. Künftig können dort direkt 15 Startplätze für den Hawaii Ironman 2017 ergattert werden.

Erst vor wenigen Wochen hatte ja der chinesische Mischkonzern Wanda für 650 Millionen Dollar vom amerikanischen Private-Equity-Unternehmen Providence die Rechte an der World Triathlon Corporation (WTC) und seiner Dachmarke Ironman erworben. Kurz darauf gab der neue Besitzer die Gründung von Wanda Sports bekannt, um den Sportvermarkter Infront Sports & Media mit der Ironman-Marke zu verschmelzen. Geleitet wird dieses Unternehmen von Philippe Blatter. Der Neffe des suspendierten Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, wie sein bekannter Verwandter etlichen Vorwürfen ausgesetzt, bestimmt also den Kurs des Ironman und strebt an, über den asiatischen Markt weiter zu expandieren.

Kurt Denk betrachtet diese Entwicklung und den Einfluss von Infront mit großem Unbehagen. Der Begründer des Ironman Frankfurt, der die Feiertage wieder im österreichischen Hintertux verbringt, vermutet, dass zu den 2016 geplanten 41 Langdistanz- und 136 Halbdistanz-Veranstaltungen unter Ironman-Label künftig wohl noch 20 oder 30 neue Rennen in Fernost kommen werden – nur mit einem neuen zahlungskräftigen Markt etwa in China würde sich der hohe Kaufpreis rechnen.

Der 66-Jährige hatte die neuen Macher wiederholt davor gewarnt, den Ironman zu entwurzeln. Für ihn treibt das Geschäftsmodell in keine gute Richtung. „Es ist ein System, welches nicht mehr überschaubar und transparent ist – weder für die Sportler noch für die Öffentlichkeit. Eine solche Entwicklung dient nicht dem Sport. Geld verdienen ist keine Schande. Eine andere Sache ist aber, wie man dabei mit Menschen umgeht, welche diesem Sport geholfen haben. Hier sehe ich große Defizite.“

Verdiente Mitarbeiter vergrault

Denk kritisiert scharf die Trennung von Europa-Chef Thomas Dieckhoff, der nach drei Jahren von seinen Aufgaben entbunden wurde, obwohl der neue Besitzer doch zuvor betont hatte, er wolle am bewährten WTC-Management festhalten (die FR berichtete). Offenbar waren den Machern die Sponsoringeinnahmen auf dem deutschen Markt nicht hoch genug. So hat Frankfurt keinen Hauptsponsor mehr – ein Makel, mit dem neben dem Ironman jedoch auch der Marathon und das Radrennen leben müssen.

Doch während dort wenigstens die Organisatoren für Kontinuität stehen, konnte davon beim Ironman Frankfurt in den vergangenen Jahren keine Rede mehr sein, weil reihenweise verdiente Mitarbeiter vergrault wurden. So erhielt der engagierte Triathlon-Arzt Dr. Klaus Pöttgen, der unter der Regie von Denk ab 2002 tatkräftig mithalf, ein umfassendes Anti-Doping-Programm aufzubauen, in einer formlosen E-Mail seine Kündigung. Mittlerweile erfreut sich der Mediziner als Mannschaftsarzt bei Bundesliga-Aufsteiger SV Darmstadt 98 einer hohen Wertschätzung. Oft wurden solche Entscheidungen mit Kosteneinsparungen begründet.

Der Vorwurf, dass Ironman-Veranstaltungen wie Zitronen ausgequetscht werden müssen, um die hohen Gewinnmargen zu bringen, steht ja seit längerem im Raum. Doch dagegen verwahrt sich der fürs deutsche Ironman-Business zuständige Geschäftsführer Björn Steinmetz auf FR-Anfrage. „Wir sind nicht gewinnorientierter als ein normaler Wirtschaftsbetrieb. Wir wollen den Ironman entwickeln, richten Veranstaltungen aus, müssen Löhne bezahlen.“ Tatsächlich sind allein zehn Mitarbeiter in der Europa-Zentrale in Frankfurt-Liederbach mit den vier deutschen Rennen im nächsten Jahr beschäftigt. Aushängeschild ist der Ironman Frankfurt (3. Juli), dazu kommen drei Halbdistanz-Veranstaltungen, der Ironman 70.3 im Kraichgau (5. Juni), in Wiesbaden (14. August) und auf Rügen (11. September).

Pikant: Die wichtigen Verträge für die Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt und Wiesbaden laufen 2016 aus. Steinmetz versichert, er sei deswegen längst „in guten Gesprächen mit Städten und Kommunen“. Ziel sei es, Vereinbarungen mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren abzuschließen. Die Dieckhoff-Personalie möchte der 42 Jahre alte Steinmetz nicht kommentieren.

In der Szene ist der Ruf der Marke Ironman bereits seit längerem angekratzt. Beim „Triathlon Award des Jahres“ im hessischen Langen gab es Ende November mal wieder die Quittung: Bei der Wahl zum beliebtesten Langdistanz Rennen hängte der Rivale Challenge Roth den Ironman Frankfurt mit Riesenvorsprung ab. Steinmetz verweist zwar auf die erneut ausgebuchten 3000 Startplätze seiner Veranstaltung, doch der Grund für den Run ist denkbar einfach: Nur bei einem offiziellen Ironman-Event können die nötigen Punkte erreicht werden, die Profis wie Altersklassenathleten die Teilnahme am Mythos Hawaii ermöglichen. Genau dieses Faustpfand setzen die neuen Besitzer jetzt ein, um Triathleten künftig in Städten wie Xiamen an die Startlinie zu treiben.

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